Schwere Schlappe für Bayer in Glyphosat-Prozess | Aktuell Amerika | DW | 20.03.2019
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Krank durch Chemie

Schwere Schlappe für Bayer in Glyphosat-Prozess

Ein glyphosathaltiges Herbizid des US-Herstellers Monsanto hat nach Ansicht eines Gerichts zur Krebserkrankung eines Klägers beigetragen. Ein herber Rückschlag für den Bayer-Konzern. Die Aktie verliert dramatisch.

Bayer hat in einem wegweisenden US-Prozess um das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat eine herbe Niederlage erlitten. Die Geschworenen in San Francisco befanden einstimmig, dass das Mittel Roundup der Bayer-Tochter Monsanto einen "erheblichen Faktor" bei der Entstehung der Krebserkrankung des Klägers Edwin Hardeman ausgemacht habe. Damit startet der Prozess nun vor der selben Jury in die zweite Phase, in der es um die Frage der Verantwortlichkeit des Konzerns und eventuelle Schadenersatzansprüche geht.

Bayer drohen hohe Kosten. In den USA sieht sich der Konzern bereits mit mehr als 11.200 Klägern wegen Glyphosat konfrontiert. Zum zweiten Mal hat nun eine Jury das Herbizid als mitverantwortlich für die Krebserkrankung des Klägers gesehen - die Prozesswelle gegen das Unternehmen dürfte dadurch weiter an Fahrt gewinnen.

Dramatischer Wertverlust

An der Börse sorgten die Nachrichten am Mittwoch für große Verunsicherung. Bayer-Aktien fielen um bis zu zwölf Prozent und steuerten auf den größten Tagesverlust seit 16 Jahren zu. Damit schrumpfte der Börsenwert des Leverkusener Konzerns um etwa 7,5 Milliarden Euro. Seit dem ersten Glyphosat-Urteil im August 2018 büßte Bayer knapp 30 Milliarden Euro ein.

Analyst Markus Mayer von Baader Helvea sprach von einem schweren Rückschlag. Damit steige die Wahrscheinlichkeit, dass Bayer diesen Prozess verlieren wird. Mit den Kursverlusten erhöhe sich zudem das Risiko, dass das Unternehmen ein Spielball von aktivistischen Investoren oder sogar ein Übernahmeziel werden könnte.

Insidern zufolge ist der aktivistische US-Hedgefonds Elliott bereits vor längerem bei Bayer eingestiegen, noch liegt der Anteil aber unter der meldepflichtigen Schwelle von drei Prozent. Der Fond von Milliardär Paul Singer ist gefürchtet und hat schon vielen Managern Beine gemacht. Was er bei Bayer im Schilde führt, ist bislang unklar.

Juristischer Rückschlag

Für Monsanto ist es die zweite juristische Niederlage binnen eines Jahres. In einem anderen Prozess im August hatte eine Jury ebenfalls in San Francisco Monsanto zur Zahlung von Schadenersatz an den früheren Schulhausmeister Dwayne Johnson verurteilt.

USA, , San Francisco: Dewayne Johnson (picture-alliance/dpa/J. Edelson)

Dewayne Johnson

Johnson wie auch Hardeman leiden am Non-Hodgkin-Lymphom, einer Krebserkrankung des Lymphgewebes. Beide Kläger setzten Roundup über viele Jahre hinweg ein.

Die Jury zum Fall Johnson hatte dem Kläger einen Schadenersatz von 289 Millionen Dollar (255 Millionen Euro) zugesprochen. Eine Richterin befand die Summe jedoch später für übertrieben und reduzierte sie auf 78,5 Millionen Dollar.

Gesundheitsgefährdung umstritten

Monsanto verkauft Roundup seit mehr als 40 Jahren auf der ganzen Welt und führt ins Feld, das Mittel sei bei sachgemäßer Anwendung ungefährlich. Der Kläger im aktuellen Verfahren ist hingegen der Ansicht, die Firma habe die von ihrem Herbizid ausgehenden Gesundheitsgefahren verschleiert.

In der Forschung ist die Frage, ob die in Roundup enthaltene Chemikalie Glyphosat eine krebsauslösende Wirkung hat, allerdings umstritten. Die US-Umweltbehörde EPA und auch die Aufsichtsbehörden in der EU und Deutschland gelangten zu dem Schluss, dass von Glyphosat keine Krebsgefahr ausgeht.

Dagegen konstatierte die zur Weltgesundheitsorganisation WHO gehörende Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) vor drei Jahren, dass Glyphosat "wahrscheinlich krebserregend bei Menschen" sei.

mak/hb/nob (rtr, afp, dpa)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema