Siemens-Chef kritisiert Trump - in China | Wirtschaft | DW | 06.06.2018
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Welthandel

Siemens-Chef kritisiert Trump - in China

Siemens-Chef Kaeser ist offenbar ein höflicher Gast: Im Gespräch mit dem US-Präsidenten lobt er dessen Steuerpolitik, im Gespräch mit chinesischen Partnern lobt er deren "Seidenstraßen"-Projekt - und kritisiert Trump.

Der Vorstandsvorsitzende des deutschen Industriegiganten Siemens legte in Peking wenig Zurückhaltung an den Tag: " Wir leben in einer Zeit, in der langjährige Vereinbarungen und Allianzen in Frage gestellt werden", sagte Joe Kaeser und jeder konnte verstehen, dass die neue US-Politik unter Präsident Trump gemeint war. "Die richtige Antwort auf mangelnde Wettbewerbsfähigkeit ist Innovation und Produktivität und keine Zölle und Tweets", sagte der Manager am Mittwoch vor chinesischen Kollegen. 

Das hatte vor wenigen Monaten im Beisein von Trump noch anders geklungen. Bei einem Abendessen mit dem US-Präsidenten und Wirtschaftsführern lobte Kaeser ausdrücklich dessen Fiskalpolitik: "Glückwunsch zur Steuerreform", sagte er Trump, neben  dem er saß. Auch erklärte er im Beisein des Präsidenten, angesichts der erfolgreichen Reform habe Siemens entschieden, eine neue Generation von Gasturbinen in den USA zu entwickeln. In Deutschland werden derzeit viele Arbeitsplätze in dieser Siemens-Sparte gestrichen.

"Meilenstein-Bewegung"?

In Peking galt das Lob Kaesers dagegen dem Projekt "Neue Seidenstraße": Das sei eine "Meilenstein-Bewegung", so der Siemens-Chef.  Es habe das Potenzial, zur neuen "Welthandelsordnung für freien und fairen Handel made by China" zu werden.  Die "Neue Seidenstraße" ist ein gewaltiges Infrastrukturprojekt der chinesischen Führung, in dessen Zuge neue Handelskorridore nach Europa und Afrika entstehen sollen. Kaeser berüßte dieses Engagement ausdrücklich und sagte, Siemens habe bereits zahlreiche Kooperationen vereinbart, um von dem "größten Infrastrukturprojekt aller Zeiten" zu profitieren.

Viele europäische Staaten und ausländische Unternehmen stehen Pekings Wirtschaftspolitik weiterhin kritisch gegenüber. China bekenne sich zwar offiziell zu den Spielregeln der Welthandelsorganisation, unterfüttere dies aber nicht mit "greifbaren Taten", hieß es kürzlich in einer Stellungnahme von 27 der 28 EU-Botschafter in Peking.

Die "Neue Seidenstraße" laufe "der EU-Agenda für die Liberalisierung des Handels entgegen und verschiebt das Kräfteverhältnis zugunsten subventionierter chinesischer Unternehmen".

ar/hb (dpa, rtr - Siemens, ap)

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