Souveräne Bayern mit unsouveräner Abwehr | Sport | DW | 09.02.2019
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21. Spieltag

Souveräne Bayern mit unsouveräner Abwehr

Der FC Bayern verkürzt den Rückstand auf Spitzenreiter Dortmund. Schwachpunkt bleibt jedoch die Defensive - ein sich hinziehendes Problem, das dem Rekordmeister in den kommenden Monaten große Sorgen bereiten könnte.

Manuel Neuer ging mit einem breiten Grinsen durch die Katakomben der Münchener Arena. Der derzeit verletzte Torhüter des FC Bayern begrüßte zunächst noch den langjährigen Busfahrer des FC Schalke 04, der ihn viele Jahre zu den Bundesligapartien mit seinem Ex-Klub gefahren hatte, mit einem Handschlag. Danach ging es direkt in die Umkleidekabine um den Kollegen zu gratulieren. 

Die Bayern hatten schließlich allen Grund, nach dem hochverdienten 3:1 gegen den Ruhrgebietsverein gute Laune zu haben. "Das war eine Vorlage, die wir gut nutzen konnten", sagte Leon Goretzka mit einem sichtlich zufriedenen Gesichtsausdruck. Nach dem kuriosen und erst in letzter Sekunde zustande gekommenen 3:3 zwischen Borussia Dortmund und 1899 Hoffenheim, von dem Goretzka bei der Platzbegehung kurz vor dem Anpfiff erfahren hatte, haben die Münchner den Rückstand auf den BVB auf nur noch fünf Punkte reduziert.

Unbehagen beim Rekordmeister

"Wir haben ein richtig gutes Spiel gemacht und hätten vielleicht noch ein, zwei Tore mehr erzielen können", sagte FCB-Coach Niko Kovac. Sein Team war den Schalkern (Tedesco: "Wir haben zu ängstlich gespielt.") in nahezu allen Belangen überlegen. Die Münchner hatten knapp 70 Prozent Ballbesitz, gewannen die Mehrzahl der Zweikämpfe (52 Prozent) und gaben mehr als doppelt so viele Torschüsse ab (16:7).

Fußball Bundesliga FC Bayen - FC Schalke 04 (picture-alliance/dpa/S. Hoppe)

Zu schnell für die Bayern-Profis: Kutucu mit seinem ersten Bundesligator

Doch trotz dieser Überlegenheit schwang ein gewisses Unbehagen beim Rekordmeister mit. "Wir haben wieder ein paar Torchancen zu viel zugelassen", sagte Goretzka und wirkte dabei, als würde er eine Mahnung an sich und seine Teamkollegen abgeben. Denn sogar gegen die insgesamt eher bieder auftretenden Schalker kamen sie vier Mal arg in Bedrängnis.

Viele Gegentore

Einmal traf Ahmed Kutucu nach einem Konter gegen die völlig indisponierte Münchner Abwehr zum zwischenzeitlichen Ausgleich. Yevhen Konoplyanka zwang FCB-Torhüter Sven Ulreich zu einer Glanzparade. Einmal traf Weston McKennie nach einem Alleingang über das halbe Feld im Nachschuss gegen die abermals überaus unsortierte Bayern-Abwehr nur den Pfosten. Verteidiger Jeffrey Bruma köpfte nach einem Eckball an den Pfosten. Ziemlich viele Möglichkeiten für ein in dieser Saison durchschnittliches Team aus Gelsenkirchen gegen eine Mannschaft, die in dieser Saison noch zwei Titel mit Meisterschaft und Champions League gewinnen will.

"Man hat in der zweiten Hälfte gemerkt, dass wir unter der Woche im Pokal über 120 Minuten gehen mussten", sagte Kovac. "Da haben wir das Spiel zu sehr verwaltet." Dennoch ist sich der Coach dieser Defensiv-Problematik bewusst. In der Bundesliga haben die Münchner in nun 21 Partien bereits 24 Gegentreffer kassiert. In der vergangenen Meistersaison waren es in den insgesamt 34 Partien nur 28 Gegentore.

Defensive muss gestärkt werden

"Wir arbeiten daran, wir zeigen den Spielern die Fehler auf, wir trainieren diese Situationen", sagte Kovac. "Aber auch Nationalspieler machen Fehler. Aber auch unsere Gegner machen Fehler und nicht nur der FC Bayern." Die Nerven sind bei den Münchnern ob dieser Thematik angespannt, denn dieses Problematik zieht sich seit Saisonbeginn durch das Münchner Spiel. 

Und gegen die Schalker haben sie eine weitere Gelegenheit verstreichen lassen, einen sattelfelsten Eindruck zu vermitteln. Schließlich kommen nun die entscheidenden Monate in dieser Saison. In eineinhalb Wochen müssen die Münchner in der Königsklasse beim von Jürgen Klopp trainierten Team vom FC Liverpool im Achtelfinal-Hinspiel antreten. Und dort warten auf Mats Hummels, Jerome Boateng und Co. nicht Kutucu, Daniel Caligiuri oder McKennie, sondern europäische Spitzenstürmer wie Sadio Mané, Mohamed Salah oder Roberto Firmino, die der Münchner Defensive deutlich mehr Kopfzerbrechen bereiten dürften. 

Und auch in der Bundesliga dürfen sich die Bayern keinen weiteren Ausrutscher leisten, wollen sie die Dortmunder Borussia tatsächlich noch überholen. Nicht umsonst hatte Kovac am Spielfeldrand mehrfach getobt und seinen Spielern direkte Anweisungen gegeben, wie sie die Zentrale besser absichern können und sollen. Leon Goretzka wurde vom Trainer eigens zu einem kurzen Vier-Augen-Gespräch gerufen. "Da ging es um taktische Dinge. Ich sollte etwas defensiver im Zentrum spielen", verriet der Mittelfeldspieler. In weiser Voraussicht auf die kommenden Wochen. 

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