Sehnsuchtsort Troja: Londoner Ausstellung zu Mythos und Realität | Kultur | DW | 22.11.2019
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Archäologie

Sehnsuchtsort Troja: Londoner Ausstellung zu Mythos und Realität

Bis heute inspiriert die sagenumwobene Stadt Künstler, Maler, Filmemacher und Archäologen. Besucher des British Museum in London können jetzt dank altertümlicher und zeitgenössischer Exponate auf Spurensuche gehen.

Welche Bedeutung Troja einst hatte, darüber streiten sich die Altertumsforscher. Unbestritten ist jedoch die Faszination für die Stadt, deren Schicksal in einem der weltweit ältesten Epen, "Ilias" von Homer, bereits vor rund 2800 Jahren verewigt wurde. Mythos oder Realität? Dieser Frage geht derzeit eine Ausstellung im Britischen Museum in London bis zum 8. März 2020 nach.

Dabei geht es nicht nur um archäologische Untersuchungen. Vielmehr zeigen die insgesamt 300 Exponate, welchen Sog der Trojanische Krieg und seine Helden bis heute auf Literatur, Malerei, Musik, Volksbräuche - und auch auf Kriegsführung hat. So startet die Ausstellung mit einer Installation des britischen Bildhauers Anthony Caro, der Parallelen zwischen der Brutalität der Trojanischen Kriege und dem Balkankonflikt der 1990er Jahre zieht. Zu sehen ist hier ebenfalls das Gemälde "Rache des Achilles" des expressionistischen US-Malers Cy Twombly, das eine blutige Speerspitze zeigt.

Komplexe Helden

"Wir erkennen uns in den menschlichen Aspekten der Hauptakteure wieder", erklärte Chefkuratorin Alexandra Villing über "Troja: Mythos und Realität" gegenüber der Deutschen Presse-Agentur. Daher finden sich auch eine Reihe zeitgenössischer und auch popkultureller Ausstellungsstücke wie etwa Plakate zum Hollywood-Film "Troja" mit Brad Pitt von 2004 oder literarische Bezüge von Schriftstellerinnen wie Christa Wolf, Pat Barker und Margaret Atwood.

In der Schau wird zudem deutlich, wie komplex die Persönlichkeiten der Protagonisten des Trojanischen Krieges waren. "Die Helden sind zugleich auch die Mörder. Es geht um Zerstörung, Gewalt, Konflikt, Trauer und Verlust", sagte Hartwig Fischer, Direktor des Britischen Museums. "Diese Ausstellung ist ein Appell, Gewalt und Zerstörung zu beenden."

Archäologe im Troja-Rausch

Ob Mythos oder Realität - dazu hat entscheidend auch der deutsche Archäologe Heinrich Schliemann beigetragen, der in den 1870er Jahren nach der sagenumwobenen Stadt suchte - und auf dem Hügel Hisarlık in der Provinz Çanakkale in der nördlichen Türkei fand. Die Ausstellung, die erste große Troja-Schau in London seit Schliemann hier 1877 seine Funde präsentiert hatte, widmet seinen Ausgrabungsarbeiten eine eigene Sektion und hinterfragt kritisch seine Methoden und voreilig gezogenen Schlüsse.

Rund gewölbtes Gefäß mit Henkeln, am Hals ein Gesicht aus Augen, Nase und Augenbrauen (Foto: SMB/Claudia Plamp).

Leihgabe aus Berlin: Terrakotta-Gefäß, 2550 - 1750 v. Chr.

So weiß man heute, dass seine Funde nicht dem Zeitraum des sagenumwobenen Trojanischen Krieges zugerechnet werden können. Heinrich Schliemann habe übertriebene Angaben über seine Funde gemacht, um seine Theorie zu untermauern, heißt es in der Ausstellung. "Er war ein großer Eigenpublizist, und wir wissen heute, dass er falsch lag. Sein Troja war rund 1000 Jahre zu früh", sagt Kuratorin Villing. 

Die große Troja-Schau zeigt neben den Schliemann-Exponaten noch viele weitere archäologische Funde. Rund ein Drittel der Ausstellungsstücke sind Leihgaben aus den Staatlichen Museen Berlin

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