„Schuld ohne Sühne“: 20 Reportagen in polnisch-deutscher Koproduktion  | Pressemitteilungen | DW | 30.08.2019
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Pressemitteilungen

„Schuld ohne Sühne“: 20 Reportagen in polnisch-deutscher Koproduktion 

Vor dem Hintergrund des Überfalls von Deutschland auf Polen am 1. September 1939 und dem Beginn des Zweiten Weltkriegs startet die DW mit Partnern in Polen am Samstag, 31. August, die Reportage-Reihe „Schuld ohne Sühne“.

Polen Koszecin | Nachfahren von Franciszek (Franz) Honiok: (von links) Damian Piskon, Maria Kubosz, Monika Zurawska (DW/E. Stasik)

Zu Gast bei den Nachfahren des ersten Kriegsopfers: (v.l.) Damian Piskon, Maria Kobosz und Monika Zurawska

Die Reportage-Reihe „Schuld ohne Sühne“ ist eine Kooperation der Deutschen Welle mit den reichweitenstarken polnischen Partner-Portalen „Wirtualna Polska und „Interia“. Journalisten-Tandems aus Polen und Deutschland haben für die 20 Online-Reportagen  jeweils Familien von polnischen Kriegsopfern und Familien von deutschen Tätern besucht und deren Lebenswege nachgezeichnet. Dem gingen umfangreiche Recherchen in beiden Ländern voraus. So traf ein Team einen Überlebenden eines Ghettos und brachte ihn mit dem Sohn des damals Verantwortlichen aufseiten Nazi-Deutschlands zusammen. Beide reichten sich die Hand und tauschten sich im Beisein der Journalisten in versöhnlicher Form aus. 

Bei Recherchen zu einem SS-Arzt, der im Konzentrationslager Dachau medizinische Experimente an polnischen Häftlingen durchführte, wies eine Spur in die bayerische Provinz – wo die Reporter auf eine Mauer des Schweigens stießen. Angehörige lehnten Interviews ab. Eine Bewohnerin, die seit Jahren das Grab des Mannes pflegt, zeigte sich erstaunt über dessen Kriegsvergangenheit.

Bartosz Dudek, Leiter der Polnisch-Redaktion der DW: „Es sind erschütternde Geschichten von Schuld und Scham, aber auch von Einsicht und Versöhnung. Der ehrliche Umgang mit dem, was der Schriftsteller Ralph Giordano ‚die zweite deutsche Schuld‘ genannt hat, soll zeigen, dass schonungslose Aufarbeitung der Geschichte der einzige Weg ist, aus ihr zu lernen.“ 

Für alle an der Produktion Beteiligten habe stets die geschichtliche Wahrheit im Vordergrund gestanden. Dudek: „Wir wollten aufklären, um zu zeigen, dass Deutschland heute ein anderes Land ist und sich der Schuld stellt.“ Die deutsche Wehrmacht habe in Polen schon in den ersten Kriegsmonaten „ein Regime des Terrors und der Massenhinrichtungen etabliert“. 

„Tätern den Nimbus der Unschuld nehmen – Opfer wieder ins Gedächtnis bringen“

„Die Nazi-Maschinerie funktionierte nicht nur, weil es Verbrecher wie Josef Mengele gab. Sie funktionierte dank vieler weniger bekannter Täter, die ebenso engagiert an der Umsetzung der nationalsozialistischen Vernichtungspläne gearbeitet haben“, sagt Tomasz Machała, Chefredakteur des Portals Wirtualna Polska. Viele dieser Menschen hätten sich nach dem Krieg als „rechtschaffene Bürger“ ausgegeben und Karriere gemacht. „Wir nehmen ihnen den Nimbus der Unschuld. Und wir bringen ihre Opfer wieder ins Gedächtnis zurück“, so Machała.

„Die Verbrecher, ob in Uniformen oder als ‚gewöhnliche‘ Deutsche, die eifrig die Politik der Nazis umgesetzt haben, haben eines gemeinsam: Ohne Skrupel kehrten sie an ihre Arbeitsplätze in die Amtsstuben, Polizeireviere, Gerichte, Krankenhäuser oder Hochschulen zurück. Im Nachkriegsdeutschland wurde vielen dabei geholfen, ihre Taten zu vertuschen und ihre Schuld ungesühnt zu lassen“, so Krzysztof Fijałek, Chefredakteur des Portals Interia.pl.

Die 20 Online-Reportagen – teilweise um Videos ergänzt – erscheinen auf Polnisch gleichzeitig auf dw.com, wp.pl und interia.pl. Auch auf Deutsch werden die Beiträge publiziert.

„Angesichts der Spannungen im deutsch-polnischen Verhältnis ist es keineswegs selbstverständlich, dass wir ein solches Projekt in guter Zusammenarbeit mit polnischen Partnern durchführen können“, unterstreicht Adelheid Feilcke, Leiterin der Europa-Redaktionen der DW. Das Tandem-Projekt sei umso bemerkenswerter und „ein Gewinn für alle“.

Im Ranking der reichweitenstärksten Portale in Polen belegen Wirtualna Polska Platz zwei und Interia Platz drei (laut Gemius/PBI für Juli 2019) 

 

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