Siemens bremst Iran-Geschäfte | Wirtschaft | DW | 24.08.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

US-Sanktionen

Siemens bremst Iran-Geschäfte

Die neuen US-Sanktionen gegen Iran zeigen Wirkung weit über US-Unternehmen hinaus. Jetzt will auch Siemens sein Engagement in Iran herunterfahren. Auch europäische Airlines fliegen kaum noch nach Teheran.

Siemens Iran TC50 / IGAT5 pipeline Arbeiter (Siemens)

Siemens-Beschäftigter (noch) in Iran

Siemens werde nach dem Inkrafttreten der neuen US-Sanktionen gegen den Iran seine Geschäfte in dem Land zurückfahren, teilte der deutsche Industriekonzern am Freitag in München mit. Man werde die geeigneten Maßnahmen ergreifen, um die "Geschäftsaktivitäten mit den sich verändernden multilateralen Rahmenbedingungen bezüglich Iran in Einklang zu bringen". Das Unternehmen werde weiter dafür sorgen, alle Exportbeschränkungen sowie alle Vorschriften "einschließlich US-amerikanischer Sekundärsanktionen" einzuhalten.

Schon vorher hatte der US-Botschafter in Berlin, Richard Grenell, auf Twitter Schritte des Konzerns angekündigt: "Siemens hat mir mitgeteilt, dass sie sich aus dem Iran zurückziehen, um US-Sanktionen zu erfüllen".

 

US-Präsident Donald Trump hatte einseitig das Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt und Anfang August Sanktionen verhängt. Er wirft Teheran vor, Terrorismus zu finanzieren. Die Maßnahmen betreffen zunächst Finanzgeschäfte, vor allem den Dollar-Handel. Eine zweite Welle im Herbst könnte Elektroprodukte in den Fokus nehmen, was Siemens direkt treffen würde.

Gasturbinen und Bahnstrecken

Der Konzern hatte eine Lizenzfertigung für Gasturbinen und Lokomotiven im Iran vereinbart. Auch eine Absichtserklärung zur Modernisierung der Bahn-Infrastruktur wurde unterzeichnet. Wegen der US-Sanktionen fürchten viele Firmen Strafen, wenn sie Geschäfte mit dem Iran machen. Der Autobauer Daimler hat angekündigt, seine Pläne für das Land auf Eis zu legen. Eine Beratungsgesellschaft der Telekom-Großkundensparte T-Systems beendete ihre Tätigkeit im Iran, auch die Deutsche Bahn lässt Projekte auslaufen. Großbanken schrecken vor Finanzierungen von Iran-Geschäften zurück, weil sie meist auch in den USA tätig sind oder mit US-Banken Geschäfte machen.

Die neuen Sanktionen schaden auch dem Geschäft internationaler Airlines. Die Fluggesellschaften Air France und British Airways wollen ab Mitte September ihre Flüge nach Teheran einstellen. Weitere Airlines könnten folgen - besonders, wenn die zweite Phase der US-Sanktionen im November dieses Jahres in Kraft tritt und die Krise noch akuter werden sollte.

UK British Airways und Air France streichen Flüge nach Teheran (Reuters/H. McKay)

British Airways und Air France bleiben weg - Lufthansa fliegt weiter nach Iran

Fluggesellschaften bleiben weg

Die britische Fluggesellschaft teilte mit, der vorläufig letzte Flug von London in die iranische Hauptstadt sei für den 22. September geplant, der letzte in umgekehrter Richtung werde am 23. September starten. Es rechne sich gegenwärtig nicht mehr, diese Strecke zu bedienen, erklärte British Airways.

Air France will den Flugverkehr nach Teheran vom 18. September an einstellen, sagte ein Sprecher der französischen Fluggesellschaft und verwies auf mangelnde Umsätze auf der Strecke. Die Gesellschaft hatte diesen Schritt bereits angekündigt. Air France flog seit Sommer 2016 wieder nach Teheran.  Auch viele iranische Reiseanbieter können günstige Touristen-Pakete wegen der neuen Restriktionen nicht mehr anbieten.

Die Deutsche Lufthansa dagegen teilte mit, dass sie keine Pläne habe, Flüge nach Teheran einzustellen. Die Fluggesellschaft beobachte die Entwicklung sehr genau. Die Airline werde bis auf weiteres ihre Flüge nach Teheran wie vorgesehen fortsetzen. Man erwäge keine Änderungen.

ar/hb (dpa, rtr, afp)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema