Steigende Infektionszahlen beunruhigen die Deutschen | Deutschland | DW | 06.08.2020
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ARD-Deutschlandtrend

Steigende Infektionszahlen beunruhigen die Deutschen

Wer aus einem Risikogebiet nach Deutschland einreist, soll einen Corona-Test machen. Laut ARD-Deutschlandtrend finden die meisten Bürger das gut und sie wollen auch die Maskenpflicht schärfer kontrolliert sehen.

Ob Flugzeug, Bahn oder Auto: Ab Samstag müssen sich alle, die aus einem Land oder einer Region mit hohen Covid-19-Infektionszahlen nach Deutschland einreisen wollen, auf das Corona-Virus testen lassen. Mit dieser Entscheidung reagiert die Bundesregierung auf die steigenden Infektionszahlen auch in Deutschland.

In der Bevölkerung stößt das auf große Zustimmung. Im aktuellen ARD-Deutschlandtrend, einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts infratest-dimap, befürworten 93 Prozent der Befragten die Testpflicht.

Infografik Deutschland Trend Corona Tests für Reiserückkehrer DE

Die Entscheidung, die Kosten für die Tests nicht an die Urlauber weiterzureichen, stößt hingegen auf weitaus weniger Gegenliebe. Entscheidend ist das Alter: Während die besonders reiseaktive Altersgruppe der unter 40-Jährigen mehrheitlich Gefallen an kostenfreien Corona-Pflichttests findet, stehen die älteren Bundesbürger diesen Plänen überwiegend ablehnend gegenüber.

Mehr Kontrolle gefordert

28 Prozent der von infratest-dimap befragten Bürger macht sich sehr große oder große Sorgen, dass sie sich selbst oder Familienmitglieder mit dem Virus infizieren könnten. Genau so viele Befragte würden es gerne sehen, wenn der Staat die Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie noch verschärften würde.

Die Mehrheit der Deutschen ist allerdings der Meinung, dass die Einschränkungen im Alltag ausreichend sind. Allerdings geht vielen die Kontrolle der Maßnahmen nicht weit genug. Sie fordern eine härtere Gangart bei Missachtung von Mindestabstand und Maskenpflicht.

Infografik Deutschland Trend Corona Auflagen DE

Kein Mindestabstand, keine Masken: Unter Missachtung aller Hygieneregeln demonstrierten am vergangenen Samstag rund 20.000 Menschen in Berlin gegen die Corona-Auflagen. Eine bunte Mischung aus Corona-Leugnern, Impfgegnern und Verschwörungstheoretikern, unter die sich auch politisch rechtsgerichteten Gruppen gemischt hatten. Doch so laut sie auch protestierten: Laut ARD-Deutschlandtrend sind nur elf Prozent der Bundesbürger der Meinung, dass die alltäglichen Einschränkungen zu weit gehen.

Schule im Regelbetrieb - kann das gut gehen?

Zum nächsten Härtetest für die Politik dürfte der Beginn des neuen Schuljahres nach den Sommerferien werden. In Mecklenburg-Vorpommern und Hamburg hat der Unterricht in dieser Woche begonnen, Berlin, Brandenburg, Schleswig-Holstein und das bevölkerungsreichste deutsche Bundesland Nordrhein-Westfalen folgen in der kommenden Woche.

60 Prozent der Bundesbürger und 58 Prozent der Eltern von Kindern im schulpflichtigen Alter fürchten, dass die Schulen auf die Wiederaufnahme des Schulbetriebs bislang weniger gut beziehungsweise schlecht vorbereitet sind. In den Unterrichtsräumen soll kein Mindestabstand mehr gelten. Nur so kann gewährleistet werden, dass wieder regulärer Schulunterricht stattfindet. Für kleinere Gruppen stehen nicht ausreichend Lehrer zur Verfügung.

Infografik Deutschland Trend Wiederaufnahme des Schulbetriebs DE

Die meisten Eltern drängen darauf, dass der Unterricht wieder in der Schule stattfindet. Kaum jemand möchte einen erneuten Lockdown, wie im Frühjahr, als die Schüler überwiegend oder vollständig zuhause lernen mussten. Viele Eltern würden es aber gerne sehen, wenn abwechselnd in der Schule und zuhause unterrichtet würde. Wohl auch in der Hoffnung, dass die Lerngruppen dadurch verkleinert werden könnten.

Wohin steuert die Wirtschaft?

Die wirtschaftlichen Corona-Folgen sorgen in der Bevölkerung weiterhin für Unbehagen. Wie im Juni bezeichnen sechs von zehn die wirtschaftliche Lage in Deutschland als weniger gut beziehungsweise schlecht. Diese Sicht geht mit Unsicherheit gegenüber der weiteren Entwicklung einher.

Nach wie vor sind die meisten Bürger in Sorge, dass sich die Konjunktur eintrüben könnte. Allerdings macht sich nur jeder vierte Wahlberechtigte bisher große bis sehr große Sorgen um seine eigene wirtschaftliche Lage und nur jeder fünfte Erwerbstätige um seinen Arbeitsplatz. Zugleich ist aber die Sorge um den Arbeitsplatz gegenüber dem Frühjahr gewachsen.

Infografik Deutschland Trend Sorgen durch Corona DE

Entscheidend für eine Normalisierung nicht zuletzt der wirtschaftlichen Verhältnisse dürfte neben der Begrenzung von Infektionszahlen die Entwicklung eines wirksamen und sicheren Impfschutzes sein. Die aktuelle Bereitschaft der Deutschen, sich bei Vorliegen eines solchen Impfstoffes gegen Corona impfen zu lassen, ist hoch. 74 der befragten Bundesbürger geben an, dass sie sich auf jeden Fall beziehungsweise wahrscheinlich gegen Corona impfen lassen würden. Zum Vergleich: Nach dem Ausbruch der Schweinegrippe 2009 fiel die Impfbereitschaft unter den Bundesbürgern mit 34 Prozent nur halb so groß aus.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre

In der Unsicherheit der Corona-Pandemie haben die Bundesbürger weiterhin großes Vertrauen in die Bundesregierung. 64 Prozent der Befragten beurteilten die Berliner Regierungsleistungen wohlwollend. Das Kabinett erreicht damit seinen Rekordwert von Anfang Mai. Mit der Arbeit von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sind nach wie vor 71 Prozent der Befragten sehr zufrieden oder zufrieden. Bei Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) sind es 60 Prozent, bei Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) 57 Prozent.

Wenn am Sonntag Bundestagswahl wäre, würden von den Beliebtheitswerten aber nur die Unionsparteien CDU und CSU profitieren.

Infografik Deutschland Trend Sonntagsfrage DE

Die SPD verliert ein Prozent und käme auf 15 Prozent. Verluste verzeichnen auch die oppositionellen Grünen, die aktuell mit 18 Prozent rechnen könnten. Die AfD verbessert sich um einen Punkt auf elf Prozent. Während die Linke unverändert bei sieben Prozent liegt, legt die FDP um einen Punkt auf sechs Prozent zu. Eine Regierungsbildung gegen die Unionsparteien wäre damit aktuell weiterhin ausgeschlossen.

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