Schwerste Gefechte in afghanischer Stadt Ghasni | Aktuell Asien | DW | 13.08.2018
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Afghanistan

Schwerste Gefechte in afghanischer Stadt Ghasni

Die UN haben sich besorgt über die Lage in Ghasni geäußert. Die Einwohner müssten mit ansehen, wie sich ihre Stadt seit Freitag in ein Schlachtfeld verwandelt habe. Mindestens 130 Menschen starben seitdem bei Kämpfen.

Afghanische Sicherheitskräfte am Ortsrand von Ghasni (Reuters)

Afghanische Sicherheitskräfte am Ortsrand von Ghasni

Der UN-Koordinator für Humanitäre Angelegenheiten, Rik Peeperkorn, appellierte an alle Konfliktparteien, internationales Recht zu respektieren und das Leben der Zivilbevölkerung zu schützen. Krankenhäuser hätten kaum mehr Medikamente und auch Lebensmittel in der Provinzstadt mit 270.000 Einwohnern würden knapp, sagte Peeperkorn in Kabul.

In Ghasni liefern sich die aufständischen Taliban-Kämpfer und Regierungstruppen seit vier Tagen heftigste Gefechte. Am Freitagmorgen hatten hunderte islamistische Kämpfer die strategisch wichtige Stadt rund 150 Kilometer südwestlich von Kabul überrannt. Ghasni befindet sich an der wichtigen Verbindungsstraße zwischen der Hauptstadt und Kandahar im Süden des Landes, die die Taliban unter ihre Kontrolle bringen wollen.

Viele Tote auf beiden Seiten

Bei den Kämpfen zwischen Regierungstruppen und Taliban-Kämpfern in der ostafghanischen Stadt sind seitdem mindestens hundert Sicherheitskräfte getötet worden. Das gab der afghanische Verteidigungsminister Tariq Shah Bahrami auf einer Pressekonferenz in Kabul bekannt. Zudem seien bis zu 30 Zivilisten ums Leben gekommen. Auch das örtliche Krankenhaus berichtet von vielen zivilen Opfern. Verteidigungsminister Bahrami sprach zudem von fast 200 Getöteten Aufständischem. Die Taliban nannten die Angaben der Regierung "gegenstandslos" und behaupteten, es gebe Gespräche über eine Kapitulation der Regierungstruppen.

Kämpfe dauern an

Die Angaben zur Lage in Ghasni sind nur schwer zu überprüfen, weil dort weder das Strom- noch das Mobilfunknetz funktionierten. Die Taliban zerstörten einen Fernmeldeturm und griffen die Büros mehrerer Medien an. Die Taliban sollen so gut wie alle Teile der Stadt unter ihrer Kontrolle haben - lediglich einige Regierungsgebäude sind demnach weiterhin in Regierungshand. Ein Reporter der Nachrichtenagentur AFP, der sich in der Ghasni befindet, berichtete von Taliban-Kämpfern, die durch die Stadt streiften, Regierungsgebäude anzündeten und Kontrollstellen der Polizei unter ihre Kontrolle gebracht hätten. Am Samstag hatten die afghanische Regierung und Vertreter der USA zunächst erklärt, die Stadt befinde sich unter Kontrolle der Regierungstruppen. Am Sonntag hieß es dann von den Behörden, die Lage sei "chaotisch". 

Die meisten Einwohner können offenbar wegen der Kämpfe ihre Häuser nicht verlassen. Da wichtige Zufahrtsstraßen nach Ghasni zudem von den Taliban vermint worden sind, um den Nachschub für die Truppen abzuschneiden, ist die Bevölkerung größtenteils in der Stadt eingeschlossen.

Scharfe Kritik vom früheren Geheimdienstchef

Der ehemalige Chef des afghanischen Nachrichtendienstes, Assadullah Chalid, hat laut Medien kritisiert, dass keine militärische Verstärkung nach Ghasni geschickt worden sei. Der Hauptgrund für den Fall der Stadt an die Taliban sei die Nachlässigkeit der Sicherheitskräfte, sagte Chalid. Parlamentarier und Regierungsvertreter aus Ghasni würden seit Monaten von den Taliban bedroht, doch die Regierung in Kabul habe dies ignoriert.

Der Angriff auf Ghasni ist eine der größten Aktionen der Taliban in letzter Zeit. Im Mai gelangten die Islamisten für kurze Zeit die Kontrolle über die Stadt Farah. Im Jahr 2015 und im Jahr 2016 nahmen sie die nordafghanische Stadt Kundus für einige Tage ein. Die Taliban kontrollieren laut Militärangaben knapp 14 Prozent des Landes, 30 Prozent sind umkämpft.

qu/sam (epd, afp, dpa, ape)

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