Schalke baut um: 27 Brüder, 27 Kapitäne | Sport | DW | 21.08.2018
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Vor dem Saisonstart

Schalke baut um: 27 Brüder, 27 Kapitäne

Unter Domenico Tedesco ist dem FC Schalke 04 in der vergangenen Saison ein überraschender Neuanfang gelungen. Nach prominenten Abgängen setzt der Coach in seinem zweiten Jahr auf flache Hierarchien und Transparenz.

Schalke ist noch lange nicht fertig – das ist der Eindruck auf dem Vereinsgelände. Riesige Erdhaufen zwischen den Trainingsplätzen, Bauarbeiten, Staub und Schweiß. Für rund 100 Millionen Euro machen die Schalker ihr Vereinsgelände zukunftsfähig. Auf dem Platz scheint es dagegen kaum noch Baustellen zu geben. Nach der Vizemeisterschaft im Mai herrscht eine fast bedrohliche Zuversicht überall auf Schalke. 

"Viele rechnen damit, dass wir nicht wieder so eine gute Saison spielen werden. Deswegen können wir in der nächsten Saison nur wieder überraschen", erklärt Mittelfeldspieler Alessandro Schöpf. 

Stambouli fürchtet Probleme

Abwehrspieler Benjamin Stambouli sieht die Situation dagegen kritischer: "Jetzt kennen uns die Gegner und es wird komplett anders. Deshalb reden wir viel über unsere Rolle. Wir müssen mit demselben Spirit in die Spiele gehen wie zuletzt. Sonst bekommen wir Probleme."

Zusätzliche Motivation bekommen die Schalker von ihren Fans. Die kommen immer zahlreicher. Hunderte verfolgen jede Einheit der Königsblauen. Ins Trainingslager nach Österreich sind den Schalkern 1500 Anhänger nachgereist. Die Mannschaft kann nur noch selten unbeobachtet arbeiten. Und wenn der Erfolg mal eine Weile ausbleibt, könnte die positive Stimmung schnell und heftig umschlagen. 

Prominente Abgänge müssen ersetzt werden

Wohl auch deshalb ist die Transferpolitik unter Manager Christian Heidel darauf ausgerichtet, Konflikte innerhalb des Teams auszuschließen. Mit Leon Goretzka, Max Meyer, Benedikt Höwedes und Thilo Kehrer verliert Schalke zwar verdiente Leistungsträger. Doch gleichzeitig entledigt sich der Verein auch der Unruhe um einzelne Akteure, deren Verträge auslaufen. 

Und das ist ganz nach der Vorstellung von Domenico Tedesco. Der 32-jährige hat eine neue Kultur beim Revierclub etabliert. Er setzt auf Transparenz, redet viel mit jedem seiner 27 Spieler, zieht auch mal bei Laufeinheiten voll mit. Seine Spieler bezeichnete er im Trainingslager als "Brüder". Vorausgegangen war die Pöbelei eines Zuschauers gegen Franco di Santo. Die Mannschaft kam geschlossen aus der Kabine, um ihre Solidarität mit dem Stürmer lautstark zu demonstrieren. 

Naldo: "Wir sind alle Kapitäne"

Österreich Mittersill Trainingslager Schalke 04 (DW/K. Greiner-Pachter)

Naldo

Wer die Anweisung dazu gab, ist nicht überliefert. "Wir sind alle Kapitäne", erklärt Naldo die Hierarchie im Team. "Wir müssen alle die Verantwortung eines Kapitäns übernehmen." Der Brasilianer steht sinnbildlich für den Schalker Aufschwung in der abgelaufenen Spielzeit. Die Bundesligaprofis wählten den 35-jährigen zum besten Feldspieler der Saison.

Nun bekommt Naldo (1,98 Meter) in der Innenverteidigung auch noch Verstärkung auf Augenhöhe: Salif Sané (1,96 Meter) kam von Hannover 96. "Er ist ein sehr guter Typ und er hatte ein überragendes Jahr in Hannover. Ich hoffe, dass er wieder eine gute Saison spielen kann", sagt Naldo über den Neuzugang. Im DFB-Pokal gegen den 1. FC Schweinfurt 05 (2:0) harmonierten die beiden Abwehrtürme bereits. 

Mendyl braucht noch Zeit

Bei den anderen Neuzugängen wird sich der wahre Wert wohl erst im Laufe der Saison zeigen: Mark Uth (aus Hoffenheim) und Steven Skrzybski (von Union Berlin) müssen sich im stark besetzten Schalker Sturm behaupten. Omar Mascarell (aus Frankfurt) und Suat Serdar (aus Mainz) sollen im Mittelfeld die Lücken schließen, die Goretzka und Meyer hinterlassen haben.

Linksverteidiger Hamza Mendyl hat zwar schon 13 Länderspiele für Marokko auf dem Konto, aber auch erst 13 Erstliga-Spiele in Frankreich vorzuweisen. Er wird noch einige Zeit brauchen, um in der Bundesliga anzukommen. Einen Spieler will Schalke wohl noch verpflichten. Sebastian Rudy gilt als Kandidat. Allerdings hat Schalke mit Mascarell und Bentaleb bereits zwei Sechser. 

Herausforderung Champions League

Österreich Mittersill Trainingslager Schalke 04 (DW/K. Greiner-Pachter)

Guido Burgstaller (M.) in Aktion

Doch für die Champions League braucht Schalke ohnehin einen breiteren Kader. Naldo freut sich auf die Mehrfachbelastung. "Aber der Rhythmus darf kein Alibi für schlechte Spiele sein. Wir müssen uns zwischendurch immer gut erholen und dann wieder Gas geben." Guido Burgstaller schlägt ähnliche Töne an: "Für jeden Fußballer gibt es nichts schöneres, als alle drei Tage zu spielen. Ich kenne das noch von der Europa League. Ich habe mich da immer sehr fit gefühlt." 

Burgstaller wünscht sich Real Madrid oder den FC Liverpool als Gruppengegner. Sein Landsmann Alessandro Schöpf hofft auf Manchester United: "Es wäre cool im Old Trafford zu spielen. Aber in der Champions League gibt es nur gute Vereine, darum freuen wir uns auf die Saison." 

Schalke baut so lange wie Tedesco bleibt

Eine Saison, in der Schalke Probleme bekommen könnte, wenn es nicht gleich nach Wunsch läuft. Denn durch die Dreifachbelastung aus Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League bleibt Trainer Domenico Tedesco weniger Zeit, Fehler zu korrigieren oder neue Abläufe einzustudieren. Und auch die vielen Gespräche, die der sehr kommunikative Trainer mit seinen Spielern führt, werden wohl kürzer ausfallen. 

Der Trainer hat übrigens kurz vor der Saison seinen Vertrag bis 2022 verlängert. Fast genauso lange soll der Neugestaltung des Vereinsgeländes noch andauern. Unter Tedesco könnte Schalkes Umbau also noch abgeschlossen werden.

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