Schwarze Börsenwoche mit glücklichem Ausgang | Wirtschaft | DW | 13.03.2020
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Finanzmärkte

Schwarze Börsenwoche mit glücklichem Ausgang

Was für eine Woche an den Weltbörsen: Gleich an zwei Tagen stürzten die Kurse ins Bodenlose. Billionen Dollar an Börsenwert wurden vernichtet. Zum Ende gabs immerhin einen kleinen Hoffnungsschimmer.

In der Corona-Krise überschlagen sich quasi stündlich Ereignisse und Nachrichten. Nach vielen schlechten Nachrichten in einer turbulent-schwarzen Börsenwoche sorgte dann aber eine am Freitag für Jubel unter Anlegern: Es war eine entschiedene Kampfansage gegen die negativen wirtschaftlichen Folgen der Epidemie. "Wir legen alle Waffen auf den Tisch", sagt Bundesfinanzminister Olaf Scholz am Freitagmittag. Er nimmt sogar das Wort "Bazooka" in den Mund.

Die Waffen, das sind unbegrenzte Kreditprogramme der Regierung für Unternehmen, die wegen des Coronavirus und der erforderlichen Gegenmaßnahmen in Schwierigkeiten oder Schieflage geraten. Unbegrenzt? "Wir haben gesagt, das soll unbegrenzt sein", so Scholz. Die Bundesregierung taste sich nicht langsam heran, sondern sage von vorneherein jede Hilfe zu. Es gebe keine Grenze bei der Kreditsumme, die die staatliche KfW-Förderbank vergeben könne.

Das ist die Bazooka, mit der wir das Notwendige jetzt tun, sagt Bundesfinanzminister Olaf Scholz

"Das ist die Bazooka, mit der wir das Notwendige jetzt tun", sagt Bundesfinanzminister Olaf Scholz (rechts daneben: Wirtschaftsminister Peter Altmaier)

Ölpreiskrieg als Katalysator

Ein Paukenschlag. Und Balsam für die geschundene Anlegerseele, die in dieser Woche nur hilflos zusehen konnte, wie die Aktienkurse an der Börse zerbröselten. Dabei läutete nicht einmal das Coronavirus den Börsencrash ein, sondern eher das Ölkartell Opec. Denn das hatte sich mit Russland nicht auf Förderkürzungen einigen können.

Saudi-Arabien ging daraufhin in den Preiskrieg über, was den Ölpreis am Montag um zeitweise 30 Prozent abstürzen ließ. Tiefpreise beim Öl sind für Verbraucher schön. In dieser Lage aber geraten Unternehmen der Ölindustrie unter Druck, insbesondere die amerikanische Fracking-Industrie. Und Ölstaaten geraten in Schwierigkeiten, weil ihre Einnahmen wegbrechen.

Zusammen mit den Befürchtungen der sich ausbreitenden Corona-Pandemie entstand ein brisantes Gemisch, dass die Aktienmärkte am Montag einbrechen ließ. Kleine Erholungsversuche verpufften; nun stand die Frage im Raum, von welcher Seite Hilfe zu erwarten wäre. Führende Notenbanken wie die amerikanische Fed hatten bereits mit deutlichen Schritten reagiert.

Was immer notwendig ist

Am Mittwoch zog die Bank of England nach und senkte den Leitzins um ein halbes Prozent. Der Euroraum wartete gespannt auf Donnerstag, als die Chefin der Europäischen Zentralbank, Christine Lagarde, die Ergebnisse der Ratssitzung vorstellte. Mittwochabend allerdings überraschte der amerikanische Präsident Donald Trump mit Einreiseverboten für Menschen aus Europa. Die Saat für den nächsten Absturz der internationalen Börsen war gelegt.

Rot, wohin das Auge schaut: Kurstafel an der Wall Street am Donnerstag

Rot, wohin das Auge schaut: Kurstafel an der Wall Street am Donnerstag

Der folgte am Donnerstagvormittag, noch während die Europäische Notenbank über ihre weiteren Schritte beriet. Auf Notkredite für Banken, gezielte günstige Kreditlinien für kleine und mittelständische Unternehmen und ein Aufstocken des Anleihekaufprogramms hatten sich die Notenbankchefs des Euroraumes geeinigt. Keine Zinssenkung, kein Whatever it takes. Die Verluste im Dax, aber auch an den amerikanischen Börsen gingen in den zweistelligen Prozentbereich. Schätzungsweise 18 Billionen Dollar an Börsenwert wurden durch die Corona-Krise seit Mitte Februar weltweit vernichtet.

Whatever it takes gilt als Zauberformel an den Börsen. Es war das Machtwort des vorigen EZB-Präsidenten Mario Draghi während der Euro-Krise. In dessen Nachhall verstummten Spekulationen gegen den Euro dauerhaft. Denn Draghi sagte schlicht, die EZB werde alles in ihrer Macht Stehende tun, um den Euro zu retten. "Und glauben Sie mir - das wird genug sein". Ein solches Machtwort vermissten die Anleger also am Donnerstag, besser noch: Entschiedenere Taten und Maßnahmen. "Ich fürchte, Investoren am Finanzmarkt hätten lieber eine Verdopplung der monatlichen Ankäufe gesehen", sagte Carsten Brzeski, Chefvolkswirt der ING Deutschland.

Die Hoffnung stirbt zuletzt

Das zeigten denn auch die Reaktionen von Investoren am Aktienmarkt: Statt einer Beruhigung verstärkten sich die Panikverkäufe in Frankfurt, auf den schwarzen Montag folgte ein noch schwärzerer Donnerstag, bis dahin lagen die Wochenverluste beim Dax bei über 20 Prozent. Am Donnerstag selbst ging es so steil abwärts wie seit 1989 nicht mehr. Statt eines Machtwortes gab es ein Appell von Christine Lagarde: "Regierungen und alle anderen politischen Institutionen sind aufgerufen, schnelle und zielgerichtete Maßnahmen zu ergreifen, um die Herausforderungen für die öffentliche Gesundheit anzugehen, das Coronavirus einzudämmen und dessen wirtschaftliche Auswirkungen zu lindern."

Diese Worte trafen auf offene Ohren - aus Brüssel und Berlin kamen Unterstützungszusagen und -programme, bis hin zu prinzipiell unbegrenzten Krediten seitens der Bundesregierung für Unternehmen, die durch die Coronakrise in Schwierigkeiten geraten. Nicht kleckern, sondern klotzen lautet das Motto. "Das ist ein Whatever it takes der Bundesregierung", sagt Ulrich Kater, Chefökonom der Deka-Bank. "Ebenso wie in der Eurokrise die EZB richtig gehandelt hat, tut es jetzt die Bundesregierung in der Coronakrise". Und das sorgte nach einer schwarzen Börsenwoche am Freitag dann auch für etwas Licht am Ende des Tunnels. Der Dax machte zeitweilig Jubelsprünge - und ging immerhin mit einem Plus ins Wochenende - wenn auch nur mit einem klitzekleinen. Aber in diesen Tagen ist man ja schon mit wenig zufrieden.

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