Perfekter Gentleman: ″James Bond″ Sean Connery wird 90 | Filme | DW | 24.08.2020
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Schauspieler

Perfekter Gentleman: "James Bond" Sean Connery wird 90

Für viele ist Sean Connery der beste James Bond. Siebenmal spielte der Herzensbrecher den Geheimagenten 007. Auch als Charakterdarsteller überzeugte er.

Im Alter von 59 Jahren zum "Sexiest Man Alive" gewählt zu werden, das heißt schon etwas. Als das Boulevardblatt "People Magazine" Sean Connery 1989 zum Sexsymbol kürte, hatte der Schotte einen Großteil seiner Karriere schon hinter sich. Connery war als James-Bond-Darsteller zum Mythos geworden, hatte sich mit anspruchsvollen Rollen auch bei kritischen Zeitgeistern Respekt erspielt, einen Oscar gewonnen und sich zudem des Öfteren als interessierter und engagierter Zeitgenosse in der Öffentlichkeit gezeigt.

Connery war der perfekte Gentleman

Mit fast 60 immer noch ein beliebter Topstar zu sein, das konnten und können nicht viele andere männliche Schauspieler von sich sagen. Connery hatte sich diesen "Titel" redlich verdient. Er sah mit 60 immer noch unverschämt gut aus. Manche sagen sogar, mit zunehmendem Alter habe er noch an Charisma gewonnen. Silbergraues Haar, immer braungebrannt, groß und gut gebaut und vor allem mit einem umwerfenden Charme ausgestattet: Sean Connery war ein Weltstar des Kinos, vor und hinter den Kameras.

James Bond bei Dreharbeiten von You Only Live Twice - er wird von mehreren Frauenhänden eingeseift (Foto: Len Trievnor/Getty Images)

Connery bei den Dreharbeiten zu "You Only Live Twice"

Das war zu Beginn seiner Karriere nicht abzusehen. Der gebürtige Edinburgher (25.8.1930) stammte aus einfachen Verhältnissen und schlug sich nach frühem Schulabgang mit diversen Gelegenheitsjobs rum. Doch auch mit jungen Jahren verfügte er schon über einen athletischen Körper. Darauf konnte er aufbauen. Er begann, intensiv Bodybuilding zu betreiben. Das trug ihm unter anderem eine schottische Bodybuilding-Meisterschaft und die Arbeit als Aktmodell an der Kunsthochschule ein.

Raketenstart mit James Bond: Sean Connery

Die Theater- und Filmszene wurden auf den athletischen Beau aufmerksam. Ab Mitte der 1950er Jahre begann er zu spielen, zunächst als Nebendarsteller und mit eher mäßigem Erfolg. Als dann aber zwei Hollywood-Produzenten einen Darsteller für einen Agentenfilm suchten und einige andere Schauspieler abgesagt hatten, bot sich der Schotte geradezu an und wurde engagiert. Der Rest ist (Film-)Geschichte. Der erste Bond-Film "James Bond - 007 jagt Dr. No" wurde 1962 zu einem Riesenerfolg. Connery entpuppte sich in der Rolle des britischen Geheimdienstagenten als Idealbesetzung.

Sean Connery als Bond neben Kim Basinger in Sag niemals nie, beide mit nacktem Oberkörper, Connery umarmt Basinger (Foto: Mary Evans Picture Library)

Comeback als Bond 1983: mit Kim Basinger in "Sag niemals nie"

Mehrere Fortsetzungen folgten, darunter "Goldfinger". Connery wurde zum Star des internationalen Kinos. Doch das reichte ihm irgendwann nicht mehr und er fühlte sich wohl auch unterbezahlt. Nach dem fünften Bond war zunächst Schluss; der Schauspieler begann, sich in anderen Genres umzusehen und spielte auch anspruchsvollere Rollen. Ein erstes Comeback als Bond - mit höherer Gage - folgte 1971 in "Diamantenfieber". Zwölf Jahre später ließ er sich dann noch einmal überreden: "Sag niemals nie" wurde zum Triumph, aber auch zum endgültigen Abschied als Superagent. Inzwischen waren andere Darsteller in die Rolle geschlüpft. Viele Fans in aller Welt sind allerdings auch heute noch der Meinung, einen besseren James Bond als Connery habe es nie gegeben.

Sean Connery errang den Oscar für "Die Unbestechlichen"

Der Schotte etablierte sich derweil als gefragter Charakterdarsteller mit wechselndem kommerziellem Erfolg. Bemerkenswerte Auftritte hatte er in Filmen wie "Der Mann, der König sein wollte" (1975), "Der Name der Rose" (1986) und im Jahr darauf in "Die Unbestechlichen", für den er seinen einzigen Oscar erhielt. Zwischendurch verhalf er - oft auch in Nebenrollen - großen Hollywood-Blockbustern zu noch mehr Kasseneinnahmen: Filme wie "Highlander" (1985), "Indiana Jones" (1989) oder "Robin Hood" (1991) profitierten vom Alters-Charme des ergrauten Mimen.

Sean Connery in einer Szene des Films Jagd auf Roter Oktober, er schaut durch das Teleskop eines U-Bootes (Foto: picture alliance/United Archives/IFTN)

In reifem Alter noch ein Actionstar: Connery in "Jagd auf Roter Oktober"

In den 1990er Jahren dann drehte Sean Connery ein paar weniger bemerkenswerte Filme, doch der Schotte hatte längst andere Interessen. 2000 wurde er von der Queen zum Sir geadelt - und der Patriot Connery trug während der Zeremonie einen schottischen Kilt! Doch die Ehrung seiner Geburtsstadt Edinburgh, die ihm eine Dekade zuvor die Auszeichnung "Freedom of City" verliehen hatte, war ihm wohl noch wichtiger. Schon früh hatte sich der Schauspieler für die Unabhängigkeit seiner schottischen Heimat eingesetzt, auch eine Stiftung zugunsten begabter junger Schottinnen und Schotten gegründet.

In der Ehe ist Sean Connery kein Hasardeur

Verheiratet ist Sean Connery in zweiter Ehe seit 40 Jahren mit der französischen Malerin Micheline Roquebrune, aus erster Ehe hat er einen Sohn. Das Paar besitzt außer in der Heimat Häuser in Spanien und auf den Bahamas. Eine Traumvilla an der Côte d’Azur, in der auch Szenen eines Bond-Films gedreht wurden, steht seit kurzem zum Verkauf. In der Öffentlichkeit zeigt sich Connery in den letzten Jahren kaum noch. Die meiste Zeit, so war es oft in den Boulevardblättern nachzulesen,  soll er sich in der Karibik aufhalten, wo er intensiv seinem Hobby nachgeht: dem Golfspielen.

Aus dem Filmgeschäft hat er sich längst zurückgezogen. Und obwohl es in der Filmwelt immer wieder Gerüchte gab, er werde noch einmal in einer "Indiana Jones"-Fortsetzung mitspielen, war der 2003 entstandene Film "Die Liga der außergewöhnlichen Gentlemen" wohl sein letzter Auftritt vor einer Filmkamera. Kein schlechter Titel für einen finalen Auftritt, hat sich Sean Connery doch jahrzehntelang als außergewöhnlicher Gentlemen gezeigt - auf der Leinwand und in der Öffentlichkeit.

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