Schülerinnen zu sexy für die Schule? | Deutschlehrer-Info | DW | 09.07.2015
  1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Deutschlehrer-Info

Schülerinnen zu sexy für die Schule?

Anders als in anderen Ländern können Schüler in Deutschland fast alles anziehen, was sie wollen. Eigentlich. Denn nun hat eine süddeutsche Schule Hotpants verboten. Aber darf sie das – und ist das nicht sexistisch?

Regelmäßig im Sommer die gleiche Diskussion: Die Temperaturen steigen, Schüler und Schülerinnen ziehen weniger an, und Erwachsene diskutieren, ob Jugendliche sich nicht „angemessener“ kleiden sollten. Denn im Gegensatz zu vielen anderen Ländern gibt es an staatlichen deutschen Schulen keine Kleiderordnung oder Schuluniformen. Erneuten Anlass zur Debatte lieferte in diesem Jahr eine Schule in Horb in Baden-Württemberg. In einem Elternbrief schrieb Schulleiterin Bianca Brissaud: „Wer zu aufreizend gekleidet ist (zum Beispiel bauchfreies Shirt, Hotpants ...), der bekommt von der Schule ein großes T-Shirt gestellt, das er/sie sich bis zum Schultagsende anziehen muss.“ Eine endgültige Kleiderordnung werde noch gemeinsam mit Schülerinnen, Schülern und Eltern erstellt.

Zwar ist der Elternbrief geschlechtsneutral formuliert, doch klar ist: Diese Ankündigung richtet sich in erster Linie an Mädchen. Auch der Präsident des Lehrerverbandes, Josef Kraus, äußert seine Sorge, dass die Jungen in den Klassen vom Anblick von Mädchen in knapper Kleidung durcheinandergebracht werden könnten: Man müsse sich in die heranwachsenden jungen Männer hineindenken. „Da geht mit dem einen oder anderen das Kopfkino durch.“ Damit sei die Ablenkung vom Unterricht vorprogrammiert.

Allerdings gibt er zu bedenken, dass Eltern möglicherweise auf Persönlichkeitsrechte der Kinder pochen könnten. Denn, so Kraus: „Man kann als staatliche Schule eine dezentere Kleidung genauso wenig anordnen wie eine Schuluniform.“ Und auch das baden-württembergische Kultusministerium stellt klar: „Die Schule ist nicht berechtigt, die eigene Moralvorstellung zum Gradmesser für eine korrekte Kleidung zu machen.“ Ein Eingreifen der Schule sei nur möglich, wenn die Ordnung des Unterrichts gefährdet sei.

Auf sozialen Netzwerken im Internet überwiegt die Empörung. So kritisieren einige, durch das Verbot kurzer Kleidung werde Mädchen suggeriert, für sexuelle Belästigung selbst verantwortlich zu sein. Eine Nutzerin spottet, dass Mädchen wohl bald in „Ganzkörperkondomen“ herumlaufen müssten, „damit das andere Geschlecht auf ja keine falschen Gedanken kommt“. Dass das Verbot der falsche Weg sei, meint auch Felix Walz vom Schülerbeirat Baden-Württemberg: „Hier werden Jungs unter sexistischen Generalverdacht gestellt und ein falsches Rollenbild vermittelt.“

Während an staatlichen Schulen eine Art Kleiderordnung kaum durchsetzbar ist, ist das an Privatschulen viel einfacher. An einem evangelischen Stuttgarter Gymnasium zum Beispiel gibt es bereits XXL-T-Shirts, die zu viel nackte Haut bedecken sollen. Bislang sind die Riesen-Shirts allerdings erst zweimal verteilt worden – und zwar an zwei Jungen mit Hänge-Hosen.

ip/bs (dpa)

Die Redaktion empfiehlt