So hart trifft die Corona-Krise den Tourismus in Malaysia | DW Reise | DW | 11.05.2020
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Reise

So hart trifft die Corona-Krise den Tourismus in Malaysia

2020 sollte das große Jahr für Malaysias Tourismus werden. Hotels und Airlines rechneten mit Millionen von Gästen. Gekommen ist das Virus. Und mit ihm die schwerste Krise, die Malaysias Tourismusbranche je erlebt hat.

Leere Liegen auf der malaysischen Ferieninsel Langkawi (Malaysia Tourism Promotion Board )

Leere Liegen findet man auf der malaysischen Ferieninsel Langkawi sonst selten

Dieses Jahr sollte der Tourismus boomen wie nie. Weltweit wurde die Werbetrommel für die große Kampagne "Visit Malaysia 2020" gerührt. Das südostasiatische Land rechnete mit rund 30 Millionen Touristen und Einnahmen von gut 20 Milliarden Euro. Doch die Corona-Pandemie macht allen einen Strich durch die Rechnung, vor allem den mehr als 3,5 Millionen Menschen, die in der Tourismusbranche arbeiten.

Der Hotelsektor ist am stärksten betroffen

Die meisten Besucher kamen bis vor kurzem aus Singapur, Indonesien und China. Aber auch bei europäischen Touristen wurde das südostasiatische Land immer attraktiver. Doch seit der Einreisesperre kämpfen viele Hotels ums Überleben.

"Man kann sagen, dass Malaysia mindestens 60 Prozent des Tourismusgeschäfts für das Jahr 2020 verliert", so Yap Lip Seng, CEO des Malaysischen Hotelverbandes. Die Folge: Lohnkürzungen und unbezahlter Urlaub. Das ist die einzige Chance, Arbeitsplätze zu erhalten. Doch vor allem kleinere Hotels können sich das nicht leisten. Tausende Mitarbeiter in der Branche stehen auf der Straße.

Hotel-Resort auf der Insel Langkawi (Malaysia Tourism Promotion Board )

Hotel-Resort auf der Insel Langkawi

Um die Betriebe zu unterstützen, nutzt man einige Hotels als Quarantänezentren für aus dem Ausland zurückkehrende Malaysier. Die Regierung sagte umgerechnet 30 Euro pro Zimmer und Nacht zu. Mehr als 23.000 Zimmer standen auf der Liste. Doch selbst die waren nicht ausgelastet. Der malaysische Hotelverband geht daher davon aus, dass das Notfallkonzept keinen bedeutenden Ausgleich bringt.

"Aber es ist eine Hilfe für die teilnehmenden Hotels, wenn man bedenkt, dass es während dieser Periode fast überhaupt keine Einnahmen gibt", so Yap. Rund 35 Prozent der Hotels in Malaysia mussten vorübergehend schließen. Laut einer Umfrage gehen rund 15 Prozent der Hotels davon aus, dass sie die Corona-Krise nicht überleben und den Betrieb komplett aufgeben müssen. 

Kochen auf Sparflamme

Ähnlich dramatisch sieht es in der Gastronomie aus. Bars, die in dem muslimischen Land hauptsächlich von Expats und Touristen genutzt werden, sind vorübergehend dicht. Tausende Restaurants stehen vor der Pleite. So vielfältig die Kulturen in dem südostasiatischen Land, so vielfältig ist auch das kulinarische Angebot.

Doch egal, ob die malaysischen, thailändischen, chinesischen oder indischen Restaurants - sie alle kochen nur noch auf kleiner Flamme. Wenn überhaupt, gibt es derzeit nur Take-Away. Viele Betriebe sind komplett geschlossen - einige vermutlich für immer.

Ausflugsboote im Hafen von Penang, Malaysia (Malaysia Tourism Promotion Board )

Keine Touristen, keine Einkünfte auch auf der Insel Penang

Noch heftiger trifft die monatelange Flaute tausende Straßenstände. Besonders an Sehenswürdigkeiten, wie den beliebten Kalksteinhöhlen Batu Caves, sind Touristen die Haupteinnahmequelle. Ohne sie und ohne soziale Absicherung ist die Existenz vieler Familien bedroht. Gemeinnützige Organisationen verteilen Essen an die, die jetzt vor dem Nichts stehen.

Rettungsring der Regierung

Die malaysische Regierung will eine Fusion der nationalen Fluggesellschaft "Malaysia Airlines" und der Billigairline "Asia Airlines" vorantreiben, um beide Fluggesellschaften zu retten. Die zwei größten Airlines des Landes sind von der Corona-Krise beide stark getroffen.

Zum einen fällt der sonst rege Inlandsverkehr zu den vielen malaysischen Inseln weg, zum anderen gibt es kaum internationale Flüge. Diskutiert wurde über einen Zusammenschluss zwar schon vor der Covid-19-Pandemie, doch die ökonomische Krise könnte jetzt ausschlaggebend sein.

Die Gesamtsumme für das Lohnsubventionsprogramm wurde auf knapp 3 Milliarden Euro erhöht. Damit sollen besonders die kleinen und mittelständischen Unternehmen der Branche unterstützt werden. Dies soll Arbeitgebern ermöglichen, ihre Belegschaft über diesen Zeitraum hinweg zu halten und die Industrie aufrechtzuerhalten. Wobei der Zuschuss bis Dezember gewährt werden soll.

Felsen vor der Küste von Borneo, Malaysia (Malaysia Tourism Promotion Board )

Erst sollen die Einheimischen den Tourismus ankurbeln, auch auf der Insel Borneo

#TravelLater: Reisen für die Erholung des Landes

Der Inlandstourismus wird bei der Erholung der Branche eine wichtige Rolle spielen. Deshalb ermutigt der malaysische Tourismusverband in seinen Social-Media-Posts Einheimische, unter dem Hashtag #TravelLater, nach der Krise im eigenen Land zu verreisen, um so die heimische Wirtschaft anzukurbeln.

"Es kann Monate dauern, bis sich die Tourismusindustrie von den Auswirkungen von Covid-19 erholt hat, und wir brauchen alle Hilfe, die wir bekommen können, um beim Wiederaufbau zu helfen", so Datuk Musa Yusof, Generaldirektor von Tourism Malaysia.

Malaysia hofft auf schnelle Erholung des Tourismus

Sultan Abdul Samad Gebäude in der Hauptstadt Kuala Lumpur (Malaysia Tourism Promotion Board )

Beliebtes Fotomotiv: das Sultan Abdul Samad Gebäude mit seinem Glockenturm in der Hauptstadt Kuala Lumpur

Die größte Herausforderung wird es sein, das Vertrauen der in- und ausländischen Touristen zurückzugewinnen. Helfen soll unter anderem die Kampagne "Sauberes und sicheres Malaysia". Dabei sollen Hotels, die die Auflagen der zuständigen Behörden erfüllen, zertifiziert werden.

Abgesehen davon sollen Fluggesellschaften, Hotels, Verkehrsbetriebe und andere Betreiber zusammenarbeiten und gemeinsame Reisepakete anbieten. Das soll die Kosten für Betriebe und Besucher senken und den Tourismus des Landes wettbewerbsfähiger machen. Es wird erwartet, dass sich der Tourismus in Malaysia Ende des Jahres langsam erholt und sich bis Juni 2021 stabilisiert.

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