Spanien schiebt Migranten nach Marokko ab | Aktuell Europa | DW | 23.08.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Migration nach Europa

Spanien schiebt Migranten nach Marokko ab

Spanien hat mehr als 100 afrikanische Flüchtlinge aus seiner Nordafrika-Exklave Ceuta abgeschoben. Grundlage der mit Marokko koordinierten Abschiebung war ein altes, "reaktiviertes" spanisch-marokkanisches Abkommen.

Spanien Ceuta Migranten aus Afrika (Reuters/F. Bimmer)

Migranten am Mittwoch bei der Ankunft im Versorgungslager von Ceuta

Die Aktion war äußerst ungewöhnlich. 116 Migranten aus Afrika, denen es erst rund 24 Stunden zuvor gelungen war, die Grenzzäune zu dem spanischen Gebiet auf dem afrikanischen Kontinent zu überwinden, wurden nach Marokko zurückgeschickt. Das Innenministerium in Madrid bestätigte, die Migranten seien in einzelnen Gruppen von bis zu zehn Menschen den marokkanischen Behörden übergeben worden.

Basis - eine mehr als 25 Jahre alte Vereinbarung

Die Rücküberstellung basiere auf einem Abkommen zwischen Madrid und Rabat von 1992, wonach Marokko auch Flüchtlinge aus Drittländern zurücknimmt, die illegal über sein Staatsgebiet auf spanisches Territorium gekommen seien, hieß es. Nach Angaben der Vertretung der spanischen Regierung in Ceuta steht das Abkommen im Einklang mit den EU-Regeln.

Die Tageszeitung "El País" hatte zuvor unter Berufung auf das Innenministerium berichtet, das Abkommen sei in den vergangenen Tagen auf Antrag der sozialistischen Regierung in Madrid "reaktiviert" worden. Ende Juli waren mehr als 600 Migranten über die doppelten, bis zu sechs Meter hohen Grenzzäune geklettert und gewaltsam auf spanisches Territorium gestürmt, am Mittwoch kam dann mit 116 Menschen dort nochmals eine große Gruppe an. Das für rund 500 Migranten konzipierte Aufnahmezentrum in Ceuta, hatte zuletzt mehr als 1200 Migranten zeitgleich zu betreuen.

Panik im Lager

Da die verschiedenen Aufnahmezentren in Spanien inzwischen ebenfalls schon seit Monaten alle überfüllt sind, konnten die Ceuta-Flüchtlinge nach Angaben aus Madrid nicht - anders als in den früheren Jahren - aufs europäische Festland gebracht werden. Bisher blieben Migranten, die über den Grenzzaun kamen, für einige Monate in einem Versorgungszentrum in Ceuta und wurden dann in das spanische Kernland gebracht.

Flüchtlingshelfer berichteten, die Abschiebung habe im Aufnahmelager von Ceuta Panik ausgelöst. Zahlreiche Migranten hätten das Lager aus Angst vor weiteren Abschiebungen verlassen, hieß es.

Verlagerung der Flüchtlingsströme

Nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration (IOM) hat Spanien dieses Jahr Italien als Hauptziel der illegalen Migranten abgelöst. Seit Jahresanfang seien mehr als 26.350 Flüchtlinge über die sogenannte westliche Mittelmeer-Route in Spanien angekommen, hieß es in einer jüngsten Bilanz. Das sind rund dreimal so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Spanien hat in Nordafrika zwei von Marokko beanspruchte Exklaven: Ceuta an der Meerenge von Gibraltar und das 250 Kilometer weiter östlich gelegene Melilla. In der Nähe der Exklaven hoffen Tausende Afrikaner - vorwiegend aus Ländern südlich der Sahara - auf eine Gelegenheit, über die beiden Städte, die das einzige EU-Gebiet auf afrikanischem Boden sind, die die Europäische Union zu gelangen.

qu/hf (dpa, rtr, epd, kna)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema