Schule in Corona-Zeiten bislang „eher mittelmäßig“ | Deutschlehrer-Info | DW | 30.07.2020
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Schule in Corona-Zeiten bislang „eher mittelmäßig“

In Corona-Zeiten verläuft Unterricht anders als zuvor – oder fällt komplett aus. Schon früh haben Experten vor Ungleichheiten im Homeschooling gewarnt. Bundesbildungsministerin Anja Karliczek hat nun Mängel eingeräumt.

Ein Junge sitzt am Schreibtisch, vor ihm ein Mathebuch, ein Heft und ein Laptop.

Homeschooling verstärkt soziale Ungleichheiten.

In Deutschland waren die Schulen wegen der Corona-Pandemie von Mitte März bis in den Mai hinein komplett geschlossen. Und auch danach fand Unterricht vor Ort – vor allem in den weiterführenden Schulen – nur sporadisch statt. Den Unterrichtsstoff mussten sich die Schülerinnen und Schüler vor allem zu Hause erarbeiten. Experten haben schon früh darauf hingewiesen, dass diese Situation bestehende Ungleichheiten in der schulischen Bildung verschärfen könnte.

Nun hat auch Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) eingeräumt, dass diese Phase des Homeschoolings nicht optimal verlaufen sei. Beim digitalen Lernen zu Hause habe es „enorme Unterschiede“ gegeben. „Es gab Schulen, an denen Lehrer während der Krise so gut wie gar keinen direkten Kontakt zu den Schülern hatten", sagte sie der Zeitung „Bild am Sonntag“. „Dann ist es klar, dass die Kinder Lernrückstände aufbauen.“

Karliczek betonte, Deutschland sei seit Langem in der Schulbildung nur gutes Mittelmaß. Und auch in der Pandemiezeit sei Schule im Großen und Ganzen „eher mittelmäßig“ gelaufen. „Wir müssen besser werden – jetzt in der Corona-Zeit und vor allem danach. Wir brauchen einen neuen Aufbruch im Schulwesen“, sagte die Ministerin. 

Nach den Sommerferien ist eine Rückkehr zum Regelbetrieb geplant – ein Schritt, den Eltern und Lehrerverbände kritisch sehen: „Es ist völlig blauäugig, jetzt so zu tun, als sei Corona nach den Ferien einfach vorbei“, sagte der Vorsitzende des Bundeselternrates, Stephan Wassmuth, der „Bild am Sonntag“. Dass die Schulen jetzt wieder in den Regelbetrieb wechseln sollten, liege nur daran, dass es zu wenig Personal und zu wenige Räume gebe. Auch für den Fall, dass die Schulen wieder geschlossen werden müssten, sieht er das System nicht gut aufgestellt: „Wir brauchen endlich einen qualifizierten Fernunterricht, damit Eltern nicht wieder in die Rolle der Lehrer gedrängt werden.“ Die Homeschooling-Situation der vergangenen Monate dürfe sich nicht wiederholen.

Für den Präsidenten des Deutschen Lehrerverbands Heinz-Peter Meidinger ist es völlig unklar, wie die Hygienekonzepte der Länder umgesetzt werden sollen. „Die Isolierung von Lerngruppen wird spätestens in der Oberstufe mit ihrem Kurssystem nicht mehr funktionieren.“ Er kritisiert besonders, dass nicht zwischen älteren und jüngeren Schülern unterschieden werde. „Es ist fatal, dass Schüler aller Altersstufen in einen Topf geworfen werden. Wir wissen, dass sich das Virus bei jungen Kindern ganz anders verbreitet als bei jungen Erwachsenen. Die meisten Konzepte unterscheiden aber nicht zwischen Erstklässlern und Abiturienten“, sagte Meidinger.

ip/war (dpa, KNA)

 

Die Redaktion empfiehlt