Sommersonnenwende - ein Phänomen fasziniert die Menschen | Lebensart | DW | 20.06.2018
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21. Juni

Sommersonnenwende - ein Phänomen fasziniert die Menschen

Der Mittsommertag schlägt seit Jahrtausenden die Menschen in seinen Bann. Heute ist das Naturereignis vom längsten Tag und der kürzesten Nacht des Jahres schnell erklärt – in prähistorischer Zeit war es ein Rätsel.

Alles beginnt vermutlich in der Jungsteinzeit auf der nördlichen Erdhalbkugel. Die Menschen fangen an, die Sonne zu verehren und deshalb intensiv zu beobachten. Ihnen fällt auf, dass die Sonne zweimal im Jahr ihre Richtung ändert. An einem Tag im Winter, dann, wenn die Dunkelheit am längsten die Natur umhüllt und ihr Licht sie nur wenige Stunden erhellt, steht sie am südlichsten Punkt. Danach beginnt sie nach Norden zu wandern, die Tage werden allmählich länger. Später dann, wenn die Nacht am kürzesten und der Tag am längsten ist, passiert wieder etwas: Es ist Sommer, die Sonne steht am nördlichsten Punkt und die Tage werden anschließend allmählich kürzer.

Winter- und Sommersonnenwende

Natürlich wissen die Menschen damals nicht, dass die Sonne überhaupt nicht wandert, sondern fix steht. Dieser Eindruck entsteht vielmehr aufgrund der Erdbewegung, während sie innerhalb eines Jahres um die Sonne kreist. Immerhin bestimmen die Menschen der Jungsteinzeit die Wintersonnenwende (heute in der Regel am 21. Dezember) sowie die Sommersonnenwende (heute zumeist am 21. Juni) und markieren mit diesen beiden Tagen den astronomischen Winter- und den astronomischen Sommeranfang.

Grafik: Die Bahn der Erde um die Sonne (DW)

Die Bahn der Erde um die Sonne

Bereits vor 11.000 Jahren können Forschungen zufolge Menschen im Nahen Osten den Termin der Sommersonnenwende erfassen. Auch die mindestens 5000 Jahre alte Kultstätte Stonehenge in Südengland dient zum Teil genau diesem Zweck.

Mystischer Tag

Besonders dem Tag der Sommersonnenwende oder dem Mittsommertag messen die Menschen mystische Bedeutung zu. In diesem Zusammenhang entsteht auch der Mythos von der verkehrten Welt. Demzufolge steht die Welt am Tag der Sommersonnenwende einen Augenblick lang still. In den Religionen der germanischen, skandinavischen, baltischen, slawischen und keltischen Völker wird er später zum Feiertag. Ein Grund dafür mag auch die Tatsache sein, dass die sich anschließende Sommerzeit mit ihren Ernten das Überleben der Menschen sichert. Allerdings spiegelt sich darin wegen der kürzer werdenden Tage auch der Aspekt des Todes und der Vergänglichkeit.

Christliche Prägung

Mit dem Ausbreiten des Christentums wird etlichen zuvor heidnischen Feiertagen mit ihren Riten und Bräuchen eine christliche Deutung implantiert. Das gilt auch für die Winter- und Sommersonnenwende, die in den ersten Jahrhunderten nach Christi Geburt nach dem damals geltenden Julianischen Kalender um den 24./25. Dezember, bzw. 24./25. Juni liegen.

Leonardo da Vincis Gemälde Johannes der Täufer (picture-alliance/akg-images/A. Held)

"Johannes der Täufer", Gemälde von Leonardo da Vinci

Seit dem Jahr 336 ist in Rom der 25. Dezember als kirchlicher Feiertag belegt. Gefeiert wird Weihnachten, der Geburtstag des menschgewordenen Gottessohnes Jesus Christus. Die frühe Christenheit bezeichnet ihn als "verus Sol", also als die "wahre Sonne". Zuvor war dieser Tag dem römischen "Sol invictus" gewidmet, dem "unbesiegten Sonnengott". Die Belegung dieses Termins passt bestens in die christliche Bilderwelt, symbolisiert dieser Tag doch die Wiederkehr des Lichtes, die Leben schaffende, nie versiegende Kraft der Sonne. Damit hat die Wintersonnenwende einen starken christlichen Bezug bekommen.

Mit der Sommersonnenwende gelingt dies ebenfalls. Im Evangelium nach Lukas ist überliefert, dass Johannes der Täufer ein halbes Jahr vor Jesus geboren wurde. Deshalb wird der Geburtstag des jüdischen Bußpredigers, Propheten und Wegbereiters Jesu Christi auf den 24. Juni festgelegt. Der Tag der Sommersonnenwende heißt seitdem auch Johannistag. Es gelingt also auf diese Weise, den Anschluss an die viel älteren Bräuche zu den Sonnenwenden herzustellen.

Sommersonnenwendfeiern in Europa

Sonnwendfeuer, auch Johannisfeuer genannt, in Oberfranken (picture-alliance/dpa/Bildagentur-online/S. Celeste)

Sonnwendfeuer in Oberfranken

In Deutschland und weiten Teilen Europas wird der Tag zur Sommersonnenwende zumeist am Johannistag gefeiert – aber keineswegs flächendeckend. Vielmehr gibt es regionale Schwerpunkte.

Ganz anders in Skandinavien und dem Baltikum. In Schweden, Finnland oder Estland ist der Mittsommertag fast so beliebt wie Weihnachten, in Lettland sogar der populärste Feiertag. Eines haben die Feiern vom Nordkap bis in den Süden Spaniens gemein: Überall werden große Feuer entzündet. Deren Bedeutung und andere bemerkenswerte Details der Sommersonnenwendfeiern in Europa zeigt die Bildergalerie.

 

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