Siemens sucht Personalchefin | Wirtschaft | DW | 01.08.2019
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Management

Siemens sucht Personalchefin

Personalchefs haben häufig einen schweren Stand - beim Technologiekonzern Siemens klingen die Arbeitnehmervertreter aber durchaus betrübt über den Abschied von Arbeitsdirektorin Janina Kugel.

Janina Kugel (picture-alliance/dpa/J. Carstensen)

Janina Kugel (im April in Berlin)

Siemens muss sich eine neue Spitzenkraft für das Personalressort suchen. Die bisherige Arbeitsdirektorin Janina Kugel wird den Technologiekonzern Anfang nächsten Jahres verlassen. Wie das Münchener Unternehmen mitteilte, hat der Aufsichtsrat ihren fünfjährigen Vertrag in beiderseitigem Einvernehmen nicht verlängert.

Aufsichtsrat, IG Metall und Konzernbetriebsrat bedauerten Kugels Abschied. Die Managerin selbst teilte mit, dass sie neue Aufgaben anstrebe: "Ich habe immer die Bedeutung des Wandels gepredigt. Und Wandel ist es, den ich nun in meinem eigenen Leben erreichen will." Siemens möchte spätestens zum Jahresende entscheiden, wer künftig für die Angestellten rund um den Globus verantwortlich ist. Ende 2018 hatte das Unternehmen weltweit über 370.000 Mitarbeiter.

"Streiterin für mehr Diversität"

Die 49 Jahre alte Volkswirtin Kugel ist eine der prominentesten deutschen Managerinnen - und fast ebenso präsent auf der öffentlichen Bühne wie Siemens-Vorstandschef Joe Kaeser. Ihr Abgang war schon am Wochenende durchgesickert. "Sie ist eine leidenschaftliche Streiterin für mehr Diversität, lebenslanges Lernen und eine moderne Unternehmenskultur", lobte Aufsichtsratschef Jim Hagemann Snabe.

In Aufsichtsratskreisen war aber von einer "gewissen Entfremdung" die Rede. Kugel war lange von Vorstandschef Joe Kaeser gefördert worden. Manche Beobachter vermuten, dass der Konzernchef in der Managerin zunehmend eine Konkurrentin sah. Nun suche sie eine prominentere Aufgabe, sagte ein Insider. In einem Tweet von Kaeser las sich das freilich anders: Er sei traurig über Kugels Abgang, sie sei das herausragende Gesicht der modernen Siemens-AG. Man habe gemeinsam viel erreicht und dafür sei er dankbar. 

 

Die IG Metall und der Siemens-Gesamtbetriebsrat betonten den konstruktiven Ansatz der Personalchefin. "Sie bezieht uns bei der Lösung von betrieblichen Themen stets mit ein. Das war bei Siemens nicht immer so", sagte IG-Metall-Vorstandsmitglied und Siemens-Aufsichtsrat Jürgen Kerner. Dass sie gehe, sei schade.

Siemens-Hauptversammlung 2018: Joe Kaeser und Janine Kugel (picture-alliance/SvenSimon/H. Hoermann)

Siemens-Manager Kaeser und Kugel: Gewisse Entfremdung?

Streitpunkt: Spar- und Stellenstreichprogramm

Er forderte Siemens auf, eine "adäquate Nachfolgerin" zu suchen. Vorher dürfte Kugel aber die Verhandlungen über mehr als 13.000 Arbeitsplätze führen, die wegfallen sollen. Hauptstreitpunkt zwischen Siemens-Vorstand, Betriebsrat und IG Metall war in den vergangenen Jahren das Spar- und Stellenstreichprogramm in der Kraftwerksparte des Konzerns. Das Unternehmen hatte sich mit den Arbeitnehmervertretern nach langen Verhandlungen im vergangenen Jahr auf den Abbau von 6900 Arbeitsplätzen geeinigt, davon rund 2900 in Deutschland.

Im nächsten halben Jahr stehen bei Siemens eine ganze Reihe weiterer Rochaden auf der Führungsebene an. Der Münchner Konzern braucht auch einen ganzen Vorstand für den künftigen Siemens-Energie-Konzern. Die Sparte "Gas & Power" soll zusammen mit der Windkraft-Tochter "Siemens Gamesa" abgespalten werden. "Jetzt machen wir uns mit Ruhe und Sorgfalt an den nächsten Schritt und werden das Führungsteam für die beiden neuen Siemens-Konzerne festlegen", kündigte Aufsichtsratschef Snabe an. Im nächsten Jahr will Siemens die Energiesparte an die Börse bringen.

ust/AR (dpa, rtr)

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