Spannendes Rennen um den deutschen Filmpreis | Filme | DW | 11.03.2020
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Deutscher Filmpreis

Spannendes Rennen um den deutschen Filmpreis

Sechs Filme bewerben sich um den höchstdotierten deutschen Kulturpreis. "Berlin Alexanderplatz" kommt auf elf Nominierungen, "Systemsprenger" auf zehn. Doch das Rennen um die "Lolas" ist offen.

Beim "Oscar" schreckte die ganze Filmwelt vor kurzem auf, weil dort in der Hauptkategorie mit dem südkoreanischen Werk "Parasite" erstmals ein nicht-englischsprachiger Film gewann - obwohl die "Oscars" doch bisher fast ausschließlich an amerikanische und britische Filme gingen. Schließlich ist der "Oscar" der Filmpreis für die englischsprachige Welt.

Und auch der französische Filmpreis "César" hatte jüngst sein Aufreger-Thema, weil dort der Streit um den vielfach nominierten Film "Intrige" von Regisseur Roman Polanski eskalierte - war Polanski doch einmal mehr wegen des Vorwurfs sexueller Übergriffe in den Fokus geraten. "Intrige" wurde trotzdem ausgezeichnet, dagegen gab es heftige Proteste.

Die sechs Filme haben sich ihre Nominierung verdient

Der "Deutsche Filmpreis", der am 24. April in Berlin verliehen wird, dürfte durch ruhigeres Fahrwasser gleiten. Unter den jetzt nominierten Filmen ist kein Skandalfilm, kein Werk, das schon im Vorfeld für große gesellschaftliche Diskussionen gesorgt hätte. Das heißt nicht, dass unter den sechs nominierten Filmen in der Königskategorie "Bester Spielfilm" keine engagierten und auch künstlerisch gelungenen Werke wären.

as Team von Berlin Alexanderplatz: Nils Verkooijen (l-r), Schauspieler, Welket Bungue, Schauspieler, Burhan Qurbani, Regisseur, Albrecht Schuch, Schauspieler und Jella Haase, Schauspielerin. (picture-alliance/dpa/B. Pedersen)

Dürfen sie demnächst nochmal jubeln? Das Team von "Berlin Alexanderplatz" jüngst bei der Berlinale

Im Gegenteil: Die Ausbeute ist nicht schlecht. Und so war das Bekenntnis von Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die zusammen mit dem Präsidenten der Deutschen Filmakademie, Ulrich Matthes, die Nominierungen bekanntgab, dies sei ein "vielversprechender Jahrgang", nicht falsch. Mit "Berlin Alexanderplatz" (unser Foto oben - mit elf Nominierungen in allen Kategorien der Spitzenreiter) und "Es gilt das gesprochene Wort" wurden zwei Werke nominiert, die gesellschaftlich relevante Themen wie Migration und Emigration in den Fokus nehmen.

"Berlin Alexanderplatz" und "Systemsprenger" sind die Favoriten

"Lara" und "Undine" stehen für ästhetisch ausgereiftes Kino, das zudem mit großartigen Schauspielern glänzen kann. Letzteres trifft natürlich auch auf "Systemsprenger" zu, einen Film, der bereits lange im Gespräch ist, auch weil er für Deutschlands ins Oscarrennen geschickt wurde - wo er dann aber in der Kategorie "Bester Internationaler Film" nicht ins Finale kam.

Nora Fingscheidt mit dem Bären in der Hand (Reuters/H. Hanschke)

Ihre Freude über den Silbernen Bären der Berlinale für "Systemsprenger" ist schon ein Jahr her: Regisseurin Nora Fingscheidt

Insgesamt darf sich "Systemsprenger" - neben "Berlin Alexanderplatz" - als heimlicher Sieger fühlen, kommt er doch inklusive Nebenkategorien auf zehn Nominierungen. Doch das ist noch keine Garantie für den späteren Sieg - siehe "Oscar" und "César", wo vermeintliche Favoriten öfters noch abstürzen. Und schließlich ist ja auch noch der Film "Lindenberg! Mach Dein Ding" im Rennen, als sechster Film der Kategorie "Bester Spielfilm" - ein schönes Beispiel für unterhaltsames, aber auch niveauvolles Kino für ein größeres Publikum.

Auch die Kinos in Deutschland werden gefördert - nicht nur der Film

Alles bestens also beim deutschen Film? Beim Film ja, bei den Kinos eher nein, könnte man antworten. Nur ein paar Tage vor der Nominierung für den 70. Deutschen Filmpreis, der dann am 24. April in Berlin hoffentlich feierlich verliehen wird - in Zeiten der Corona-Krise ist das ja so sicher nicht - war es ebenfalls Monika Grütters, die das Problem ansprach. Ein millionenschweres Hilfsprogramm für die deutschen Kinos hatte Grütters da angekündigt: 17 Millionen sollen in der nächsten Zeit fließen. Das "Zukunftsprogramm Kino" richtet sich an Kinobetreiber in kleineren deutschen Gemeinden.

Monika Grütters bei der Berlinale mit Ehrenpreisträgerin Helen Mirren (Getty Images/J. Macdougall)

Engagiert sich für den deutschen Film und die Kinos: Monika Grütters bei der Berlinale mit Ehrenpreisträgerin Helen Mirren

Geholfen werden soll dem cineastischen Kulturstandort Deutschland also in den Regionen abseits der großen Städte. "Dringender denn je brauchen wir hier Orte der kulturellen Begegnung und des Austausches", sagte Grütters unter Verweis auf gesellschaftliche Entwicklungen der jüngsten Zeit. Wo Menschen nicht nur die "Folgen von Abwanderung, demografischem Wandel und Versorgungslücken" zu tragen hätten, sondern auch die Auswirkungen eines schwindenden kulturellen Angebots, so Grütters, fänden Populisten leichter Zulauf.

Hoffen auf die Film-Gala am 24. April in Berlin - trotz Corona

Das "Zukunftsprogramm Kino" ist also eine logische Ergänzung zur Förderung des deutschen Films. Denn was nützen die besten und schönsten Filme ohne die Kinos? Der Deutsche Filmpreis ist eine Förderung für Produzenten, also für die Herstellung von Filmen - nicht von Kinos. Und nicht nur die späteren Preisträger bekommen Geld, auch die nominierten Werke dürfen sich über finanzielle Unterstützung freuen. Der "Deutsche Filmpreis" ist mit einer Dotierung von knapp drei Millionen Euro der finanziell wertvollste deutsche Kulturpreis überhaupt. Nun hoffen alle Beteiligten, dass die "Lolas" (so werden die Trophäen umgangssprachlich liebevoll genannt) am 24. April in Berlin auch übergeben werden können - trotz Corona-Krise.

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