Steinmeier kämpft sich durch die Wahlarena | Wahlen | DW | 09.09.2009
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Wahlen

Steinmeier kämpft sich durch die Wahlarena

Frank-Walter Steinmeier machte in der TV-Wahlarena keine gute Figur. Anders als Kanzlerin Merkel am Tag zuvor wirkte der SPD-Kanzlerkandidat gestresst und unkonzentriert. Eine TV-Kritik. Von Sascha Baron

Frank Walter Steinmeier in der Wahlarena der ARD (Foto: WDR)

Frank Walter Steinmeier in der "Wahlarena" der ARD

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Ob Rente mit 67, Staatsbürgerschaften, Atommüll oder Bildungspolitik - genau wie einen Tag zuvor bei Angela Merkel von der CDU ging es in der TV-Sendung "Wahlarena" mit Frank-Walter Steinmeier von der SPD wieder quer durch den Themengarten der Republik.

Angelehnt ist das TV-Format des öffentlich-rechtlichen Senders ARD am US-Vorbild "Townhall Meeting", das für seine scharfe Diskussionen berühmt ist. Die repräsentativ ausgewählten Zuschauer durften per Handzeichen Fragen stellen. Auffällig war, dass die Formulierungen kritischer, frecher und auch aggressiver als bei der Merkel-Arena waren. Anscheinend waren den Programm-Machern die Fragen an die Kanzlerin einen Tag zuvor zu harmlos gewesen.

Schlagfertigkeit und Humor

Wenn Steinmeier versucht, humorvoll zu sein, dann klingen seine Pointen immer etwas zu scharf und sein Lachen immer etwas zu schrill, um sympathisch rüberzukommen. Dass Steinmeier laut einer Umfrage trotzdem von den Deutschen als humorvoller Mensch wahrgenommen wird, überraschte ihn dann sogar selbst.

Statt pointierter Sätze und schlagfertiger Antworten verzettelte sich Steinmeier in allgemeinverbindlichen und nichtsagenden Phrasen.

Technik

Genau wie Merkel versuchte Steinmeier seinen Fragestellern erst einmal Verständnis entgegenzubringen. "Ich kann ihren Ärger verstehen", sagte er einem Continental-Arbeiter, der vorschlug, Unternehmen zu bestrafen, die ihre Produktion ins Ausland verlagern. Einem Leiharbeiter, der ohne Unterstützung des Staates nicht Leben kann, sagte er: "Damit bin ich nicht zufrieden."

Doch anders als bei Merkel passte die Körpersprache nicht zum Inhalt seiner Ausführungen. Steinmeier wirkte gestresst, angespannt, ja fast genervt. Schon bei der zweiten Frage machte er sich mit einem Seufzer Luft. Immer wieder Griff er sich an die Nase.

Haltungsnote

Steinmeier machte keine gute Figur. Das lag zum einen daran, dass er sich merkwürdig an einen Stehtisch anlehnte und dabei fast auf einem Bein stand. Irgendwie sollte das wohl leichtfüßig aussehen, doch das Gegenteil war der Fall.

Die Fragen der Zuschauer trieben ihm sichtlich die Schweißperlen auf die Stirn. Mit einem dicken Schweißfilm im Gesicht wirkte er alles andere als entspannt.

Der stärkste Moment

Ausgerechnet beim Thema Murat Kurnaz blitzte Steinmeier rhetorisch kurz auf. Ein junger Zuschauer fragte: "Sie sind jetzt knapp vier Jahre Außenminister, also nicht einmal so lange, wie Murat Kurnaz in Guantanamo war: Träumen Sie manchmal von Murat Kurnaz?" Steinmeier blieb ruhig und gelassen - die Antwort kurz und klar: "Es gab keine Möglichkeit, Kurnaz herauszuholen."

Der schwächste Moment

Steinmeier begann fast jede Antwort damit, dass er erst einmal auf ein anderes Thema verwies, bevor er die eigentliche Antwort gab. Dabei jonglierte er mit Fachbegriffen und Konjunktiven, dass es schwer war, ihm zu folgen. Selten spendete ihm das Publikum Applaus.

Irgendwo in einer Argumentationskette machte er plötzlich eine gefühlte Ewigkeit Pause und sah kurz verwirrt in die Kamera. Anscheinend hatte er für einen kurzen Moment vergessen, was er eigentlich sagen wollte. Doch dann fing der Außenminister sich wieder und brachte die Ausführungen zu Ende.

Autor: Sascha Baron

Redaktion: Kay-Alexander Scholz

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