Skandal um den Literaturnobelpreis nimmt kein Ende | Bücher | DW | 29.04.2018
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Schweden

Skandal um den Literaturnobelpreis nimmt kein Ende

König Carl Gustafs Eingreifen hat nichts genutzt: Jetzt verabschiedete sich im Skandal um sexuelle Belästigung ein weiteres Mitglied von der Schwedischen Akademie. Auch Prinzessin Victoria soll betroffen sein.

Die Schwedische Akademie in Stockholm - Die Achtzehn (picture alliance/dpa/H. Montgomery)

Die Jury der Schwedischen Akademie in besseren Zeiten

Die altehrwürdige Akademie, die seit 1901 den Literaturnobelpreis vergibt, rutscht immer weiter in die Krise. Nachdem jetzt ein weiteres Jury-Mitglied zurücktrat, sind nur noch zehn der ursprünglich 18 Mitglieder aktiv. Um die Sitze im Gremium nachzubesetzen, wären allerdings 12 Stimmen nötig.

Sexuelle Übergriffe und Korruption 
Ausgelöst wurde die Krise, als Belästigungsvorwürfe über Jean-Claude Arnault, den Mann des Akademie-Mitglieds Katarina Frostenson bekannt wurden. Insgesamt 18 Frauen haben Arnault bisher sexueller Übergriffe beschuldigt.

Schweden | Nobelpreis 2016 Preisverleihung in Stockholm | Kronprinzessin Victoria (Getty Images/P. Le Segretain)

Wurde auch Kronprinzessin Victoria ein Opfer sexueller Belästigung?

Neuesten Berichten schwedischer Medien zufolge könnte unter den Opfern auch Kronprinzessin Victoria gewesen sein. Arnault habe ihr bei einem Empfang vor mehr als zehn Jahren an den Po gefasst, berichteten die Zeitung "Svenska Dagbladet" und der schwedische Rundfunk SVT unter Berufung auf mehrere Augenzeugen. Das Königshaus gab zu den Anschuldigungen bisher keinen Kommentar ab.

Auch Katarina Frostenson musste sich massiven Vorwürfen stellen: Sie habe Gelder veruntreut und die Namen von sieben Nobelpreisträgern ausgeplaudert. Sie legte ihre Arbeit erst auf massiven Druck hin nieder. Weitere Mitglieder traten aus der Akademie aus, weil sie mit der internen Aufklärung der Vorfälle nicht zufrieden waren.

Wird der Literaturnobelpreis in diesem Jahr nicht vergeben?

Trotz des Skandals laufe die Arbeit zur Vorauswahl der Kandidaten wie gewohnt, hieß es seitens der Akademie. Mitte April hatte sich auch das schwedische Königshaus eingeschaltet: Die jahrhundertealten Statuten sollen geändert werden, um die Jury wieder beschlussfähig zu machen, hatte König Carl XVI. Gustaf der Öffentlichkeit mitgeteilt.

Die Akademie räumte jetzt allerdings ein, dass durch die Vorkommnisse auch das Ansehen des Preises Schaden genommen habe. Normalerweise verkündet die Jury den Namen des Nobelpreisträgers im Oktober. Doch jetzt diskutiert man hinter verschlossenen Türen offenbar, den Preis in diesem Jahr nicht zu vergeben - und dafür im kommenden Jahr gleich doppelt. 

suc/cgn  (dpa,afp)

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