Schlagzeuglegende Ginger Baker ist tot | Musik | DW | 06.10.2019
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Nachruf

Schlagzeuglegende Ginger Baker ist tot

Er galt als einer der besten Schlagzeuger der Welt. Ginger Baker, der mit Eric Clapton die Band Cream gründete, starb im Alter von 80 Jahren in Großbritannien. Bis ins hohe Alter stand er auf der Bühne.

Selbst mit knapp 80 wollte Ginger Baker es noch mal wissen und gab mehrere Konzerte. Da hatte er schon eine Operation am offenen Herzen hinter sich, litt an Arthrose und einer chronischen Lungenerkrankung. An Bakers polyrhythmischen Soli messen sich Schlagzeuger bis heute. Er rangiert auf Platz drei der "100 Greatest Drummers of All Time" (100 größten Schlagzeuger aller Zeiten) des Musikmagazins Rolling Stone.

"Cream" gründete Ginger Baker im Jahr 1966 gemeinsam mit Eric Clapton und Jack Bruce. Die Band veröffentlichte vier Alben. Baker war der erste Schlagzeuger, der als Solist auftrat und damit selbst zum Star wurde. Eric Clapton nannte ihn ehrfurchtsvoll "einen voll ausgebildeten Musiker", der in der Lage war, das "gesamte musikalische Spektrum" zu bedienen. Viele Faktoren trugen zum Ende von Cream bei: Bakers Temperament ging oft mit ihm durch und er geriet immer wieder mit Jack Bruce im Jähzorn aneinander - sogar auf der Bühne. Außerdem bot die ekstatische Fangemeinde keine Herausforderung mehr: Das Publikum jubelte bereits, bevor die Musiker ihre ersten Noten gespielt hatten. Die Band "Cream" gab es deshalb nur zwei Jahre.

Baker gründete daraufhin mit Clapton, Steve Winwood und Ric Grech die Band "Blind Faith". Schon kurze Zeit später stieg Baker aus. Gemeinsam mit der Band "Air Force" veröffentlichte er bis zuletzt eine Reihe von Soloalben, darunter auch sein jüngstes mit dem Titel "Why?", im Jahr 2014.

2005 kam Cream in Originalbesetzung nach 37 Jahren wieder zusammen: Ginger Baker & Eric Clapton (Getty Images/C. Gries)

2005 kam Cream in Originalbesetzung nach 37 Jahren wieder zusammen: Ginger Baker (am Schlagzeug) mit Eric Clapton

Markenzeichen: Rotschopf

Peter Edward Baker - er wurde in seiner Kindheit wegen seiner roten Haare Ginger genannt - wurde am 19. August 1939 in der Gegend von Lewisham im Südosten Londons geboren. Sein Vater, ein Maurer, starb im Zweiten Weltkrieg während eines Einsatzes. Baker trainierte als Teenager, um Profi-Radrennfahrer zu werden - erst ein Unfall brachte ihn zufällig zum Schlagzeug. Er war ein Naturtalent. Der einflussreiche britische Jazz-Schlagzeuger Phil Seamen nahm ihn unter seine Fittiche und bildete ihn aus. "Er hörte mich eines Nachts spielen und sagte danach: 'Setz dich, ich möchte mit dir reden. Du bist der einzige Schlagzeuger, den ich kenne, der es drauf hat'", erinnerte sich Baker später in einem Interview. Schnell etablierte er sich als Schlagzeuger in der Londoner Jazzszene.

Drogen, Musik und Polo

Einen Großteil der 1970er Jahre verbrachte Baker in der nigerianischen Hauptstadt Lagos, wo er ein Aufnahmestudio gründete und sich in die afrikanische Musik vertiefte. Er trat gemeinsam mit dem nigerianischen Sänger, Songwriter und politischen Aktivisten Fela Kuti auf. Seine Liebe zum Polo erwies sich als so kostspielig, dass er sich beim Kauf und beim Import von Polo-Ponys komplett verschuldete. Als 2009 seine Autobiographie "Hellraiser", (Höllenreiter), erscheint, schreibt er darin offen von seinen Drogen- und Alkoholexzessen. Allein 29 Mal soll er versucht haben, vom Heroin loszukommen. Auf einer Tournee in den Jahren 1983 und 1984 in Deutschland, Malta und Spanien habe er sogar soviel getrunken, dass er sich an nichts mehr erinnern konnte.

Ginger Bakers Band traf sich 2005 wieder zu Konzerten in London und New York und erhielt 2006 einen Grammy Award für ihr Lebenswerk.

Die Familie bestätigte Ginger Bakers Tod in seinem offiziellen Twitter-Account.

so/cgn (mit New York Times, dpa)

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