Spektakuläre Neandertaler-Funde in Höhle in Italien | Aktuell Europa | DW | 09.05.2021
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Archäologie

Spektakuläre Neandertaler-Funde in Höhle in Italien

Schädelreste und Knochenteile von Höhlenmenschen begeistern Forscher in Italien. In der Guattari-Höhle haben sie versteinerte Überreste von neun Neandertalern gefunden.

Italien Spektakuläre Neanderthaler-Funde in Höhle

Überreste von mehreren Neandertalern aus der Guattari-Höhle in Italien

Die Höhle am Circe-Berg zwischen Rom und Neapel war als Aufenthaltsort der Urmenschen schon seit Jahrzehnten bekannt. Bei der jüngsten Untersuchungskampagne machten die Forscher aber neue Entdeckungen. Sie fanden Überreste von weiteren neun Neandertalern, wie das italienische Kulturministerium mitteilte. Acht der Urmenschen dürften etwa zwischen 50.000 und 68.000 Jahre alt sein, eine Person könnte sogar vor 100.000 Jahren als Jäger und Sammler durch die Küstenregion im heutigen Latium gestreift sein.

Italien Spektakuläre Neanderthaler-Funde in Höhle

Knochenfunde in der urzeitlichen Höhle

Bereits seit den 1930er-Jahren ist die Küstenregion als wichtige Fundstätte für Spuren der engsten Verwandten der heute lebenden Menschen bekannt. Die archäologische Stätte war 1939 durch Zufall bei Bauarbeiten entdeckt worden. Der Paläontologe Alberto Carlo Blanc stieß kurz darauf auf einen gut erhaltenen Neandertaler-Schädel in der Höhle. Zuletzt wurden dort auch Tausende Tierknochen gefunden, viele davon stammen von Hyänen und ihrer Beute.

Die Zahl der Neandertaler aus der Guattari-Höhle habe sich damit durch die Suche seit 2019 auf nun elf erhöht, hieß es. "Es ist eine außergewöhnliche Entdeckung, von der die ganze Welt sprechen wird", freute sich Kulturminister Dario Franceschini.

"Die Entdeckung von Holzkohle und verbrannten Tierknochen bestätigt tatsächlich die Hypothese des Vorhandenseins eines richtigen Herdes", hieß es in der Mitteilung. Durch den Fund von Tierknochen, etwa von Elefanten, Höhlenbären, Wildpferden und Auerochsen, könnten die Experten die Umwelt und das damalige Klima allmählich rekonstruieren.

Große Population vermutet

Ausgrabungsleiter Francesco Di Mario erklärt, die jüngste Entdeckung deute auf eine recht große Neandertaler-Population in der Region hin. Nach Einschätzung des Anthropologen Mario Rubini können dadurch wichtige Rückschlüsse auf die Besiedlung Italiens gezogen werden.

Deutschland Neandertalerin im Museum

So könnte ein Neandertaler ausgesehen haben - eine Nachbildung aus einem Museum in Mettmann

An den neuen Studien waren den Angaben nach Archäologen, Anthropologen und andere Forscher der Provinzen Frosinone und Latina sowie von der Universität Tor Vergata in Rom beteiligt. Sie drangen in bisher unbekannte Bereiche der Höhle vor und untersuchten umliegende Außenbereiche.

Suche nach Gründen für Aussterben

Die Wissenschaftler analysierten etwa mit Genanalysen Überreste von urzeitlichen Tieren und Pollen. Mit ihren Studien versuchen die Experten zu verstehen, wie die Neandertaler lebten und warum sie vor rund 40.000 Jahren ausgestorben sind. Die Urmenschen sind die engsten Verwandten der heute lebenden Menschen. Sie besiedelten Europa, den Nahen Osten, Zentralasien und das westliche Sibirien. Der Name stammt von Überresten ab, die im Neandertal bei Mettmann in Nordrhein-Westfalen entdeckt worden waren.

kle/mak (dpa, epd, afp)

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