Schiffslärm stört Buckelwale beim Essen | Wissen & Umwelt | DW | 10.08.2016
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Wissen & Umwelt

Schiffslärm stört Buckelwale beim Essen

Die riesigen Meeressäugetiere lassen sich durch Geräusche von Schiffsmotoren von der Nahrungssuche ablenken. Forscher konnten das durch den Einsatz von Geräuschs- und Bewegungssensoren nachweisen.

Ein Buckelwal fällt aufs Wasser (Fotopicture alliance/ dpa/ S.Contreras)

Buckelwale lieben es, aus dem Wasser zu schießen und sich fallen zu lassen. Sind Schiffe in der Nähe, werden sie vorsichtig.

Ein Forscherteam um Hannah Blair von der Syracuse University im US-Bundestaat New York konnte durch den Einsatz von Sensortechnik nachweisen, dass Buckelwale sich anders verhalten, wenn in der Nähe Schiffe fahren. Sie veröffentlichten ihre Studie jetzt im Fachjournal "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Die Forscher hatten zehn Buckelwale im Golf von Maine mit Sensoren ausgestattet, die immer zwischen Sonnenuntergang und -aufgang sowohl Umgebungsgeräusche als auch die Bewegung der Tiere aufzeichneten. Das ist die Zeit, in der die Buckelwale üblicherweise auf Jagd gehen.

Rolle seitwärts beim Jagen

Die Tiere jagten in der Umgebung der Stellwagen Bank, einer flachen Meeresregion, die Buckelwale bevorzugen, weil sie dort gut auf dem Meeresboden auf Nahrungssuche gehen können. Wenn die bis zu 19 Meter langen Tiere Sandaale jagen, nutzen sie dabei eine typische Bewegung - die sogenannte "Seitenrolle" (side-roll). Diese konnten die Forscher mit einem Sensor erkennen.

Waren im Hintergrund allerdings Schiffsgeräusche zu hören, jagten die Buckelwale weniger: Sie führten in dieser Zeit 29 Prozent weniger Seitenrollen durch, als wenn sie Ruhe hatten. Auch veränderten sie ihr Auf- und Abtauchverhalten. Sie führten diese Manöver verlangsamt durch.

Weibchen sind besonders vorsichtig

Besonders empfindlich reagierten Weibchen auf die Geräusche. Zwei der Versuchstiere waren in Begleitung ihrer Kälber. Ein Tier war schwanger. Bemerkenswert fanden die Forscher, dass dieses Verhalten auch nachts messbar war, obwohl deutlich weniger Schiffe unterwegs waren als tagsüber.

Zwar seien Buckelwale sehr anpassungsfähig, doch vollständig könnten sie die Störung durch die Schiffe offenbar nicht kompensieren. Die Forscher haben verschiedene mögliche Erklärungen für das Verhalten der Buckelwale: Es könnte sein, dass sie sich in ihrer Möglichkeit beeinträchtigt fühlen, auf- und abzutauchen um Luft zu holen.

Möglicherweise verstecken sich die Sandaale auch besser, wenn es Lärm gibt. Auch könne es sein, dass der Lärm die Kommunikation zwischen den Walen beeinträchtigt. Bartenwale, zu denen auch die Buckelwale gehören, kommunizieren in jenen niedrigen Frequenzbereichen, die auch Schiffe hauptsächlich produzieren.

Walflossen mit Schiff im Hintergrund (Picture alliance/ dpa/ Greenpeace)

Auch Tümmler, Orcas und Schweinswale verhalten sich anders wenn menschengemachter Lärm sie stört.

Auch andere Wale mögen keinen Lärm

Vor einigen Monaten zeigte jedoch eine Studie, dass auch Schwertwale (Orca), die eigentlich höhere Frequenzen für die Jagd und die Verständigung nutzen, durch Schiffslärm beeinträchtigt werden.

2014 wies eine Studie nach, dass seismische Messungen Schweinswale wie den Kleinen Tümmler vertreiben. Solche Messungen verwenden Unternehmen, um beispielsweise Rohstoffvorkommen oder die geologischen Bedingungen vor dem Bau von Windparks zu erkunden.

Die Bestände der einst gefährdeten Buckelwale haben sich durch Jagdverbote in den letzten Jahrzehnten in weiten Regionen der Welt gut erholt. Von 14 durch den US-Wetterdienst NOAA erfassten Buckelwal-Populationen weltweit sind nur noch zwei als "gefährdet" und zwei als "bedroht" eingestuft.

Auf der Roten Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion IUCN werden sie mittlerweile unter "wenig Besorgnis" geführt.

fs/hf (dpa)