Schlechte Laune bei den Chefs - Ifo-Geschäftsklimaindex fällt weiter | Wirtschaft | DW | 24.06.2019
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Konjunktur

Schlechte Laune bei den Chefs - Ifo-Geschäftsklimaindex fällt weiter

Die Unsicherheit in der Wirtschaft ist groß. Handelsstreit, Strafzölle, Brexit und jetzt noch der Konflikt mit dem Iran drücken auf die Stimmung und damit auf den Ifo-Geschäftsklimaindex.

Die Konjunktur in der Flaute - der Zollstreit USA-China nicht gelöst, Grund genug für schlechte Stimmung in den Chefetagen der deutschen Wirtschaft. Deren Laune spiegelt sich auch im Barometer für das Geschäftsklima. Es fiel im Juni auf 97,4 Punkte (von 97,9 Zählern) und damit das dritte Mal in Folge und erreichte den niedrigsten Wert seit November 2014. Das teilte das Münchner Ifo-Institut am Montag mit.

Bis auf den Handel trübte sich das Geschäftsklima in allen Sektoren ein - also in der Industrie, unter Dienstleistern und im Baugewerbe. "Die Stimmung in den deutschen Chefetagen hat sich weiter abgekühlt", erklärte Ifo-Präsident Clemens Fuest. "Die deutsche Konjunktur flaut weiter ab."

Für den Index befragt das Ifo-Institut monatlich rund 9000 Unternehmen. Sie werden gebeten, ihre gegenwärtige Geschäftslage zu beurteilen und ihre Erwartungen für die nächsten sechs Monate einzuschätzen. Dabei zeigt sich beim Blick in die Zukunft zunehmende Skepsis.

Unsicherheit ist Gift für die Wirtschaft

Vor allem Unsicherheit mag man gar nicht in der Wirtschaft und derHandelskonflikt zwischen den USA und China ist laut Ifo der größte Unsicherheitsfaktor. "Gesamtwirtschaftlich erwarten wir aber keine Rezession", sagte Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Zwar ziehe die schrumpfende Industrie die Stimmung nach unten, doch Handel, Dienstleister und Bau seien "noch immer sehr gut aufgestellt". Am Bau seien die Auftragsbücher voll. "Aber es kommt nicht mehr so viel nach, auch weil die Preise der Branche so stark gestiegen sind", erläuterte der Experte.

Das Ifo-Institut rechnet für das laufende Quartal mit einem Rückgang der Wirtschaftsleistung. Zu Jahresbeginn hatte das deutsche Bruttoinlandsprodukt noch um 0,4 Prozentzugelegt.

Die Führungskräfte beurteilten ihre Geschäftslage in der aktuellen Ifo-Umfrage besser, die Aussichten für die kommenden sechs Monate hingegen schlechter. "Tatsächlich ist die deutsche Volkswirtschaft derzeit nicht auf Rosen gebettet", urteilt Chefvolkswirt Thomas Gitzel von der Liechtensteiner VP Bank.

Infografik ifo Geschäftsklima Deutschland DE

Spannungen mit dem Iran und Brexit

Der Konflikt zwischen den USA und Iran belastet das Geschäftsklima in Deutschland nach Einschätzung des Ifo-Instituts bisher nicht wesentlich. "Einen größeren Einfluss des Iran-Konflikts erwarte ich erst, wenn es zu einer weiteren Verschärfung oder zu einem signifikanten Anstieg des Ölpreises kommt", sagte Ifo-Konjunkturexperte Klaus Wohlrabe. Auch die Gefahr eines harten Brexits spiele für die deutsche Wirtschaft momentan keine dominierende Rolle.

Klaus Borger von der staatlichen Förderbank KfW betont dagegen, nicht nur die Strafzölle der USA, sondern auch die gestiegenen Spannungen am Persischen Golf und der ungewisse Ausgang des "Brexit-Dramas", das unter dem wahrscheinlich neuen Premier Boris Johnson offener den je sei, gäben Anlass zur Sorge. "Die erneut schwächeren Erwartungen sind kein Wunder, denn die Liste der globalen Negativrisiken ist binnen Monatsfrist eher noch länger geworden", so der Ökonom.

"Angesichts dessen, dass die USA kurz vor einem Krieg mit dem Iran standen und weiter stehen, angesichts der geringen globalen Wirtschaftsdynamik und angesichts der anhaltenden Drohkulissen Handelskrieg und Brexit ist es auch wenig verwunderlich, dass die Wirtschaft nicht in Feierlaune ist", meint auch Stefan Grosse von der NordLB.

Hoffen auf G-20 Gipfel

Borger hält positive Signale für sehr wichtig, damit es bei einer Konjunkturdelle bliebe. "Eine Chance zu vertrauensbildenden Maßnahmen bietet sich bereits auf dem G-20 Gipfel Ende der Woche."

Auch Grosse setzt auf den G-20 Gipfel. "Es bleibt zu hoffen, dass sich US-Präsident Donald Trump und Chinas Präsident Xi Jinping auf dem G-20 Gipfel zu einer Annäherung durchringen können", hofft er.

iw/hb (rtr, afp)

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