Sinkende Corona-Inzidenz: Hoffnung für Deutschland | Deutschland | DW | 14.05.2021
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Covid-19-Impfung

Sinkende Corona-Inzidenz: Hoffnung für Deutschland

Ende Juni könnte die wichtige Wegmarke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in Deutschland unterschritten werden. Ab dieser Grenze sollten die meisten Gesundheitsämter wieder Kontakte nachverfolgen können.

Video ansehen 03:42

Corona-Prognose für Deutschland: Ende Juni Inzidenz unter 50

Es ist ein Hoffnungsschimmer, der aus den vielen Zahlenmodellen zur Pandemie-Entwicklung hervorsticht: Deutschland könnte landesweit Ende Juni die wichtige Wegmarke von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner unterschreiten, "wenn die Veränderungen so weitergehen", sagt der Pandemie-Forscher Dirk Brockmann im Covid-19-Videopodcast der Deutschen Welle. Der Physiker und sein Team von der Berliner Humboldt-Universität erstellen die Prognosen des Pandemieverlaufs auch für das nationale  Gesundheitsinstitut des Landes, das Robert-Koch-Institut (RKI), das die deutsche Regierung berät. Die positive Entwicklung wird offenbar gleichermaßen von den Impfungen getrieben und den weiterhin bestehenden Kontaktbeschränkungen.

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Modellrechnung mit Kontaktbeschränkungen

Voraussetzung sei, dass weiterhin menschliche Kontakte eingeschränkt blieben, das gesellschaftliche Leben in Deutschland weiter gebremst bleibe. "Dann rechnen wir mit einer Inzidenz von deutlich unter 50 Ende Juni", so Brockmann. "Aber diese Berechnungen gehen immer davon aus, dass alles genau so passiert, wie es geplant ist." Sollte eine neue Virus-Variante in Deutschland an Boden gewinnen oder es "weitere Überraschungen" geben, werde das Modell schon nicht mehr stimmen.

Brockmanns Vorsicht hat Gründe: Die Forscher wollen verhindern, dass jetzt gute Nachrichten dazu führen, dass die Menschen laxer werden mit ihren Vorsichtsmaßnahmen. Bereits vergangenen Oktober hatten er und andere Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vor der zweiten Infektionswelle gewarnt und dann noch einmal im Januar vor der dritten Welle, getrieben von der zuerst in Großbritannien festgestellten ansteckenderen Virus-Variante B117.

Beide Male hatte die Politik in Deutschland einen kurzen, aber harten Lockdown wie im Frühjahr 2020 abgelehnt. Dabei war er Grundlage für den großen Erfolg des Landes bei der Bekämpfung von Sars-CoV-2 zu Beginn der Pandemie in Europa. Der Physiker Brockmann ist Mitglied der interdisziplinären NoCovid-Gruppe, einem losen Zusammenschluss von deutschen Experten, darunter auch Virologen und Epidemiologen. Die "NoCovid"-Wissenschaftler hatten eine Strategie mit kurzen, aber intensiven Shutdowns vorgeschlagen, um das Virus auszurotten. Die hatte zunächst auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) verfolgt, konnte sich aber gegen die Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten nicht durchsetzen.

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An vorderster Front in der Pandemie

Eine neue Studie im britischen Wissenschaftsmagazin "The Lancet" gibt Brockmann im Nachhinein Recht, wie er im DW-Gespräch sagt: "Dass nämlich diese eliminationsgetriebenen Strategien effektiver sind und letztlich viel weniger Schäden, auch ökonomische Schäden hervorrufen." Beispiele dafür seien Neuseeland, Norwegen, Finnland und andere Länder, "die genau diese Strategie gefahren haben, nämlich mit dem Ziel, das Virus nicht einfach sozusagen auf niedriger Flamme fahren zu lassen" wie seit Monaten in Deutschland, "sondern wirklich auszurotten, auch wenn dieses Ziel nicht unbedingt möglich ist." Brockmann verweist dabei auf das Ziel, die Zahl der Verkehrstoten so weit wie möglich zu senken: "Niemand würde sagen, 300 Verkehrstote im Jahr, das ist okay, das soll unser Ziel sein, sondern da ist immer das Ziel null, auch wenn man das nie erreicht."

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Großer Druck für Öffnungen

Der Druck in Deutschland ist groß, Corona-Maßnahmen zu lockern, zum Beispiel die Außengastronomie wieder zu erlauben. Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) warnte bei einer Pressekonferenz diese Woche, Öffnungen müssten "gepaart sein" mit der Bereitschaft, "mögliche Lockerungen wieder zurückzunehmen". Vorsichtig zeigte sich auch der Leiter des Robert Koch-Instituts, Lothar Wieler: "Wir haben in den letzten Wochen wirklich sehr sehr viel erreicht – lassen Sie uns auf diesem Weg weitermachen." Seit einigen Wochen sinken die Neuinfektionen "in allen Altersgruppen und in allen Bundesländern", so Wieler. Gründe seien neben den Kontaktbeschränkungen vor allem die Impfungen. Deutschland liegt nach einer Erhebung der Internet-Plattform "Our World in Data" seit einigen Wochen auf Platz vier bei der Impfgeschwindigkeit weltweit und hat die USA und Großbritannien überholt.

Deutschland sei auf einem "guten Weg", so RKI-Chef Wieler. Doch er warnte auch: Die Pandemie sei "nicht vorbei". "Pro Woche versterben weiter in unserem Land über 1000 Menschen in Zusammenhang mit dieser Infektion." Jetzt seien zunehmend Schulkinder und junge Erwachsene betroffen, dort seien die Inzidenzen am höchsten. Und gleichzeitig könnten die Jüngsten bislang nicht geimpft werden. Neben dem Impfen seien deshalb weiterhin Corona-Tests, das Abstandhalten, Mund-Nasenschutz sowie in Räumen das Lüften, um Aerosole zu verdünnen, die schärfsten Waffen gegen Covid-19. "Bis wir das Virus unter Kontrolle haben, muss der Anteil der immunen Menschen in der Bevölkerung entweder durch eine vollständige Impfung oder durch eine durchgemachte Infektion plus einer Impfung bei deutlich über 80 Prozent sein." Bislang ist erst ein Drittel der Deutschen erstmalig geimpft worden.

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