Spionageanklage im Fall des entführten Vietnamesen | Aktuell Asien | DW | 07.03.2018
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Belastung für deutsch-vietnamesisches Verhältnis

Spionageanklage im Fall des entführten Vietnamesen

Der Geschäftsmann Trinh Xuan Than wurde vom vietnamesischen Geheimdienst aus Berlin verschleppt und in Hanoi unter anderem wegen Betrugs verurteilt. Die Bundesanwaltschaft hat einen mutmaßlich Beteiligten im Visier.

Der 47-jährige Vietnamese Long N. H. soll unter anderem in Prag einen Transporter angemietet haben, der bei der Entführung benutzt wurde. Die Anklage der Bundesanwaltschaft lautet auf geheimdienstliche Agententätigkeit und Beihilfe zur Freiheitsberaubung. Der Beschuldigte wurde einen Tag nach der Entführung in Tschechien festgenommen und im August von Prag nach Deutschland ausgeliefert.

2016 war der vietnamesische Geschäftsmann Trinh Xuan Than nach Deutschland geflohen und hatte hier Asyl beantragt. In seiner Heimat wurde ihm vorgeworfen, als Chef des Staatskonzerns PetroVietnam Constructions Wirtschaftsstraftaten begangen zu haben. Laut Bundesanwaltschaft stellte Vietnam einen Auslieferungsantrag, verschleppte den Unternehmer dann aber noch vor einer Entscheidung darüber im Juli 2017 gewaltsam aus Berlin. Mittlerweile wurde er in Hanoi in zwei Gerichtsverfahren wegen Wirtschaftsdelikten jeweils zu lebenslanger Haft verurteilt.

Vietnam Prozess Trinh Xuan Thanh in Hanoi (Reuters/VNA/D. Tan)

Nur knapp der Todesstrafe entgangen: Trinh Xuan Than während seines Prozesses in Hanoi

Korruptionsbekämpfung oder interner Machtkampf?

Der Entführungsfall löste eine schwere diplomatische Krise zwischen Berlin und Hanoi aus. Das Auswärtige Amt sprach von "Menschenraub" und "Entführung". Die vietnamesische Regierung bestreitet die Vorwürfe.

Die kommunistische Einheitspartei Vietnams geht derzeit massiv gegen mutmaßlich korrupte Politiker und Wirtschaftsführer vor. Beobachter vermuten dahinter aber auch einen internen Machtkampf.

fab/ww (afp, dpa)

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