Sichtbarkeit unerwünscht: Journalistinnen in Burkina Faso | Afrika | DW | 24.01.2018
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Afrika

Sichtbarkeit unerwünscht: Journalistinnen in Burkina Faso

Frauen in den Medien haben es im patriarchalisch geprägten Burkina Faso schwer – noch schwerer als in anderen Berufen. Dies ist das Ergebnis einer Pressestudie, die mit Unterstützung der DW Akademie erstellt wurde.

DW Akademie Pressefreiheitsstudie Burkina Faso (DW/J. Elvers-Guyot)

Ländermanagerin Carine Debrabandère und das Team vom CNP-NZ stellen die Studie zur Pressefreiheit vor. 

„Journalismus ist einer der schwierigsten Berufe für Frauen“, so Diallo Abdoulaye, Leiter des Centre National de Presse Norbert Zongo (CNP-NZ) in Ouagadougou bei der Vorstellung der Studie im Dezember 2017.

Die Gründe liegen in der damit verbundenen Visibilität und Selbständigkeit: flexible Arbeitszeiten auch nachts oder am Wochenende und die Bereitschaft, viel unterwegs zu sein, sind in diesem Beruf unabdingbar. Zeiten, in denen sich die Frau nicht um Haushalt und Familie kümmern kann – im burkinischen Gesellschaftsbild immer noch ihre Hauptaufgabe.

Frauen, die sich diesen Zwängen widersetzen und eine Arbeit aufnehmen, sind schlecht angesehen. In der Medienbranche unterliegen sie Stereotypen und Diskriminierung. Oft ist es der Ehemann, der sich einer Karriere seiner Frau als Journalistin entgegenstellt, so das Ergebnis der Studie. „Meine Schwiegereltern haben meinem Mann geraten, sich eine zweite Frau zu nehmen, weil ich spät nach Hause komme und selten koche“, wird eine Journalistin von Radio Lutte Contre la Désertification in Djibo im islamisch geprägten Norden des Landes zitiert.

Nur jede vierte Stelle in den Medien geht an eine Frau

Es ist die dritte Studie zur Lage der Pressefreiheit, zum ersten Mal mit dem Schwerpunkt „Frauen in den Medien“. Die Researcher des CNP-NZ qualifizierten mit Hilfe der IREX-Methodik den Zustand des Mediensektors anhand von fünf Kriterien: Unter anderem untersuchten sie das rechtliche Umfeld, die Qualität des Journalismus und die Praktiken des Medienmanagements. Die berufliche Situation der Frauen in Medienberufen wird nach dieser Methode nur mit 1,34 von vier möglichen Punkten bewertet.

DW Akademie Pressefreiheitsstudie Burkina Faso (DW/J. Elvers-Guyot)

Zum ersten Mal standen die burkinischen Medienmacherinnen im Mittelpunkt der Studie.

Für die Studie untersuchte das CNP-NZ 140 der insgesamt 237 Medien in Burkina Faso: Hier arbeiten insgesamt 1030 Journalisten, 25% davon sind Frauen. Bei gerade einmal 12 dieser Medien liegt der Frauenanteil bei mindestens 50%. Bei den Radio- und Fernsehsendern und den Printmedien des Landes sind im Schnitt nur 5,24% der Führungsposten mit Frauen besetzt.

Insgesamt hat sich die Lage der Pressefreiheit in Burkina Faso 2016 leicht verschlechtert von 2,43 Punkten von vier möglichen Punkten im Jahr 2015 auf 2,37 in 2016. Grund dafür sind vor allem diverse Terroranschläge mit Dutzenden Toten: Unter dem angespannten Klima hat auch die Pressefreiheit gelitten. Dennoch erreicht Burkina Faso Platz 42 von 180 auf der Rangliste der Pressefreiheit 2017 von Reporter ohne Grenzen.

„Studie ermutigt, den Kampf für die Pressefreiheit fortzusetzen“

„Obwohl es gut um die Pressefreiheit bestellt ist, bleibt noch einiges zu tun, und Erfolge müssen konsolidiert werden“, so Diallo Abdoulaye vom Centre National de Presse Norbert Zongo. „Die neuen Daten der Studie ermöglichen es uns, die Auswirkungen unserer Arbeit zu evaluieren. Das ermutigt uns, den Kampf für die Pressefreiheit fortzusetzen.“

Für Burkina Faso ist die Studie vom CNP-NZ und der DW Akademie besonders wichtig, weil das Land nicht zu den 31 Ländern zählt, für die die Friedrich-Ebert-Stiftung ein African Media Barometer erstellt. „Die Veröffentlichung der Studie erregt jedes Jahr viel Aufsehen in Burkina Faso. Für die DW Akademie ist es eine Ehre, mit dem CNP-NZ zusammenzuarbeiten," so Carine Debrabandère, Ländermanagerin Burkina Faso der DW Akademie. „Das Pressezentrum trägt dazu bei, dass die dortige Medienlandschaft eine der dynamischsten auf dem afrikanischen Kontinent darstellt.“

 

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