″Spiegel″-Bericht: Saudi-Arabien stoppt Aufträge an deutsche Firmen | Aktuell Nahost | DW | 26.05.2018
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Außenhandel

"Spiegel"-Bericht: Saudi-Arabien stoppt Aufträge an deutsche Firmen

Eine offizielle Bestätigung gibt es noch nicht. Aber wenn der "Spiegel"-Bericht stimmt, verläuft das Geschäft deutscher Konzerne mit Saudi-Arabien nicht wie erwartet. Das Königreich soll über Berlin verstimmt sein.

Flaggen Saudi Arabien, Europa, Deutschland. (picture alliance/dpa/U. Baumgarten)

Partner oder Kontrahenten? Die Fahnen Saudi-Arabiens, der EU und Deutschlands (von links)

Aus Verärgerung über die Nahost-Politik der Bundesregierung hat Saudi-Arabien einem Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel" zufolge einen Auftragsstopp für deutsche Firmen verhängt. Der neue Thronfolger Mohammed bin Salman habe dies intern für Regierungsaufträge angeordnet, meldet der "Spiegel" in seiner neuen Ausgabe. Davon seien Großkonzerne wie Siemens, Bayer und Boehringer betroffen, die seit Jahren intensiv mit dem Gesundheitsministerium in Riad zusammenarbeiteten. Auch der Autobauer Daimler, der Hunderte Mercedes-Busse für den neuen Nahverkehr in Riad und Dschidda liefern solle, gehöre zu den Leidtragenden.

Mohammed bin Salman Kronprinz Saudi Arabien (Getty Images/AFP/L. Marin)

Starker Mann in Riad: Kronprinz Mohammed bin Salman

"Wir können den Spiegel-Bericht nicht bestätigen, unser Geschäft läuft normal weiter", sagte ein Daimler-Sprecher der Nachrichtenagentur Reuters. Siemens, Bayer und Boehringer wollten sich nicht äußern. Aus Berlin liegt ebenfalls keine Stellungnahme vor.

Auswirkungen im Gesundheitswesen

Reuters bemühte sich auch um eine Erklärung der saudiarabischen Regierung - ebenfalls zunächst ohne Erfolg. Ein in Riad tätiger hochrangiger deutscher Manager habe die Angaben aber teilweise bestätigt. "Die schmerzhaftesten Auswirkungen sind derzeit im Gesundheitswesen zu spüren", sagte der Manager, der anonym bleiben wollte. "Es ist vor allem das Gesundheitsministerium, das nicht so bestellt." Oft sei zu hören, dass der Palast dazu geraten habe, sich nicht mit deutschen Firmen zu beschäftigen, sondern sich Alternativen zu suchen.

Insgesamt sind etwa 800 deutsche Firmen im Königreich aktiv. 2017 summierten sich die deutschen Exporte nach Saudi-Arabien auf knapp 6,6 Milliarden Euro. Im November 2017 hatte Saudi-Arabien seinen Botschafter aus Deutschland zurückgerufen. Grund waren Aussagen des damaligen Bundesaußenministers Sigmar Gabriel. Dieser hatte Saudi-Arabien indirekt "Abenteurertum" in der Region vorgeworfen. Deutschland setzt sich zudem für ein Festhalten am Atomabkommen mit dem Iran ein, mit dem Saudi-Arabien wiederum verfeindet ist.

ml/stu (rtr, afp)

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