Schlechtes Wetter - gut fürs Klima? | Wissen & Umwelt | DW | 22.02.2014
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Wissen & Umwelt

Schlechtes Wetter - gut fürs Klima?

Über Wetter redet man gerne. Über Klimawandel nicht unbedingt. Wenn das Wetter aber so verrückt spielt wie in diesem Winter, fragen sich alle: Hat das mit dem Klimawandel etwas zu tun?

Auch in einem Land wie Großbritannien, das für sein wechselhaftes Wetter mit viel Wind und Regen bekannt ist, fragen sich die Menschen in diesen Tagen, was mit dem Wetter los ist.

In den letzten Monaten haben die Inselbewohner Regen, Überflutungen und Stürme erlebt, die alle Rekorde brechen. Die britische Wetterbehörde Met Office hat dazu eine Studie veröffentlicht: "Eine globale Perspektive zu den Stürmen und Überflutungen im Vereinigten Königreich". Die Autoren beschreiben die Serie der Winterstürme als außerordentlich, sowohl was die Frequenz als auch was die Dauer angeht. Sie sprechen von der "nassesten Dezember-Januar-Periode im Vereinigten Königreich seit Anfang der Wetteraufzeichnung".

Die Kombination von starken Niederschlägen mit starken Stürmen und hohen Wellen hätten in weiten Teilen des Landes zu Überflutungen, zu Schäden an den Küsten und riesigen Probleme für Menschen, Wirtschaft und die Infrastruktur geführt.

Erleben wir schon die Auswirkungen der globalen Erwärmung?

Gleichzeitig erleben Kanada und die USA eine außergewöhnliche Kälteperiode. Die britischen Meteorologen bringen die Extremwetterereignisse beidseits des Atlantiks mit andauernden Fluktuationen im Jetstrom über der Pazifik und Nordamerika in Verbindung. Diese wiederum bringen die Met Office- und andere Wissenschaftler mit Niederschlägen über Indonesien und der tropischen Westpazifik in Verbindung. Wetter ist eben ein extrem komplexes Phänomen. Und Luft- und Meereströmungen rund um den Globus sind miteinander verbunden.

England, Überflutung, Februar 2014 Foto: REUTERS/Paul Hackett

Überflutungen in Großbritannien: Schon Klimawandel?

Da Luft- und Meerestemperatur das Wetter beeinflussen, liegt es nahe, dass ein Temperaturanstieg der Erde für Veränderungen mitverantwortlich sein wird. Die britische Wetteragentur will zwar noch keine definitive Antwort aussprechen. Die Autoren der Studie zitieren aber "einen Anstieg der Daten, die eine Intensivierung von extremen täglichen Niederschlagsmengen belegen". Sie schreiben auch, "dass diese Entwicklung zu dem passt, was uns die Physik über eine sich erwärmende Erde lehrt". Es gebe auch keine Daten, die die grundsätzliche Annahme widerlegen könnten, dass eine wärmere Welt zu einem Anstieg der intensiven Niederschläge führe.

In einem Gastbeitrag für die britische Tageszeitung The Guardian wertet Nicholas Stern, der ehemalige Weltbank-Chefökonom, die Wetterextreme als "klares Zeichen, dass wir die Auswirkungen des Klimawandels bereits spüren". Seit dem Jahr 2000 habe das Vereinigte Königreich vier der fünf niederschlagsreichsten Winter erlebt und die sieben wärmsten Jahre seit Beginn der Wettermessung.

Eine wärmere Atmosphäre enthalte mehr Feuchtigkeit, schreibt Stern. Dazu komme ein steigender Meeresspiegel, der zu stärkeren Sturmfluten führe. So erhöht sich die Gefahr von Überflutungen in Großbritannien. Stern nennt auch die Rekordhitzewellen in Australien und Argentinien sowie Überflutungen in Brasilien und den Taifun Haiyan auf den Philippinen im vergangenen Jahr als Teile eines globalen Wandels, "den es sehr unklug wäre zu ignorieren".

Gefahren des Klimawandels stärker als angenommen

Taifun Haiyan:Das Leben danach in Trümmern und Müll - Typhoon Foto: REUTERS/Erik De Castro

Taifun Haiyan zerstörte Häuser und Infrastruktur.

2006 verfasse der britische Ökonom Stern, derzeit Professor an der London School of Economics, im Auftrag der britischen Regierung den "Stern Report", in dem zum ersten Mal die wirtschaftlichen Folgen des Klimawandels in Zahlen gefasst wurde. Seitdem seien die Risiken des Klimawandels noch größer geworden, schreibt Stern, da der CO2-Austoß stark angestiegen sei und manche Auswirkungen des Klimawandels wie die Verminderung des arktischen Meereises viel schneller eingetreten seien als vorausgesagt.

Das extreme Wetter hat auch manche Politiker angespornt, den Klimawandel etwas höher auf die Prioritätenliste zu setzen. US-Präsident Barack Obama und der französische Präsident Francois Hollande forderten gemeinsam eine "ehrgeizige" Weltklimavereinbarung, die auf der Weltklimakonferenz 2015 in Paris beschlossen und ab 2020 in Kraft treten soll.

Der US-Außenminister John Kerry nannte während einer Asienreise den Klimawandel "eine ebenso ernste Gefahr" wie Terrorismus, Pandemien, Armut sowie die Ausbreitung von Massenvernichtungswaffen." Vorher hatte er bekannt gegeben, dass die USA und China - die größten CO2-Emittenten der Welt - im Vorfeld der Klimakonferenz Daten austauschen und zusammenarbeiten würden.

UN-Klimachefin Christiana Figueres sieht eine wachsende Aufmerksamkeit für das Thema Klima. Dies sei traurigerweise auf die Zunahme von Naturereignissen und -katastrophen zurückzuführen, sagte sie in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters.

Es muss sich noch zeigen, ob hinter der Rhetorik auch ernsthafte Handlungsabsichten stehen. Zumindest könnten Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen oder Dürren den "positiven Nebeneffekt" haben, dass sie das Bewußtsein dafür schärfen, dass in Sachen Klimaschutz dringend etwas getan werden muss.

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