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Schwerste Kämpfe seit Sturz der Taliban

4. September 2006

Bei blutigen Kämpfen zwischen NATO-Soldaten und Taliban-Kämpfern sind in Südafghanistan mehr als 200 Menschen getötet worden. Auch die ISAF erlitt schwere Verluste.

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ISAF-Soldaten bei KandaharBild: AP

Taliban-Kämpfer und Soldaten der NATO haben sich am Wochenende im Süden Afghanistans blutige Gefechte geliefert. Bei der bisher größten NATO-geführten Offensive in der Provinz Kandahar wurden nach Militärangaben am Sonntag (3.9.2006) auch vier kanadische Soldaten getötet. Bei einem Flugzeugabsturz kamen außerdem 14 britische Soldaten ums Leben. Seit Beginn der "Operation Medusa" am Samstagmorgen seien mehr als 200 Taliban-Kämpfer getötet und mehr als 80 gefangen genommen worden, teilte die NATO am Sonntagabend mit. Etwa 180 Aufständische seien aus der Region geflohen.

Tausende auf der Flucht

Der Schwerpunkt der Offensive lag den Angaben zufolge in den Bezirken Pandschwaji und Schari. In Pandschwaji kommt es seit Mai zu heftigen Kämpfen, nachdem dort hunderte Taliban-Kämpfer eingesickert waren. Ein ISAF-Sprecher sagte, die NATO-geführte ISAF habe schwere Artillerie eingesetzt und Luftangriffe geflogen. Tausende Zivilisten sind vor den Gefechten geflohen. Die vier kanadischen Soldaten kamen etwa 20 Kilometer westlich der Stadt Kandahar ums Leben. In dieser Region stürzte auch das Flugzeug ab. Alle 14 britischen Soldaten an Bord der Maschine vom Typ Nimrod MR2 verloren ihr Leben. Das Flugzeug sei plötzlich vom Radar verschwunden, sagte ein Sprecher der Internationalen Schutztruppe für Afghanistan (ISAF). Zuvor habe der Pilot ein technisches Problem gemeldet.

Es ist der schwerste Verlust, den die britische Armee an einem einzelnen Tag seit Beginn des Afghanistan-Einsatzes Ende 2001 erlitten hat. Der britische Verteidigungsminister Des Browne sprach von einem "schrecklichen Unfall". Ein Mann, der sich als Taliban-Sprecher ausgab, erklärte hingegen, die Maschine sei abgeschossen worden. Die ISAF wies diese Darstellung zurück. Großbritannien ist an der ISAF beteiligt und hat dort nahezu 4000 Soldaten stationiert. Seit Beginn des Einsatzes vor knapp fünf Jahren sind bereits 36 britische Soldaten ums Leben gekommen.

Kritik an der internationalen Gemeinschaft

Wegen der verschlechterten Sicherheitslage in Nordafghanistan rüstet die Bundeswehr ihre Einheiten laut einem Zeitungsbericht mit gepanzerten Kräften auf. Den Einsatz von "Tornado"-Kampfflugzeugen habe Generalinspekteur Wolfgang Schneiderhan jedoch abgelehnt, berichtet die Zeitung "Die Welt" (Samstag). Die Zeitung zitiert aus einem Bericht eines Führungsstabes des Verteidigungsministeriums, wonach es Mängel bei Ausstattung und Ausrüstung der deutschen Einsatzkräfte gegeben habe. Ein Sprecher des Ministeriums wollte die Existenz des Berichts weder bestätigen noch dementieren.

Fünf Jahre nach Beginn des Kampfes gegen den Terrorismus warf die afghanische Regierung der internationalen Gemeinschaft Versäumnisse vor. Sie habe sich "viel zu sehr auf die militärische Komponente des Anti-Terror-Kampfes konzentriert", sagte Außenminister Rangin Dadfar Spanta in einem Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa in Kabul. "Der Anti-Terror-Kampf ist nicht allein eine militärische, sondern gleichzeitig eine entwicklungspolitische, eine soziale Aufgabe." (stu)