Steigende Spritpreise: Ist die Venezuela-Krise schuld? | Wirtschaft | DW | 23.02.2019
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Venezuela

Steigende Spritpreise: Ist die Venezuela-Krise schuld?

Venezuela ist das Land mit den größten Erdöl-Reserven der Welt. Trotzdem steckt es in einer tiefen wirtschaftlichen Krise, die nun auch politisch eskaliert. Was hat das mit dem steigenden Ölpreis zu tun?

Die Preise für Benzin und Diesel sind seit Beginn des Monats wieder gestiegen, besonders stark in der letzten Woche. Eine Auswertung des Automobilclubs ADAC ergab, dass die Autofahrer in Deutschland im Schnitt für den Liter Benzin E10 aktuell 1,337 Euro zahlen müssen, für den Liter Diesel 1,265 Euro. 

Der wesentliche Grund für die Teuerung sind die anziehenden Rohölpreise, denn ein Fass der Sorte Brent kostet aktuell etwa 66 Dollar, das sind drei Dollar mehr als eine Woche zuvor. Und hier spielt dann auch die Krise in Venezuela eine Rolle - eine kleine jedenfalls, relativiert Dora Borbély, Rohstoffexpertin der Dekabank. Denn die 2,1 Millionen Fass, die das Land fördert, entsprechen nur etwa gut zwei Prozent der weltweiten Ölförderung. Die Kürzungen von 1,2 Millionen Fass täglich, die die Opec und auch Russland sich im Herbst auferlegt haben, die würden sich stärker auf den Preis auswirken: Die Ölförderländer hatten sich damals darauf geeinigt, dass in der ersten Hälfte dieses Jahres Angebot und Nachfrage ins Gleichgewicht gebracht werden. Das werde schon im April der Fall sein, kündigte der saudi-arabische Energieminister jetzt an.

Preisanstieg um 30 Prozent

Saudi-Arabien hat dazu jedoch weit stärker beigetragen als seine Verbündeten. So haben die Saudis endlich auch Nigeria überzeugen können, ihre Förderung zu drosseln, auch Russland hat nun versprochen, die Kürzung zu beschleunigen. Die Ölpreise sind jedoch weit stärker gestiegen als das angemessen wäre: Seit Jahresanfang sind sie um 30 Prozent auf ihr aktuelles Niveau von 57 Dollar je Fass des amerikanischen Leichtöls WTI geklettert und auf 66 Dollar je Fass Brent. Mitte des Jahres dürften sie sich bei 60 bzw. 65 Dollar einpendeln, glaubt Borbély.

Mitglieder des Gesetzgebers der venezolanischen Nationalversammlung und Anhänger des venezolanischen Oppositionsführers Juan Guaido prallen mit Sicherheitskräften zusammen, als sie die Straße am Stadtrand von Mariara blockieren (Reuters/A. Martinez Casares)

Proteste gegen die Politik von Präsident Nicolas Maduro - hier im Februar in der Stadt Mariara

Die Treibstoffpreise aber hätten diesen starken Anstieg nicht mitgemacht, sagt Alexander von Gersdorff, Sprecher des Mineralölwirtschaftsverbands. Zwischenzeitlich waren sie zwar auf 1,35 Euro je Liter Super geklettert. Doch aktuell liegen sie auf dem Niveau des Jahresanfangs. Der Grund: Die Preise für die Verarbeitung des Rohöls in den Raffinerien sind gesunken, sodass die Steigerung der Rohölpreise nicht beim Autofahrer ankam. 

Weiterer Ölpreisansteig absehbar

Die Krise Venezuelas werde künftig am Ölmarkt jedenfalls auch kaum eine Rolle spielen, vermutet Carsten Fritsch, Rohstoffexperte der Commerzbank. denn inzwischen hat das Land für sein Öl einen neuen Abnehmer gefunden: Indien füllt nun die Lücke, die die USA gerissen haben. Die USA selbst fördern jedoch weiter kräftig Öl. Denn die Produzenten von Schiefergas können inzwischen schon bei einem Ölpreis von 50 Dollar kostendeckend arbeiten. Deshalb sprudelt dort das Öl und torpediert die Politik der Opec und ihrer Verbündeten wie Russland.

Dass die Amerikaner damit den Vorteil aus den Kürzungen haben, das dürfte Saudi-Arabien hinnehmen, glaubt Fritsch. Denn so verlöre das Land am Golf Marktanteile. Die Russen haben zwar versprochen, dass sie von nun an auch ihren Teil zur Drosselung der Produktion beitragen. Doch ob sie auch künftig zur weiteren Kürzung bereit sind, das sei fraglich, vermutet der Ölexperte. Mitte April trifft sich die Opec mit ihren Verbündeten zur nächsten Sitzung, auf der über die weitere Förderpolitik beraten wird. Bis zum Jahresende dürfte der Ölpreis bis 70 Dollar steigen, schätzt er. Doch weil voraussichtlich auch der Euro steigen wird, dürften die Verbraucher im Euroraum dies nicht so stark spüren.

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