Schule schwänzen fürs Klima | Deutschlehrer-Info | DW | 28.11.2019
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Deutschlehrer-Info

Schule schwänzen fürs Klima

Es ist der 4. Globale Klimastreik in diesem Jahr, und wieder werden auch in Deutschland unzählige Schüler daran teilnehmen und dafür dem Unterricht fernbleiben. Doch Schulschwänzen ist kein Kavaliersdelikt.

Am Freitag, dem 29.11. 2019, passend zur Klimakonferenz in Madrid, werden erneut Mädchen und Jungen durch die Innenstädte ziehen und lautstark ein Umdenken in der Klimapolitik fordern. Die „Fridays for Future-Bewegung“ hat weltweit zum 4. Globalen Klimastreik aufgerufen. Im letzten September nahmen mehr als vier Millionen Menschen aus über 150 Ländern daran teil.

Klimastreik versus Schulpflicht

In Deutschland hat man sich längst daran gewöhnt, dass Schüler freitags, mit Plakaten ausgerüstet, für eine konsequente Klimapolitik auf die Straße gehen. Aber auch wenn sie gute Gründe haben, und viele Erwachsene das Engagement der Kinder und Jugendlichen gutheißen und sich mit ihnen solidarisieren: In Deutschland herrscht Schulpflicht, und es gibt kein Streikrecht, das sie außer Kraft setzt. Streng genommen sind die protestierenden Mädchen und Jungen also Schulschwänzer. Und wenn Eltern nicht dafür sorgen, dass ihre Kinder regelmäßig zur Schule gehen, kann das als Ordnungswidrigkeit bestraft werden. Die Erziehungsberechtigten werden dann zur Kasse gebeten. Außerdem führt unentschuldigtes Fehlen im Unterricht zu Verweisen im Klassenbuch und im schlimmsten Fall zum Rauswurf eines Kindes aus der Schule. 

Die zuständigen Länderminister sind allerdings oft unschlüssig, wie sie mit dem unerlaubten Fernbleiben umgehen sollen. Oft übertragen sie die Verantwortung einfach an die Schulleitungen.


 Fridays for Future-Demonstranten mit Plakaten (picture-alliance/dpa/B. Roesler)

Die jungen Klimademonstranten imponieren auch vielen Erwachsenen

Lehrstück in Sachen Demokratie

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) hatte schon beim letzten Globalen Klimastreik im September diesen Jahres an die zuständigen Ministerien und Schulbehörden appelliert, bei einer Teilnahme von Schülern und Lehrern von Strafen abzusehen. „Die Aktivitäten sind ein Stück gelebte, praktische Demokratie“, so die GEW-Vorsitzende Marlis Tepe. Schule solle Kinder und Jugendliche zu mündigen Bürgern erziehen, die sich für die Demokratie einsetzten. Tepe forderte die Kultusminister und die Verantwortlichen in den Schulbehörden auf: „Sehen Sie den Tag als ein von den jungen Menschen selbst inszeniertes Lehrstück in Sachen Demokratie und freuen sich über deren Engagement.“

Und so drücken einige Lehranstalten in der Tat immer wieder ein Auge zu, wenn die Kinder zum Klimastreik gehen und versuchen, konstruktive Lösungen zu finden. Fehlstunden können so beispielsweise durch Sozialarbeit an der Schule ausgeglichen werden. Die Schüler bringen sich dann etwa in Arbeitsgemeinschaften für Umweltschutz und Klima ein. Viele deutsche Schulen bieten auch Exkursionen zu den Kundgebungen an. 

Bußgelder schrecken nicht ab 

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo hingegen hatte die Schüler im Freistaat schon im September gewarnt, sich während der Schulzeit an den „Fridays-for-Future“-Protesten zu beteiligen. Das Ziel medialer Aufmerksamkeit sei längst erreicht. „Insofern sehe ich überhaupt keine Notwendigkeit, nun während der Unterrichtszeit für ‚Fridays for Future' zu demonstrieren“, so Piazolo. Er ist nicht der einzige, der so denkt. Einige Schulen verhängten schon Bußgelder und zogen sie nur unter heftigem Protest der Öffentlichkeit zurück. 

Neben Kritik am Schulschwänzen gibt es auch viele Sympathiebekundungen für die Schüler – bis hin zum Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier und zur Bundeskanzlerin Angela Merkel. Und die Schüler ficht die deutsche Gesetzeslage nicht an. „Wozu lernen, wenn die Erde kaputt geht“, skandieren sie – und werden wohl auch am 29.11. wieder auf die Straße gehen.

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