″Ocean Viking″ sucht sicheren Hafen für 374 Migranten | Aktuell Europa | DW | 23.01.2021
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Migration übers Mittelmeer

"Ocean Viking" sucht sicheren Hafen für 374 Migranten

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" hat seit Donnerstag vor der libyschen Küste 374 Migranten geborgen. Die Besatzung bittet Malta und Italien um Hilfe.

«Ocean Viking» rettet im Mittelmeer Migranten

Diese Bootsmigranten sind erst einmal in Sicherheit auf der "Ocean Viking"

Das Rettungsschiff "Ocean Viking" hat im Mittelmeer vor Libyen allein am Freitagabend 106 Flüchtlinge an Bord genommen. Der Einsatz sei rund 50 Kilometer vor der Küste des nordafrikanischen Staates erfolgt, teilte die Organisation SOS Méditerranée via Twitter mit. Seit Donnerstag wurden demnach 374 Menschen aus überbesetzten Schlauchbooten aufgenommen, darunter 165 Minderjährige.

Die Betreiberorganisation SOS Méditerranée teilte mit, die Crew habe sich unter anderem an Malta und Italien mit ihrer Bitte um Aufnahme der Hilfsbedürftigen gewandt. "Mit 374 Überlebenden an Bord und einer zunehmend schlechten Wetterlage müssen wir die geretteten Menschen so schnell wie möglich an dem nächstgelegenen sicheren Hafen von Bord bringen, wie es das Seerecht vorschreibt", sagte Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Méditerranée Deutschland. "Ein solcher sicherer Hafen kann nur ein europäischer sein." Die Herkunftsländer der Geretteten seien mehrheitlich Guinea, Mali, Kamerun, die Elfenbeinküste, Sudan und Sierra Leone, erklärte Papke.

Einziges Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer

Die "Ocean Viking" war am 11. Januar nach fünfeinhalb Monaten Pause vom französischen Hafen Marseille ausgelaufen. Das Schiff nahm Kurs auf das zentrale Mittelmeer. Derzeit sei kein anderes ziviles Rettungsschiff im zentralen Mittelmeer im Einsatz, um Menschen in Seenot zu retten. "Umso wichtiger ist es, dass wir wieder zurück sind", erklärte SOS Méditerranée.

«Ocean Viking» rettet rund 120 Bootsmigranten im Mittelmeer

Mit gelben Schlauchbooten nehmen Helfer der "Ocean Viking" Migranten aus einem überbelegten Boot auf

In Libyen herrscht seit fast zehn Jahren Bürgerkrieg. Dabei hat sich das Land zu einem der wichtigsten Transitgebiete für Migranten auf dem Weg nach Europa entwickelt. Viele wollen über Italien nach Europa einreisen.

Die italienische Küstenwache hatte die "Ocean Viking" im Juli im sizilianischen Hafen Porto Empedocle festgesetzt und dies mit Sicherheitsmängeln begründet. SOS Méditerranée sprach dagegen von "behördlicher Schikane". Nach fünfmonatiger Blockade gaben die Behörden das Schiff dann im Dezember wieder frei. Nach Angaben der NGO waren dafür "kostspielige" Investitionen in neue Rettungsflöße und Schwimmwesten erforderlich.

Mindestens 1200 Todesopfer

Nach offiziellen Zahlen starben 2020 mehr als 1200 Menschen bei dem Versuch, über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Experten gehen jedoch von einer hohen Dunkelziffer aus. SOS Méditerranée konnte nach eigenen Angaben seit Beginn ihrer Einsätze im Mittelmeer 2016 mehr als 31.000 Menschen retten. Am Dienstag waren nach Angaben der UNO 43 Menschen bei dem Versuch ums Leben gekommen, auf dem Weg über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen.

kle/ack (dpa, afp)

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