Seehofer nicht mehr Schirmherr für Deutschen Nachbarschaftspreis | Aktuell Deutschland | DW | 02.08.2018
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Flüchtlingspolitik

Seehofer nicht mehr Schirmherr für Deutschen Nachbarschaftspreis

Zuvor hatten für den Preis nominierte Institutionen Kritik am Innenminister geübt - wegen dessen Haltung in der Flüchtlingspolitik. Ähnlichkeiten des CSU-Chefs mit einer beleidigten Leberwurst wären rein zufällig.

In einem persönlichen Schreiben habe Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) den Geschäftsführer der "nebenan.de"-Stiftung, Michael Vollmann, über diesen Schritt informiert, sagte ein Sprecher des Ministeriums dem Evangelischen Pressedienst (epd). Darin macht Seehofer Vollmann für seinen Rückzug verantwortlich. Der Minister wirft ihm vor, ihm Toleranz abzusprechen.

"Ihre Äußerungen sind diskreditierend"

"Ihre Äußerungen, die Sie als Geschäftsführer der "nebenan.de"-Stiftung im Zusammenhang mit dem Rücktritt zweier nominierter Preisbewerber gegenüber den Kollegen in der Bundesjury und den Medien getroffen haben, sind diskreditierend", schreibt Seehofer in dem Brief. "Da Sie mir Toleranz, Mitmenschlichkeit und Offenheit absprechen, stehe ich für die Schirmherrschaft ab sofort nicht mehr zur Verfügung", heißt es nach Angaben des Sprechers in dem Schreiben an Vollmann. Seehofer betone darin weiter, dass diese drei Werte Grundlage und Richtschnur der Ministeriumspolitik seien. "Ich halte es für wichtig, das Ehrenamt, den Zusammenhalt und ein demokratisches Miteinander in Deutschland voranzubringen", schreibt der CSU-Politiker.

Team-Mitglieder vom Kölner wielebenwir e.V. mit ihrem Lastenrad-Projekt Kasimir (Foto: wielebenwir.ev)

Team-Mitglieder vom Kölner "wielebenwir e.V." mit ihrem Lastenrad-Projekt Kasimir

Der Berliner Verein "Moabit hilft" und der Kölner "wielebenwir e.V." hatten eine Nominierung für den Preis wegen Äußerungen Seehofers abgelehnt. "Moabit hilft" verwies beispielhaft auf die Aussage zur Abschiebung von 69 Afghanen, die der CSU-Politiker in einen Zusammenhang stellte mit seinem zeitgleichen 69. Geburtstag. Die Flüchtlingsorganisation bezeichnete die Beendigung der Schirmherrschaft als richtigen Weg. Seehofer habe in seinen Äußerungen zum Flüchtlingsthema "relativ antihumanistisch" agiert, sagte die Vorsitzende Diana Henniges der Deutschen Presse-Agentur. "Allein schon in der Asyldebatte, was sich Herr Seehofer da geleistet hat, entspricht nicht unserer Vorstellung von Menschlichkeit." "wielebenwir e.V." erklärte, Seehofer stehe "für eine Politik, die die Gesellschaft spaltet, die auf Abschottung setzt und die Menschen in Not Hilfe verweigert". 

104 Projekte für Nachbarschaftspreis nominiert

Vollmann hatte nach dem Rückzug der Initiativen unter anderem im Gespräch mit dem epd betont, an einer inhaltlichen Zusammenarbeit mit dem Bundesinnenministerium festhalten zu wollen. Gleichzeitig sagte er, auch andere Initiativen sähen die Schirmherrschaft Seehofers kritisch. Die Leitung des Ministeriums könne man sich aber nicht aussuchen. Der "Berliner Zeitung" sagte Vollmann, Seehofer habe zuletzt "verbal Grenzen überschritten".

Der Deutsche Nachbarschaftspreis, für den bundesweit 104 Projekte nominiert wurden, soll am 5. September verliehen werden. Initiiert wurde er von der in Berlin ansässigen Stiftung "nebenan.de". Gekürt werden drei Bundessieger und 13 Landessieger. Vergeben wird zudem ein mit 5.000 Euro dotierter Publikumspreis. Der Nachbarschaftspreis ist mit insgesamt 50.000 Euro ausgestattet. Ausgezeichnet werden Projekte, die sich vor Ort für mehr Integration und Inklusion, für die Bewältigung des demografischen Wandels und gegen Abwanderung aus dem ländlichen Raum einsetzen.

sti/kle (afp, dpa, epd)