Simbabwes Ex-Präsident Mugabe will für Opposition stimmen | Aktuell Afrika | DW | 29.07.2018
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Bruch mit eigener Partei

Simbabwes Ex-Präsident Mugabe will für Opposition stimmen

In Simbabwe finden am Montag erstmals Wahlen ohne den langjährigen Präsidenten Robert Mugabe statt. Kurz vor der Abstimmung äußert sich der 94-Jährige vor Journalisten - und bricht mit seiner Partei Zanu-PF.

Er werde seinen Nachfolger Emmerson Mnangagwa nicht wählen, erklärte Robert Mugabe (Artikelbild) auf seinem Anwesen in der Hauptstadt Harare. Der 94-Jährige betonte, er werde nicht für diejenigen stimmen, die illegal an die Macht gekommen seien und ihn und seine Familie schikanierten. Gleichzeitig deutete er an, für den Oppositionskandidaten Nelson Chamisa votieren zu wollen.

Mugabe erklärte, er werde der Partei gratulieren, die die Wahlen gewinne. "Lassen wir die Stimme des Volkes entscheiden", sagte er. Der Ex-Präsident sprach langsam und leise. Er war dabei tief in einen Lehnstuhl versunken, schien aber gesund.

"Politik wird von Gewehren diktiert"

Mugabe war seit der Unabhängigkeit Simbabwes von Großbritannien 1980 an der Macht, wurde im November jedoch überraschend vom Militär zum Rücktritt gezwungen und von seiner Partei ausgeschlossen. "Die Politik wird seither von Gewehren diktiert", sagte Mugabe bei der kurzfristig anberaumten Pressekonferenz. Die Wahl am Montag müsse zu einer demokratischen und verfassungsmäßigen Ordnung führen.

Simbabwe Wahlkampf Präsident Mnangagwa (Reuters/P. Bulawayo)

Amtierender Präsident und Zanu-PF-Kandidat: Emmerson Mnangagwa

Mugabes früherer Stellvertreter Mnangagwa war kapp zwei Wochen nach dem Militärputsch von den Abgeordneten der Regierungspartei Zanu-PF zum neuen Staatschef gewählt worden. Der Putschistenführer Constantino Chiwenga ist seither Vizepräsident.

Die Herrschaft Mugabes war gekennzeichnet von der brutalen Unterdrückung von Kritikern, Menschenrechtsaktivisten und Journalisten. Bei Gewalt vor und nach den Wahlen 2008 wurden laut Amnesty International mehr als 200 Menschen getötet. Mugabe stürzte das südafrikanische Land mit heute 16 Millionen Einwohnern zudem in eine schwere Wirtschaftskrise.

Chance für demokratischen Neuanfang

Menschenrechtsorganisationen sehen in der bevorstehenden Wahl eine Möglichkeit für einen demokratischen Neuanfang. "Ohne Mugabe besteht die Chance, mit der Vergangenheit zu brechen und den Respekt von Menschenrechten zu gewährleisten", sagte Muleya Mwananyanda, stellvertretende Direktorin für das südliche Afrika bei Amnesty International.

Nelson Chamisa (DW/P. Musvanhiri)

Oppositionskandidat Nelson Chamisa bei einem Interview mit der Deutschen Welle

Für die Regierungspartei Zanu-PF tritt der langjährige Mugabe-Vertraute Mnangagwa an, für die größte Oppositionspartei MDC-T der Jurist und ehemalige Minister Chamisa. Erreicht keiner der insgesamt 23 Bewerber mehr als 50 Prozent der Stimmen, kommt es am 8. September zu einer Stichwahl. Für die Wahl haben sich knapp sechs Millionen Simbabwer registriert.

gri/jj (epd, dpa, rtr)

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