Serbien: Keine Lösung des Kosovo-Konflikts auf lange Sicht | Aktuell Europa | DW | 09.09.2018
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Internationale Bemühungen

Serbien: Keine Lösung des Kosovo-Konflikts auf lange Sicht

Nach den geplatzten EU-Gesprächen zum Kosovo-Konflikt hat Serbiens Präsident Vucic einen möglichen Gebietsaustausch rigoros abgelehnt. Bei seinem Besuch von Landsleuten kam es zu Unruhen. DW-Reporter wurden bedroht.

Kosovo Straßensperren vor Besuch des serbischen Präsidenten Vucic (Reuters/L. Hasani)

Aus Protest haben Albaner eine Straße blockiert, um die Anreise Vucics zu verhindern

Staatspräsident Aleksandar Vucics hält eine Lösung des jahrzehntelange Konflikts mit der früheren serbischen Provinz Kosovo auf absehbare Zeit für unmöglich. "Wir sind weit entfernt von einer solchen Lösung", sagte Vucic vor Landsleuten im Nordkosovo, wie Belgrader Medien berichten.

Bei einer Rede vor Anhängern in Mitrovica bestritt er zudem, dass er einem Gebietsaustausch mit dem Kosovo zustimmen würde. "Wenn sie sagen, dass ich die Grenzen ändern möchte, dann lügen sie", stellte Vucic klar.

Kosovo Straßensperren vor Besuch des serbischen Präsidenten Vucic (Getty Images/AFP/A. Nimani)

Qualm angezündeter Reifen steigt auf: wegen der Unruhen war der Besuch Vucics in dem Dorf Banje nicht möglich

Ende der 90er Jahre hatten serbische Militärs und Paramilitärs bis zu 800.000 Albaner aus dem Kosovo vertrieben, um die Region wieder unter Kontrolle zu bringen. Ein Kampfeinsatz der NATO erzwang den Rückzug der Serben. Danach stand das Land unter internationaler Verwaltung. 2008 erklärte sich das Kosovo für unabhängig und wird derzeit von über 110 Staaten als selbstständiger Staat anerkannt.

Belgrad akzeptiert das nicht und will seine frühere Provinz wegen seiner dort gelegenen mittelalterlichen Klöster und Schlachtfelder wieder zurückhaben. Zuletzt hatten Belgrad und Pristina einen Gebietstausch ins Spiel gebracht. Demnach solle Nordkosovo mit seiner lokalen serbischen Mehrheit an Serbien fallen. Im Gegenzug würde die Region Presevo in Südserbien, wo es eine lokale albanische Mehrheit gibt, dem Kosovo angegliedert.

Kosovo Serbien Präsident Vucic redet in Mitrovica (picture-alliance/AP Photo/D. Vojinovic)

In Mitrovica dagegen konnte Aleksandar Vucic vor Anhängern eine Rede halten

Die EU und die USA wollen in den nächsten Monaten einen Durchbruch in dem Dauerkonflikt erreichen. Eine abermalige Vermittlungsrunde der EU zwischen den beiden zerstrittenen Nachbarn war indes am Freitag in Brüssel gescheitert. Denn Vucic hatte sich geweigert, seinen Kosovo-Kollegen Hashim Thaci zu treffen und war wieder abgereist. An diesem Wochenende besuchte er die serbischen Minderheit in der ehemaligen Provinz.

Aus Protest dagegen brachten aufgebrachte Albaner Bagger und Lastwagen in Stellung und blockierten eine Straße, um die Anreise des serbischen Präsidenten zu verhindern. Es kam zu Unruhen, bei denen auch Journalisten bedroht wurden. Die DW-Reporterinnen Sanja Kljajic und Elona Elezi, die mit einem Auto unterwegs waren, das serbische Kennzeichen hatte, wurden von albanischen Demonstranten umzingelt, die von "Provokation" sprachen.

"Es sah so aus, als ob sie uns nicht wegfahren lassen wollten", sagte Kljajic. Die kosovarische Polizei hielt die Demonstranten auf Abstand. Auch das Belgrader Nachrichtenportal Insajder und die serbischen Agentur Tanjug berichten, dass ihre Reporter ähnlich bedroht und angegriffen wurden.

uh/ml (dpa, ap)

Video ansehen 12:04
Jetzt live
12:04 Min.

Rückzug der Bundeswehr aus dem Kosovo (04.08.2018)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema