Sechs Tote bei Anschlag auf Militär-Akademie in Kabul | Aktuell Welt | DW | 30.05.2019
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Afghanistan

Sechs Tote bei Anschlag auf Militär-Akademie in Kabul

Es war schon die siebte Gewalttat dieser Art in Afghanistans Hauptstadt in diesem Jahr. Das Ende von Gesprächen in Moskau zwischen Taliban und Regierungsvertretern ohne konkretes Ergebnis komplettiert das triste Bild.

Afghanistan Explosion vor der Marschall-Fahim-Militärakademie (AFP/STR )

Sicherheitskräfte im Bereich der Marschall-Fahim-Militärakademie in Kabul

In der afghanischen Hauptstadt Kabul hat ein Selbstmordattentäter mindestens sechs Menschen mit in den Tod gerissen. Mindestens 16 Menschen seien verletzt worden, teilte ein Sprecher der Kabuler Polizei mit. Der Attentäter hätte sich vor der Marschall-Fahim-Militärakademie in die Luft gesprengt. Aus Militärkreisen hieß es, die Explosion sei erfolgt, als Kadetten der Akademie nach Unterrichtsschluss gerade die Universität verließen. Die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte den Anschlag über ihr Sprachrohr Amak für sich.

Mohammed Fahim gestorben 9.3.2014 (picture-alliance/AP Photo)

Mohammed Fahim, der Namensgeber der Akademie. Der frühere afghanische Vizepräsident starb 2014

Die Akademie ist nach dem ehemaligen Vizepräsidenten Mohammed Fahim benannt und bildet Offiziere für die afghanische Armee aus. In einem Anbau sind zahlreiche NATO-Soldaten stationiert, welche den Kadetten als Mentoren zur Seite stehen. Es war bereits der siebte Anschlag in Kabul in diesem Jahr. Bei 22 Anschlägen in der Hauptstadt im vergangenen Jahr waren mehr als 550 Menschen getötet und mehr als 1000 verletzt worden.

28 Menschen aus Gefängnis der Taliban befreit 

In Südafghanistan befreiten Spezialkräfte 28 Menschen aus einem Gefängnis der radikalislamischen Taliban. Bei dem Einsatz im Bezirk Nau Bahar in der Provinz Sabul seien mindestens zwei Taliban-Kämpfer getötet worden, teilte das Verteidigungsministerium in Kabul mit. 16 der Befreiten seien Zivilisten, zwölf Angehörige der afghanischen Sicherheitskräfte. Die Taliban betreiben vielerorts in Afghanistan Gefängnisse. Lokalen Medien zufolge halten sie mehrere tausend Menschen gefangen, darunter Mitarbeiter der Regierung und Streitkräfte, aber auch Zivilisten, denen etwa Spionage für die Regierung vorgeworfen wird.

Innerafghanische Gespräche nach Festakt in Moskau  

Derweil gingen in Moskau Gespräche zwischen Taliban-Vertretern und afghanischen Politikern ohne konkrete Ergebnisse zu Ende. Das geht aus einer gemeinsamen Mitteilung beider Seiten hervor. Die Politiker hatten davor die Hoffnung ausgedrückt, die Islamisten von einer Feuerpause rund um das Ende des Fastenmonats Eid nächste Woche überzeugen zu können. In der Mitteilung heißt es weiter, die Delegationen hätten über die Zukunft Afghanistans, den Schutz von Zivilisten, Frauenrechte und den Abzug der internationalen Truppen gesprochen. Beide Seiten hätten in "manchen Aspekten" Übereinstimmungen festgestellt. Welche das waren, blieb allerdings offen.

Hochrangige Taliban-Vertreter während einer Pause der Gespräche mit afghanischen Regierungsangehörigen in Moskau (Foto: Reuters/E. Novozhenina)

Hochrangige Taliban-Vertreter während einer Pause der Gespräche mit afghanischen Regierungsangehörigen in Moskau

Die Teilnehmer waren am Dienstag auf Einladung der russischen Regierung zu einem Festakt zum 100-jährigen Bestehen der russisch-afghanischen Beziehungen in Moskau angereist. Die Taliban weigerten sich erneut, auch mit Vertretern der Regierung in Kabul zu sprechen, die sie für eine Marionette des Westens halten. Seit Sommer 2018 führen die Taliban zudem Gespräche über eine politische Lösung des langwierigen Konflikts mit den USA. Auch in diesen wird versucht, die Islamisten davon zu überzeugen, mit der Regierung in Kabul direkte Gespräche über Frieden aufzunehmen. Diese Gesprächsrunden finden in Katars Hauptstadt Doha statt.

sti/gri (dpa, epd)

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