Statt Nobelpreis: Alternativer Literaturpreis für Maryse Condé | Bücher | DW | 12.10.2018
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Auszeichnung

Statt Nobelpreis: Alternativer Literaturpreis für Maryse Condé

Alternative Nobelpreise gibt es schon lange. In diesem Jahr gibt es zum ersten Mal auch einen alternativen Literaturpreis - verliehen von der "Neuen Akademie". Er geht an die französische Schriftstellerin Maryse Condé.

Er ist vielleicht nicht ganz so schick wie der eigentliche Literaturnobelpreis - aber nach den Streitereien in der Schwedischen Akademie bekommt er mindestens so viel Aufmerksamkeit. Gewonnen hat ihn die französische Schriftstellerin Maryse Condé. Das gab die Jury am Freitag in Stockholm bekannt. Sie lobte Condés Werk als wichtigen Teil der Weltliteratur. Die 81-Jährige habe in ihren Büchern respektvoll und präzise, aber auch mit Humor über die Verheerungen des Kolonialismus und die chaotische Zeit des Postkolonialismus geschrieben. 

Die Autorin mit karibischen Wurzeln veröffentlichte 1984 den Bestseller "Segu - Die Mauern aus Lehm". Für den Roman wurde sie mit dem LiBeraturpreis ausgezeichnet, der an Autoren aus Afrika, Asien und Lateinamerika vergeben wird. 

Weitere Romane sind "Ich, Tituba, die schwarze Hexe von Salem" (1986, dt. 1988), "Unter den Mangroven" (1989, dt.1991) und "Insel der Vergangenheit" (1997, dt. 2001). Zudem schrieb sie Kinderbücher, Theaterstücke und zahlreiche Essays.

Maryse Condé wurde als jüngstes von acht Kindern 1937 auf der Karibik-Insel Guadeloupe geboren. Sie studierte Literaturwissenschaft in Paris, arbeitete in den 60er-Jahren an verschiedenen Schulen und Sprachinstituten in Guinea, später in Ghana und im Senegal. Nach Lehrtätigkeiten an der Pariser Sorbonne in den 80er-Jahren unterrichtete sie französischsprachige afrikanische Literatur an der Columbia University in New York.

"Literatur ist wichtiger"

Verliehen wird der alternative Literaturpreis von der "Neuen Akademie", einer gemeinnützigen Organisation, die gegründet wurde, nachdem feststand, dass es in diesem Jahr keinen Literaturnobelpreis geben würde. Grund war der Skandal um sexuelle Belästigungen bei der Schwedischen Nobel-Akademie, im Zuge dessen die Akademie ihre Beschlussfähigkeit verlor, da drei Mitglieder ihre Arbeit einstellten.

Schwedische Akademie in Stockholm (Getty Images/AFP/J. Nackstrand)

Die Schwedische Akademie in Stockholm: Hier wird normalerweise der Preisträger des Literatur-Nobelpreises bekanntgegeben

Dass der diesjährige Literaturnobelpreis ausfällt - damit wollten sich viele Kulturschaffende nicht abfinden. Sie gründeten die "Neue Akademie" und lobten den "New Academy Prize in Literature" aus. Mit Hilfe von Crowdfunding kam ein Preisgeld von rund 100.000 Euro zusammen. Mehr als 100 Schriftsteller, Theaterleute, Journalisten und andere Akteure unterstützen die Initiative. Die Verleihung des alternativen Literaturpreises findet - analog zu den Nobelpreisverleihungen - im Dezember statt. Danach löst sich die "Neue Akademie", so der Plan, wieder auf. 

Weltweite Abstimmung

Nominiert waren insgesamt 47 internationale Autorinnen und Autoren. Kriterien waren unter anderem, dass der oder die Betreffende mindestens zwei Bücher veröffentlicht hat, eines davon innerhalb der letzten zehn Jahre.Nach einer weltweiten Online-Abstimmung, an der nach Angaben der Akademie rund 32.000 Menschen teilnahmen, schafften es vier von ihnen in die Endrunde: die Kanadierin Kim Thúy, die französische Schriftstellerin Maryse Condé, der britische Autor Neil Gaiman und der Japaner Haruki Murakami. Letzterer aber hatte darum gebeten, seine Nominierung zurückzuziehen, da er sich aufs Schreiben konzentrieren wolle.

pl/ka (dpa, epd, www.dennyaakademien.com)

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