Startschuss für den DAX 40 | Wirtschaft | DW | 19.09.2021
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Börse

Startschuss für den DAX 40

Von diesem Montag an ist der Deutsche Aktienindex breiter aufgestellt. Zehn Firmen aus der Mittelklasse steigen in den DAX auf, der dann 40 Unternehmen zählt.

Die Aufsteiger in der Reihenfolge des Börsenwerts sind Airbus, Zalando, Siemens Healthineers, Hellofresh, Symrise, Sartorius, Porsche Automobil Holding, Brenntag, Puma und Qiagen.

Wichtigstes Auswahlkriterium für den Aufstieg war allein die Marktkapitalisierung des Streubesitzes der letzten 20 Handelstage im August. In den Börsenwert nicht mit eingerechnet wurden also Aktienpakete von mehr als fünf Prozent.

Weiteres wichtiges Kriterium: Die DAX-Aufsteiger müssen Gewinne schreiben, das ist eine Lehre aus dem Wirecard-Skandal. Eine weitere Lehre ist, dass seit März schon alle Unternehmen in einem Index der DAX-Familie, also auch den kleineren MDax, SDax oder TecDax, Quartalsberichte und testierte Geschäftsberichte vorlegen müssen. Tun sie das nicht, fallen sie nach 30 Tagen aus dem Index.

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Größere Kursbewegungen erwarten Experten mit der Indexerweiterung nicht. Zwar müssen Aktienfonds, vor allem Indexfonds, die den DAX genau abbilden, ihre Zusammensetzung entsprechend ändern. Doch die großen Anleger haben sich in den vergangenen Wochen schon mit den Aktien der Aufsteiger eingedeckt, von denen standen die größeren ohnehin schon seit Monaten fest.

Die Verbreiterung des DAX auf 40 Unternehmen sei grundsätzlich ein guter Schritt, meint Jürgen Kurz, Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW). Allerdings ändert sich nicht so viel: Der DAX sei immer noch "industrielastig", sagt Kurz, auch wenn sich nun der Onlinehändler Zalando und Hello Fresh, ein Anbeiter von Kochrezepten und -zutaten, zum bisher einzigen e-Commerce-Unternehmen Delivery Hero gesellen, einem Lieferdienst für Essen.

Der Gesundheitsbereich wird durch den Aufstieg von Siemens Healthineers, dem Impftstoffzulieferer Sartorius und der Biotech-Firma Qiagen etwas breiter. Mit dem Duft- und Aromenhersteller Symrise ist zudem erstmals die Nahrungs- und Getränkebranche im wichtigsten deutschen Aktienindex vertreten.

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Innovative Unternehmen wie Biontech aber werden weiter fehlen, das sei ein "Riesenproblem" für den Börsenstandort Deutschland, moniert Christian Kahler, Chefanlagestratege der DZ Bank: "Wir haben keine großen IT- oder Technologiewerte neben SAP und Infineon, die schon im DAX sind. Das ist definitiv ein Malus für den deutschen Markt im Vergleich gerade zu den Amerikanern."

Mit dem Aufstieg der zehn Neuen wird der DAX aber nicht moderner. In fast einem Viertel der Vorstände sind Frauen gar nicht vertreten. Nur sieben der 54 neuen DAX-Vorstände werden weiblich sein. Und Merck-Chefin Belén Garijo bleibt die einzige Chefin eines DAX-Unternehmens.

An der Anzahl der im Leitindex notierten Unternehmen kann man zudem die Struktur der deutschen Wirtschaft ablesen: Es gibt einfach nicht so viele Aktiengesellschaften in Deutschland. "Da sind die Möglichkeiten begrenzt", sagt Jürgen Kurz von der DSW.

Schon eine Erweiterung des DAX auf 50, erst recht auf 100 Unternehmen wäre schwierig, weil der Börsenwert der kleineren Firmen zu gering ist. "Da haben wir nicht mehr 'Munition'", sagt Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse der Baader Bank.

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Eine Aktienkultur wie in den angelsächsischen Staaten gibt es in Deutschland immer noch nicht. Denn 90 Prozent aller deutschen Unternehmen sind familienkontrolliert. Das sind zwar oft kleinere Firmen, aber zusammen erzielen sie 52 Prozent der Umsätze aller deutschen Unternehmen. Darunter sind viele Weltmarktführer, etwa der Autozulieferer Bosch. Doch die familiengeführten Firmen hätten meist keine Lust, sich den strengen Regeln einer Börsennotierung zu unterwerfen, sagt Halver: "Die wollen nicht alle drei Monate eine Zwischenbilanz vorlegen, sondern lieber in Ruhe arbeiten."

Ob die DAX-Erweiterung zum Nachteil für seinen kleineren Bruder MDax ist, der die mittelgroßen Firmen umfasst, darüber sind sich die Beobachter noch nicht einig. Der schrumpft nun von 60 auf 50 Werte. "Die zehn Perlen sind erst einmal weg", sagt Kapitalmarktexperte Halver. So seien nun die mittelgroßen Werte wieder "unter sich". Das könnte eine wenn auch vorübergehende Schwächung bedeuten.

Andererseits sind diese kleineren Unternehmen oft flexibler und dynamischer in der Gewinnentwicklung. Das kann man an der Entwicklung der vergangenen Jahre ablesen: Von der Basis 1000 Punkte Ende Dezember 1987 ist der DAX auf aktuell knapp 16.000 Punkte gestiegen. Der MDax hingegen liegt mit gut 35.000 Punkten mehr als doppelt so hoch.

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