Serbien: Zehntausende protestieren gegen Aleksandar Vučić
24. Mai 2026
"Wir sind hier als Patrioten, um unser Recht und unser Land zu verteidigen", betonten Teilnehmer der Massendemonstration am Samstagabend in Serbiens Hauptstadt Belgrad. Zu der Kundgebung hatten Studentengruppen aufgerufen.
Die Polizei sprach von mehr als 34.000 Menschen, die sich im Stadtzentrum versammelt hatten. Beobachter schätzten die Zahl dagegen auf rund 100.000.
Bei ihrem Protest in Belgrad machten die Regierungskritiker mit Trommeln und Trillerpfeifen auf sich aufmerksam. Sie waren aus ganz Serbien angereist. Redner forderten eine Ende der Herrschaft des seit 2017 amtierenden Präsidenten Aleksandar Vučić und vorgezogene Neuwahlen. Regulär würde die nächste Parlamentswahl erst Ende 2027 stattfinden.
"Eure Hände sind blutig"
Die Wahlen "sind unsere Chance, unser Versprechen endlich einzulösen - eine ehrliche Regierung, Freiheit und ein würdevolles Leben", sagte ein Student der Elektrotechnik laut der unabhängigen Nachrichtenagentur BETA. Viele Demonstranten trugen Abzeichen mit roten Händen und der Aufschrift "Eure Hände sind blutig".
Zum Ende der Veranstaltung kam es zu Zusammenstößen zwischen Maskierten und Sicherheitskräften. Die Ausschreitungen ereigneten sich etwa einen Kilometer entfernt vom Slavija-Platz, dem Zentrum der Kundgebung. Mülltonnen wurden in Brand gesteckt, Polizisten mit Feuerwerkskörpern beworfen. Die Polizei setzte Tränengas und Blendgranaten ein. Sicherheitskräfte in Kampfausrüstung versperrten den Zugang zum Rathaus.
Das Innenministerium sprach von 23 Festnahmen. Eine nicht näher beziffierte Zahl von Polizisten sei verletzt worden.
Die Proteste in Serbien gegen die Regierung und die im Land herrschende Korruption hatten vor eineinhalb Jahren begonnen. Auslöser war der Einsturz des Bahnhofsvordachs in Novi Sad im November 2024. Dabei waren 16 Menschen ums Leben gekommen.
Staatschef Vučić erklärte in sozialen Medien mit Blick auf die Demonstranten: "Wie schon so oft zuvor, kehrten sie ihre gewalttätige Natur hervor." In der Vergangenheit hatten bei ähnlichen Massenprotesten - wie sich im Nachhinein herausstellte - eingeschleuste Provokateure ähnliche Gewalttaten verübt.
Bahnverkehr in Serben zuvor eingestellt
Wie auch bereits in der Vergangenheit war vor dem Massenprotest der Bahnverkehr im ganzen Land eingestellt worden. Offiziell gaben die Serbischen Eisenbahnen dafür keinen Grund an. Offensichtlich sollte so Regierungsgegnern außerhalb von Belgrad die Anreise zu der Kundgebung erschwert werden.
Vučić nach China gereist
Unterdessen traf Vučić an diesem Sonntag chinesischen Staatsmedien zufolge zu seinem ersten offiziellen Staatsbesuch in Peking ein. Dort kommt er auch mit Präsident Xi Jinping zusammen. Serbien unterhält enge Beziehungen zu China, das zu einem der wichtigsten Investoren in dem Balkanland geworden ist.
se/pg (dpa, kna, rtr, afp)