Norwegischer Werbespot: Der Weihnachtsmann ist schwul | Kultur | DW | 27.11.2021
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages
Anzeige

Homosexualität

Norwegischer Werbespot: Der Weihnachtsmann ist schwul

In einem Werbespot der norwegischen Post trifft ein Mann namens Harry den Weihnachtsmann. Sie verlieben sich. Die Geschichte hat einen ernsten Hintergrund.

Ein Screenshot zeigt ein behagliches Wohnzimmer, links steht ein Mann in Anzugjacke, rechts der Weihnachtsmann. SIe küssen sich.

Endlich ein Paar: Harry und der Weihnachtsmann im Werbespot "When Harry met Santa..." der norwegischen Post

Über viele Jahre hinweg treffen sich diese beiden Männer nur einmal im Jahr, immeram Weihnachtsabend - immer kurz, denn einer von ihnen hat schließlich zu arbeiten. 

Im diesjährigen Weihnachtswerbespot der norwegischen Post entsteht eine Romanze zwischen einem Mann namens Harry und dem Weihnachtsmann. Der Titel des Werbespots, "When Harry met Santa …", ist eine Anspielung auf den US-amerikanischen Film "When Harry met Sally" (deutsch: "Harry und Sally") aus dem Jahr 1989 mit Billy Crystal und Meg Ryan in den Hauptrollen, in dem sich die Freunde Harry und Sally über viele Jahre hinweg ineinander verlieben.

Das staatliche Unternehmen "Posten Norge" erinnert mit diesem Werbespot daran, dass Homosexualität seit 50 Jahren in Norwegen kein Verbrechen mehr ist. In dem rund vierminütigen Video begegnet Harry dem Weihnachtsmann zum ersten Mal, als dieser durch den Kamin Geschenke zu ihm bringt. Ihre Blicke treffen sich, die Chemie stimmt. Über die Jahre fühlen sich die beiden Männer, die sich an jedem Weihnachtsabend in Harrys Haus treffen, immer mehr zueinander hingezogen. Leider sind diese Begegnungen nur kurz, denn der Weihnachtsmann muss weiter, um die restlichen Geschenke zu zustellen.

Bis er schließlich die Hilfe der norwegischen Post in Anspruch nimmt, damit er endlich einen Weihnachtsabend mit Harry verbringen kann. In der letzten Szene des Werbespots küssen sich die beiden zum ersten Mal, ganz stilecht vor dem Weihnachtsbaum.

Harry und Sally sitzen sich in einem Diner gegenüber, essen Sandwiches und sehen sich an.

Kultszene aus der Komödie "When Harry met Sally": Sally (Meg Ryan) täuscht Harry (Billy Crystal) einen Orgasmus vor

2020 wetterte die Post gegen Donald Trump

Der Spot endet mit dem Satz: "In 2022, it will have been 50 years since it became legal in Norway to love whoever you want" (deutsch: "Im Jahr 2022 wird es 50 Jahre her sein, dass es in Norwegen legal ist, zu lieben, wen man möchte"). Dieses historische Jubiläum ist der Anlass für die ungewöhnliche Werbeaktion.

Monica Solberg, Marketingchefin der norwegischen Post, erinnert in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin LGBTQ Nation an den Werbespot, den das staatliche Unternehmen 2020 veröffentlicht hatte: "Was könnte es Besseres geben, als auf den wütenden Weihnachtsmann des letzten Jahres einen verliebten Weihnachtsmann folgen zu lassen?"

Video ansehen 03:50

Deutsche Köstlichkeiten auf dem Weihnachtsmarkt

Im "Angry White Man"-Weihnachtswerbespot aus dem Jahr 2020 hatte sich die Marketingabteilung von "Posten" über den damaligen US-Präsidenten Donald Trump lustig gemacht. Der Weihnachtsmann war darin als Leugner der Klimakrise dargestellt worden, der steigende Temperaturen am Nordpol als "ganz natürlich" bezeichnete.

Laut Solberg entstehe gerade eine neue Tradition bei "Posten", in der man jedes Jahr mit dem Weihnachtswerbespot aktuelle Ereignisse kommentieren wolle.

Ein ehemaliger US-Botschafter freut sich besonders

Der Werbespot ist sehr beliebt im Internet und wird auf dem Nachrichtendienst Twitter von vielen Nutzern geteilt und kommentiert. 

Ganz besonders freute sich der ehemalige US-Botschafter in Dänemark, Rufus Gifford, selbst homosexuell: "Oh man I love Scandinavia", schrieb er auf Twitter. "Imagine if the US Post Office put out an ad like this!" ("Mann, ich liebe Skandinavien! Stellt euch mal vor, die US-amerikanische Post würde so einen Werbespot rausbringen!").

Adaptiert aus dem Englischen von Christine Lehnen.

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema