Steinmeier spricht von ″mörderischer Barbarei″ | Aktuell Europa | DW | 18.06.2021
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Zweiter Weltkrieg

Steinmeier spricht von "mörderischer Barbarei"

Zum 80. Jahrestag des Überfalls der Wehrmacht auf die Sowjetunion gedenkt Bundespräsident Steinmeier der Millionen Opfer. Die Deutschen ruft er auf, das Schicksal dieser Länder und ihrer Menschen stärker wahrzunehmen.

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Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion vor 80 Jahren

Das deutsche Staatsoberhaupt forderte in einer Rede zum 80. Jahrestag des Überfalls von Nazideutschland auf die Sowjetunion mehr Anerkennung für das damalige Leid der dortigen Bevölkerung. "Der deutsche Krieg gegen die Sowjetunion war eine mörderische Barbarei", sagte Frank-Walter Steinmeier im Deutsch-Russischen Museum in Berlin-Karlshorst. Dort wurde zugleich eine Ausstellung eröffnet mit dem Titel "Dimensionen eines Verbrechens. Sowjetische Kriegsgefangene im Zweiten Weltkrieg".

Gedenken an ein "Inferno"

"Vom ersten Tage an war der deutsche Feldzug getrieben von Hass: von Antisemitismus und Antibolschewismus, von Rassenwahn gegen die slawischen und asiatischen Völker der Sowjetunion", sagte das Staatsoberhaupt. "So schwer es uns fallen mag: Daran müssen wir erinnern!" Die Erinnerung an dieses Inferno, die Feindschaft und die Entmenschlichung bleibe für alle Deutschen eine Verpflichtung und für die Welt ein Mahnmal, betonte Frank-Walter Steinmeier.

Deutsche Soldaten bei der Festnahme einer sowjetischen Frau

Deutsche Soldaten bei der Festnahme einer sowjetischen Frau

Der verbrecherische Angriffskrieg trug die Uniform der Wehrmacht. Und niemand habe in diesem Krieg mehr Opfer zu beklagen als die Völker der damaligen Sowjetunion. "Und doch sind diese Millionen nicht so tief in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt, wie ihr Leid, und unsere Verantwortung, es fordern."

Geteilte Erinnerung

Das deutsche Staatsoberhaupt rief die Bundesbürger auf, das Schicksal dieser Länder und ihrer Menschen stärker wahrzunehmen. Von diesem Leid habe lange niemand in Deutschland hören wollen. Zudem hätten der Krieg, die Opfer auf deutscher Seite und die darauffolgende jahrzehntelange Teilung Europas auch die Erinnerung geteilt. Dies müsse sich ändern.

Steinmeier fuhr fort: "Wir sollten erinnern, um zu verstehen, wie diese Vergangenheit in der Gegenwart fortwirkt." Nur wer die Spuren der Vergangenheit in der Gegenwart lesen lerne, werde zu einer Zukunft beitragen können, "die Kriege vermeidet, Gewaltherrschaft ablehnt und ein friedliches Zusammenleben in Freiheit ermöglicht". Deutschland müsse alles für den Frieden mit und zwischen den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion tun.

27 Millionen Kriegstote auf dem Territorium der früheren UdSSR

Am 22. Juni jährt sich der Überfall der Wehrmacht auf die Sowjetunion zum 80. Mal. Historiker schätzen die Zahl der Opfer auf dem Gebiet der ehemaligen Sowjetunion auf etwa 27 Millionen Menschen, davon 14 Millionen Zivilisten. Besonders stark von dem Vernichtungsfeldzug betroffen waren die heutigen Länder Belarus, Ukraine und Russland.

Deutsche Panzer beim Vormarsch in der Sowjetunion im Juli 1941

Deutsche Panzer beim Vormarsch in der Sowjetunion im Juli 1941

Es grenze an ein Wunder, wenn Deutsche heute von den Menschen in Belarus, in der Ukraine oder Russland wieder gastfreundlich empfangen würden. Aus dem Geschenk der Versöhnung erwachse für Deutschland große Verantwortung, sagte Steinmeier. Die Gedenkrede hielt der Bundespräsident an symbolträchtiger Stelle. Am Ort des heutigen Deutsch-Russischen Museums, wo sich einst das sowjetische Hauptquartier befand, unterzeichnete die deutsche Wehrmacht am 8. Mai 1945 die Kapitulationsurkunde.

qu/rb (dpa, afp, kna, epd)

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