Soldaten müssen nach Tötung und Vergewaltigungen ins Gefängnis | Aktuell Afrika | DW | 06.09.2018
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Südsudan

Soldaten müssen nach Tötung und Vergewaltigungen ins Gefängnis

Im Juli 2016 überfielen Soldaten im Südsudan ein Hotel. Sie vergewaltigten mehrere ausländische Entwicklungshelferinnen und töteten einen Journalisten. Nun verhängte ein Militärgericht Haftstrafen gegen zehn Soldaten.

Südsudan Juba - Urteil gegen 10 Soldaten wegen Vergewaltigung und Mord (picture-alliance/AP Photo)

Das Militärgericht in Juba verurteilte zehn Soldaten zu Haftstrafen wegen mehrerer Vergewaltigungen und der Tötung eines Journalisten

Die Anklage lautete dem Gericht zufolge auf Vergewaltigung, Mord, Plünderung und Zerstörung. Die Soldaten seien "direkt verantwortlich" für die Verbrechen, erklärte Knight Baryano Almas, Richter an einem Militärgericht der südsudanesischen Hauptstadt Juba. Zwei der Soldaten müssen lebenslang hinter Gitter, die acht weiteren sollen für sieben bis 14 Jahre ins Gefängnis. Ein elfter Angeklagter wurde freigesprochen. Ein ebenfalls angeklagter Kommandeur, der den Angriff koordiniert haben soll, starb im Oktober 2017 in Haft.

Gruppenvergewaltigung, Schüsse, Scheinhinrichtungen

Die Straftaten ereigneten sich während Kämpfen zwischen Regierungstruppen von Präsident Salva Kiir und Rebellen seines früheren Stellvertreters Riek Machar in der Hauptstadt Juba im Hotel "Terrain". Während des Prozesses hatte der britische Hotelbesitzer Mike Woodward ausgesagt, 50 bis 100 bewaffnete Soldaten seien am 11. Juni 2016 in sein Hotel eingedrungen. Dort hätten sich zu der Zeit rund 50 Mitarbeiter ausländischer Organisationen aufgehalten. Woodward sprach von einer "Gruppenvergewaltigung von mindestens fünf ausländischen Frauen", von der Tötung eines südsudanesischen Journalisten sowie Schüssen auf einen US-Entwicklungshelfer. Außerdem hätten die Soldaten "fast jeden Menschen im Gebäude geschlagen und gefoltert" und sogar Scheinhinrichtungen veranstaltet.

Die Vergewaltigungsopfer sollen nun mit je 4000 US-Dollar (3440 Euro) von der südsudanesischen Regierung entschädigt werden. Woodward sprach das Gericht eine Entschädigung von mehr als zwei Millionen Dollar für die Schäden an seinem Hotel zu.

Erster Schritt gegen Straflosigkeit

Amnesty International lobte das Urteil als "wichtiges Zeichen". Der Leiter des Ostafrika-Büros der Organisation, Seif Magango, sagte, es handele sich um einen ersten Schritt, die weit verbreitete Straflosigkeit im Südsudan zu beenden. Auf Seiten sowohl der Armee als auch der Rebellen gebe es jedoch noch weitere Menschenrechtsverletzungen, die geahndet werden müssten.

Bürgerkrieg und chaotische Blauhelme

Im Südsudan liefern sich Regierung und Rebellen seit 2013 einen blutigen Machtkampf, in dem bereits Zehntausende Menschen getötet wurden. Ein Drittel der Bevölkerung, rund vier Millionen Menschen, ergriff die Flucht, viele von ihnen in angrenzende Staaten wie Kenia. Die Konfliktparteien haben zuletzt ein Friedensabkommen unterzeichnet, allerdings kam es früher bereits zu Vereinbarungen, die dann scheiterten.

Im Zusammenhang mit den Ereignissen im Hotel gab es damals große Kritik an der UN-Blauhelm-Mission: Laut einer Untersuchung der Vereinten Nationen waren in der Nähe stationierte UN-Soldaten trotz telefonischer Hilferufe nicht eingeschritten. Die 13.000 Blauhelme hätten "chaotisch und ineffizient" auf die Gewalt in Juba reagiert, der kenianische Befehlshaber der Mission wurde abgesetzt.

ehl/ww (dpa, afp, epd)

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