Segel-Kanne mit Kratzern | Sport | DW | 07.09.2013
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Sport

Segel-Kanne mit Kratzern

Jeder Segler träumt davon, einmal "the Auld Mug“, diese alte bodenlose Kanne, im Arm zu halten. Das bevorstehende 34. Duell um den America’s Cup, die älteste aller Sporttrophäen, steht unter keinem guten Stern.

Der America's Cup ist in Verruf geraten. Seit zwei Jahren formt ein Multi-Milliardär den Wettbewerb nach seinen Vorstellungen und mit allen Mitteln. Endlose Gerichtsprozesse zermürbten die Gegner, die hochgezüchteten Rennmaschinen wurden immer unerschwinglicher. Der Eigner des Titelverteidigers Team Oracle aus den USA, Larry Ellison, plante eigentlich ein Sommermärchen mit vielen Teilnehmern und spektakulären Rennen.

Gekenterte schwedische Yacht Artemis. Bei dem Unfall erktrank der Brite Andrew Simpson. Foto: Reuters

Im Mai ertrank Olympiasieger Andrew Simpson

Geblieben waren mit Italien, Schweden und Neuseeland noch drei Herausforderer für die Qualifikationsrennen. Nach dem Tod des britischen Seglers Andrew Simpson im Mai fiel das schwedische Boot wochenlang aus. Wegen technischer Probleme und Startboykotts fuhr oft nur ein einsames Schiff durchs Wasser.

Dem Ansehen geschadet

Die Krone setzten dem Ganzen dann die US-Amerikaner selbst auf, indem sie bei Vorrennen ihre Schiffe mit Blei beschwerten, um sie schneller zu machen. Die internationale Jury unter Vorsitz des Australiers David Tillett bestrafte den Titelverteidiger am Dienstag (03.09.2013) überraschend konsequent: mit einer Geldstrafe von 250.000 US-Dollar und der Sperre von drei Oracle-Team-Mitgliedern. Außerdem muss die Crew am Samstag in der Bucht von San Francisco mit zwei Minuspunkten in die Best-of-17-Serie gegen das Team New Zealand starten. Am meisten aber dürfte Larry Ellison getroffen haben, dass die Jury seinem Team vorwarf, dem Ansehen des America‘s Cup geschadet zu haben. So hat der 43-fache Milliardär sein vermeintliches Spielzeug selbst demoliert.

Deutschland bald wieder am Start?

Nun hofft die internationale Segelszene, dass das diesjährige Duell schnell vorbeigeht und mit dem Team New Zealand einen Sieger erhält, der dem America's Cup wieder zu seinem alten Ruhm verhelfen kann: mit vernünftigen Regeln und bezahlbaren Schiffen, wo statt riesiger Materialschlacht wieder der sportliche Wettstreit im Vordergrund steht. Dann würden vielleicht auch wieder Länder wie Südafrika, China, Spanien oder Deutschland mitmachen, wie 2007 in Valencia. Auch Großbritannien - wo 1851 der erste America's Cup ausgetragen wurde - und Russland hatten damals ihr Interesse angemeldet. Das deutsche Team unter der Führung des Internet-Unternehmers Ralph Dommermuth plante bereits mit dem dreimaligen Olympiasieger Jochen Schümann eine neue Kampagne. Doch dann begannen die Titelverteidiger um Larry Ellison ihr unseliges Werk.

Team Oracle bei einer Wettfahrt in der Bucht von San Francisco. Foto: Getty Images

Team Oracle bei einer Wettfahrt in der Bucht von San Francisco

80 Millionen Euro pro Katamaran

Nun werden in mindestens neun Rennen die Hightech-Katamarane der beiden Teams Oracle und New Zealand über das Wasser fliegen. Angetrieben von einem starren 40 Meter hohen Flügel, der eher einer Flugzeugtragfläche gleicht, erreichen die Segler Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 80 Stundenkilometern. Mit den etwa 80 Millionen Euro teuren Schiffen werden sie Grenzerfahrungen machen. Hoffentlich nicht mehr. Ob die Rennmaschinen bei direkten Duellen überhaupt beherrschbar sind, ist umstritten. In wenigen Tagen steht der Sieger fest. Es bleibt die Hoffnung, dass bei der nächsten Auflage alles anders wird. Das wäre die beste Nachricht für dieses eigentlich so faszinierende Segelevent.

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