Schüler gehen gegen Waffengewalt auf die Straße | Aktuell Amerika | DW | 24.03.2018
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USA

Schüler gehen gegen Waffengewalt auf die Straße

In Washington demonstrieren Hunderttausende Schüler aus allen Teilen der USA gegen Schießereien an Schulen. Es ist auch ein Protest gegen die Waffenlobby.

Es ist wohl eine der größten Demonstrationen der jüngeren US-Geschichte: Mehr als einen Monat nach dem Massaker an einer Schule in Florida haben überlebende Schüler eine Großdemonstration gegen Waffengewalt in Washington organisiert, an der etwa eine halbe Million Menschen beteiligt sind.

"Wir sind der Wandel", sagte Schüler Cameron Kasky aus Parkland in Florida bei seiner Rede auf der zentralen Kundgebung in Washington. Demonstranten trugen Plakate mit Aufschriften wie "Schützt Kinder, nicht Waffen" oder "Ich lehre mit Büchern, nicht mit Waffen". Der 15-jährige Elijah Schneider aus New York nannte die Demonstration ein "historisches Ereignis" und verlangte mehr Sicherheit in den Schulen. "Wir sind diejenigen, die jeden Tag Angst haben, zur Schule zu gehen", sagte die 17-jährige Lauren Tilley, die mit einer Gruppe aus Kalifornien zum Protestmarsch nach Washington gereist war, der Nachrichtenagentur AFP.

USA Washington March for our Lives - Jaclyn Corin und Yolanda Renee King (picture-alliance/AP Photo/A. Harnik)

"Marsch für unser Leben" - bei der Kundgebung in Washington spricht auch die Enkeltochter von Martin Luther King Jr., Yolanda Renee King (2.v.r.)

 Todesstrafe für Parkland-Attentäter gefordert

Das Schulmassaker von Florida hallt bis heute nach. Damit unterscheidet es sich von den unzähligen vorherigen Schießereien an US-Schulen. Am 14. Februar hatte der 19-jährige Nikolas Cruz an der Marjory Stoneman Douglas Highschool 14 Jugendliche und drei Erwachsene erschossen. Die Staatsanwaltschaft fordert die Todesstrafe für ihn.

US-Präsident Donald Trump(Getty Images/AFP/S. Loeb)

US-Präsident Trump verteidigt das Recht der Amerikaner, Waffen zu tragen

Seit dem Attentat kam es landesweit immer wieder zu Protesten durch Schüler. Die Tat führte in den USA erneut zu einer Debatte über eine Verschärfung des Waffenrechts. Die Schüler fordern unter anderem ein völliges Verbot von Sturmgewehren in den Händen von Zivilisten und eine generelle Heraufsetzung des Alters bei Waffenkäufen auf 21 Jahre.

Im Weißen Haus dagegen dringen die Proteste bisher offenbar noch nicht durch. Zu stark ist die in der "National Rifle Association" organisierte Waffenlobby. Auch Präsident Donald Trump verteidigt eisern das Recht der Amerikaner, Waffen zu tragen - auch wenn seine Regierung sich am Freitag zu einem ersten kleinen Schritt hin zu mehr Regulierung bereit zeigte: Justizminister Jeff Sessions kündigte an, Schnellfeuervorrichtungen für Gewehre zu verbieten. Mit solchen sogenannten bump stocks ist es möglich, eigentlich halbautomatische Waffen wie ein Maschinengewehr zu nutzen.

YouTube verbietet Videos zu Verkauf und Zusammenbau von Waffen

Wenige Tage vor dem angekündigten Marsch hat das verstärkt von Jugendlichen genutzte Videoportal YouTube reagiert: Die Plattform schränkt künftig die Verbreitung von Waffen-Videos ein. Videos, die zum Kauf von Waffen oder Waffenteilen aufrufen sowie Anleitungen für deren Bau dürften nicht mehr auf YouTube gepostet werden, teilte die Google-Tochter auf ihren Hilfeseiten mit. Mit Waffenteilen sind demnach insbesondere die umstrittenen bump stocks oder andere Teile gemeint, die ein halbautomatisches Gewehr so schnell schießen lassen wie ein verbotenes Maschinengewehr.

Viele Prominente unterstützen den Protestmarsch

Gesponsert wird der "Marsch fürs Leben" auch von zahlreichen Unternehmen wie der liberalen Eiscremefirma "Ben & Jerrys", dem Taxidienst "Lyft" oder der Dating App "Bumble". Auch Prominente von Steven Spielberg bis George Clooney haben großzügig gespendet. Social Media-Stars wie Kim Kardashian oder Cardi B posteten unterstützende Statements. Vor dem Kapitol in Washington dabei sein werden heute etwa die Sängerinnen Miley Cyrus und Ariana Grande sowie Justin Timberlake.

 Der frühere US-Präsident Barack Obama, der sich in seiner Amtszeit erfolglos für strengere Waffengesetze eingesetzt hatte, lobte in einem Brief an die Parkland-Schüler ihre "Ausdauer, Entschlossenheit und Solidarität". Sie hätten dabei geholfen, "das Gewissen der Nation zu wecken". Der frühere US-Präsident Bill Clinton erklärte, das Land müsse den Schülern und ihren Mitstreitern dankbar sein. 

Nicht nur in Washington, sondern an 800 Orten weltweit wird demonstriert, wie die Initiative "Everytown for Gun Safety" bekannt gegeben hat. Proteste gibt es auch in Deutschland, unter anderem in München, Berlin und Hamburg.

hf/kle (rtr, afp, dpa, ap, cnn)