Spektakulärer Massenausbruch aus Gefängnis | Aktuell Amerika | DW | 19.01.2020
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Paraguay

Spektakulärer Massenausbruch aus Gefängnis

Aus einer Haftanstalt in Paraguay sind 75 Häftlinge, viele von ihnen Mitglieder einer berüchtigten brasilianischen Bande, durch einen selbst gegrabenen Tunnel geflohen. Vermutlich hatten sie Unterstützung vom Personal.

Paraguay Kriminalität l Gefängnisausbruch - 75 Häftlinge entkommen (picture-alliance/dpa/M. Candia)

Der Haupteingang der Haftanstalt

Die Gefangenen haben sich durch einen schmalen unterirdischen Gang aus dem Gefängnis von Pedro Juan Caballero an der Grenze zu Brasilien befreit, wie die Staatsanwaltschaft mitteilte. Gefängnismitarbeiter sagten, in den Zellen der Geflüchteten seien etwa 200 mit Erde gefüllte Säcke gefunden worden, vermutlich der Erdaushub aus dem Schacht.

Bei den meisten der Geflohenen handelt es sich laut einem Bericht der Zeitung "ABC Color" um Angehörige des mächtigen brasilianischen Verbrechersyndikats Primer Comando da Capital (PCC). Viele brasilianische Gangs sind in Paraguay aktiv. Das Land gilt als einer der größten Marihuana-Produzenten Lateinamerikas. Die Droge wird größtenteils in die Nachbarländer Brasilien, Uruguay und Argentinien geschmuggelt.

Paraguay Kriminalität l Gefängnisausbruch - 75 Häftlinge entkommen (picture-alliance/dpa/M. Candia)

Blick in den Fluchttunnel

Die Staatsanwaltschaft leitete eine Untersuchung ein, um zu klären, wie es zu der Massenflucht von mindestens 75 Häftlingen kommen konnte. "Zuerst kümmern wir uns darum, die Geflohenen wieder festzunehmen und dann kümmern wir uns um die Verantwortlichen für diesen Ausbruch", sagte Generalstaatsanwältin Sandra Quiñónez. "Wir werden sofort Ermittlungen einleiten, denn es gab ein korruptes Netzwerk, das diese Flucht ermöglicht hat. Es kann nicht sein, dass jemand in deinem Haus einen Tunnel gräbt und du nichts mitbekommst."

Justizministerin Cecilia Perez sieht das ähnlich: "Es ist eine Operation, die Tage dauerte und es ist unmöglich, dass das Gefängnispersonal nichts bemerkt hat." Sie gehe davon aus, dass Wachpersonal bestochen wurde, sagte Perez einem örtlichen Radiosender. Auch Innenminister Euclides Acevedo äußerte die Vermutung, dass Gefängnismitarbeiter die Vorbereitungen für den Ausbruch gedeckt haben könnten. Der Direktor, der Sicherheitschef und sechs weitere Mitarbeiter der Haftanstalt wurden umgehend entlassen.

Die paraguayische Regierung teilte mit, die brasilianische Bundespolizei sei alarmiert worden. Derzeit gehe man aber davon aus, dass sich die Flüchtigen noch in Paraguay befinden.

qu/uh (dpa, rtr, ap)

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