Sea-Eye: ″Alan-Kurdi″ bei Rettung von Libyern bedroht | Aktuell Welt | DW | 26.10.2019
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Seenotrettung

Sea-Eye: "Alan-Kurdi" bei Rettung von Libyern bedroht

Das deutsche Rettungsschiff "Alan Kurdi" ist nach eigenen Angaben von der libyschen Küstenwache bedrängt worden. Mehrere libysche Boote versuchten demnach, die Rettung von 92 Migranten zu behindern.

Blick von einem Rettungsboot auf die Alan Kurdi (Archivbild)

Blick von einem Rettungsboot auf die "Alan Kurdi" (Archivbild)

Die Besatzung des deutschen Rettungsschiffs "Alan Kurdi" ist im Mittelmeer bei einer Bergungsaktion nach eigenen Angaben von libyschen Streitkräften bedroht worden. Drei libysche Schiffe hätten die "Alan Kurdi" bedrängt, Maskierte hätten Warnschüsse in die Luft und ins Wasser abgegeben, sagte der Sprecher der Hilfsorganisation Sea-Eye, Gorden Isler, der Deutschen Presse-Agentur. Die Migranten seien mit Maschinenpistolen bedroht worden.

Die "akute Bedrohungssituation" sei inzwischen vorbei, die Libyer hätten abgedreht, sagte Isler später. Ein Schlauchboot mit etwa 92 Menschen an Bord sei vor der libyschen Küste in Schwierigkeiten geraten. Einige Menschen seien aus Panik bereits ins Wasser gesprungen. Alle Migranten seien nun an Bord der "Alan Kurdi". "Für die Crew war das ein völliger Schock, so etwas haben wir noch nie erlebt."

Die "Alan Kurdi" sei nicht in libyschen Territorialgewässern unterwegs gewesen, betonte Isler. Sie habe sich etwa 30 Seemeilen nordöstlich der libyschen Hafenstadt Zuwari in der libyschen Such- und Rettungszone befunden.

Ein Schiff der libyschen Küstenwache im Juni 2018 bei einem anderen Rettungsschiff

Ein Schiff der libyschen Küstenwache im Juni 2018 bei einem anderen Rettungsschiff

Die EU unterstützt die libysche Küstenwache darin, Migranten, die über das Mittelmeer nach Europa wollen, zurück in das Bürgerkriegsland zu bringen. Italien liefert zum Beispiel Boote an die Libyer.

Bei der gefährlichen Überfahrt über das Mittelmeer sind seit 2014 laut den Vereinten Nationen mindestens 18.999 Migranten und Flüchtlinge gestorben oder als vermisst gemeldet worden. Die meisten Opfer, 15.754, seien auf der zentralen Route von Libyen nach Italien zu beklagen, teilte die Internationale Organisation für Migration der UN in Genf mit.

Das Jahr mit den meisten Opfern war den Angaben zufolge 2016, in dem auf dem gesamten Mittelmeer 5143 Menschen ihr Leben verloren oder vermisst wurden. Von Januar bis zum 23. Oktober dieses Jahres sind 1080 tote oder vermisste Migranten und Flüchtlinge offiziell erfasst. Die Dunkelziffern sind aber höher.

stu/sti (dpa, kna, epd)

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