Springer-Chef Döpfner stärkt Yücel den Rücken | Aktuell Europa | DW | 28.02.2017
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Freiheit der Medien

Springer-Chef Döpfner stärkt Yücel den Rücken

Am Montag hat ein türkischer Richter Untersuchungshaft gegen den "Welt"-Korrespondenten Yücel angeordnet. Unter dem Slogan "Wir sind Deniz" ruft Springer-Vorstandschef Döpfner nun zum Kampf für die Pressefreiheit auf.

Deutschland Mathias Döpfner (Getty Images/AFP/J. MacDougall)

Springer-Vorstandschef Mathias Döpfner (Archivbild)

Nach der Verhängung der Untersuchungshaft gegen den Journalisten Deniz Yücel, der die deutsche und türkische Staatsbürgerschaft hat, zeigt der Vorstandschef des Verlagshauses Axel Springer und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger Flagge: Unter der Überschrift "Wir sind Deniz" macht er sich in einem Beitrag auf welt.de stark für die Freiheit von Kunst und Medien.

Wörtlich heißt es darin: "Gedankenfreiheit, Kunstfreiheit und Pressefreiheit sind hoffentlich unbequem. Aber: Die Demokratien der Mitte, die den Schutz dieser Freiheiten als konstituierende und also unter allen Umständen schützenswerte Elemente ihres Systems begreifen, sind weltweit geschwächt, matt, zum Teil taumelnd. Sogenannte Populisten, Kaum-Demokraten und Diktatoren sind dagegen im globalen Angriffsmodus und stürmen von Erfolg zu Erfolg - die Verachtung und Einschränkung intellektueller Freiheiten ist dabei ein Muster. Vor allem als Mechanismus der Einschüchterung."

Weiter schreibt Döpfner: "Da wundert es nicht, dass auch der Präsident der Türkei die Einschüchterung kritischer Journalisten zum systematischen Mittel seines Regierungsstils erhoben hat."

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Yücel muss in Untersuchungshaft

Döpfner würdigt Yücel als "brillanten Journalist" und "einen jeder Hinsicht unabhängigen Kopf und freien Geist". Seine Behandlung als Verbrecher sei ein Signal: "So kann es jedem gehen, der sich solche Freiheiten nimmt." Yücels Fall sei kein Einzelfall, sondern Teil eines Systems. "Von neuer Qualität ist er nur deshalb, weil hier der Korrespondent einer nichttürkischen Zeitung betroffen ist", argumentierte Döpfner.

Der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger bedankte sich für die überwältigend große Empörung und Solidarität in Deutschland und weit darüber hinaus. Dieser Zusammenhalt weit über die Grenzen üblicher ideologisch-politischer Verortungen und Gegnerschaft hinweg sei nicht nur "ein sehr schönes Signal von Menschlichkeit und Empathie" sondern vor allem richtig und klug. "Weil er denen, die einschüchtern wollen, unschüchtern begegnet. Und damit die Waffen der Einschüchterer nicht nur stumpf werden lässt, sondern ihre Wirkung ins Gegenteil verkehrt."

Solidaritätsanzeigen in Tageszeitungen

Auf ganzseitigen Anzeigen in überregionalen Tageszeitungen haben mehrere hundert Prominente die Freilassung des in der Türkei inhaftierten "Welt"-Korrespondenten Deniz Yücel gefordert. "Für die Freiheit von Information, Meinung, Wort und Kunst", heißt es in dem Aufruf in deutscher und türkischer Sprache. "Gemeinsam für und mit Deniz Yücel und allen zur Zeit in der Türkei inhaftierten Kolleginnen und Kollegen."

Zu den mehr als 300 Unterzeichnern zählen neben Künstlern, Schauspielern, Rechtsanwälten und anderen Prominenten eine Reihe von Chefredakteuren wie Klaus Brinkbäumer vom "Spiegel" oder Giovanni di Lorenzo von der "Zeit".

Auch leitende Vertreter von "Focus", "Stern", "Bild" oder "Süddeutscher Zeitung" unterzeichneten den Aufruf, in dem Artikel 19 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UNO zitiert wird: "Jeder hat das Recht auf Meinungsfreiheit und freie Meinungsäußerung; dieses Recht schließt die Freiheit ein, Meinungen ungehindert anzuhängen sowie über Medien jeder Art und ohne Rücksicht auf Grenzen Informationen und Gedankengut zu suchen, zu empfangen und zu verbreiten." Die Anzeige erschien unter der Überschrift "Deniz'E Özgürlük! Freiheit für Deniz!" auch in der Dienstagsausgabe der Tageszeitung "Die Welt".

kle/myk (dpa, DW, Die Welt)

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