Saudi-Arabien will sich zum Freizeitparadies aufschwingen | Aktuell Nahost | DW | 04.05.2018
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Kultur und Unterhaltung

Saudi-Arabien will sich zum Freizeitparadies aufschwingen

Projekt Lebensqualität 2020: So heißt der ehrgeizige Plan, mit dem die saudische Führung das arabische Land attraktiver machen will. Dazu sollen 34 Milliarden Dollar in den Bau neuer Kultur- und Freizeitzentren fließen.

Saudi Arabien Quality of Life Programm (Getty Images/F. Nureldine)

Auch der französische Ex-Fußballer Thierry Henry war Gast bei der Auftaktveranstaltung

Gleich reihenweise sollen in Saudi-Arabien in den nächsten Jahren neue Sportanlagen, Kinos, Theater, Museen, Freizeitparks und Kulturzentren aus dem Boden sprießen. Dazu will der Staat 13,3 Milliarden Dollar investieren, wie der Projektleiter Ahmed Chatib in der Hauptstadt Riad sagte. Der Rest des Budget für das "Projekt Lebensqualität 2020" soll von aus der Privatwirtschaft und von ausländischen Investoren kommen. In den neuen Freizeiteinrichtungen sollen rund 300.000 Arbeitsplätze entstehen, die meisten davon in den Sportanlagen.

Saudi Arabien Quality of Life Programm (Getty Images/F. Nureldine)

In diesem luxuriösen Ambiente fand eine begleitende Konferenz zum Projekt Lebensqualität 2020 statt

Die neuen Kultur- und Freizeitzentren, darunter auch ein großes Schwimmbad, sollen für eine bessere Lebensqualität in Saudi-Arabien sorgen: Das Land will erreichen, dass drei saudische Städte in die Liste der hundert lebenswertesten Städte der Welt aufgenommen werden. Das Projekt werde "zur Zufriedenheit der Saudi-Araber beitragen und sie dazu ermuntern, in ihr Land zu investieren und hier zu bleiben", sagte Chatib bei der Auftaktveranstaltung in Riad. Daran nahmen auch internationale Gäste wie US-Schauspielerin Katie Holmes, Ex-Fußballstar Thierry Henry und der britische Serienstar Idris Elba teil.

Am Samstag hatte König Salman bereits den Startschuss für den Bau eines riesigen Freizeitparks gegeben. Das 334 Quadratkilometer große Areal südwestlich von Riad soll so etwas wie das Disneyland Saudi-Arabiens werden und mit Themenparks, Sporteinrichtungen und Kulturzentren bis 2030 jährlich 17 Millionen Besucher anziehen.

Kronprinz als Visionär?

Die Initiative "Projekt Lebensqualität 2020" ist Teil der "Vision 2030", mit der Kronprinz Mohammed bin Salman einen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Reformkurs in dem erzkonservativen Königreich eingeleitet hat. In den vergangenen Wochen eröffneten bereits die ersten Kinos und die erste arabische Modewoche wurde veranstaltet. Mit dem Reformprogramm will der Kronprinz die Abhängigkeit vom Öl in Zeiten sinkender Energiepreise verringern und die Wirtschaft Saudi-Arabiens breiter aufstellen. Viele Saudis verbringen ihre Freizeit in den benachbarten Emiraten Dubai und Bahrain und geben Milliarden in der dortigen Vergnügungsindustrie aus.

Vom Aufbau einer eigenen Unterhaltungsbranche verspricht sich Riad Jobs und Einnahmen, auch von Touristen und ausländischen Geldgebern. Bereits im vergangenen Jahr habe es in dem reichen Wüstenland auf der arabischen Halbinsel mehr als 2000 Veranstaltungen gegeben, teilte die Unterhaltungsbehörde im Februar mit. Dazu zählten Konzerte, eine Comicmesse oder Kunstausstellungen. Diese Zahl solle 2018 auf etwa 5500 Veranstaltungen steigen. Auch der Grundstein für ein neues Opernhaus ist bereits gelegt.

Vorsichtige gesellschaftliche Öffnung

Saudi-Arabien befindet sich angesichts einer unsicheren wirtschaftlichen Zukunft und relativ niedriger Ölpreise in einer Zeit der Reformen und der teilweisen Öffnung der Gesellschaft. Für Juni hat die Regierung angekündigt, Frauen als letzter Staat der Welt das Autofahren zu erlauben. Das Verbot ist seit Jahrzehnten das Symbol der Unterdrückung der Frauen in dem islamischen Saudi-Arabien.

Saudi Arabien Quality of Life Programm (Getty Images/F. Nureldine)

Brachte Hollywood-Flair nach Riad: die US-Schauspielerin Katie Holmes

Außenpolitisch steuert Saudi-Arabien weiterhin einen rigiden Kurs. Seit März 2015 fliegt eine Militärkoalition unter Riads Führung unter Inkaufnahme zahlreicher ziviler Todesopfer Luftangriffe im Jemen, um den Kampf der dortigen Regierung gegen die vom Iran unterstützte schiitische Huthi-Miliz zu unterstützen. Im Inneren greift das Königshaus hart gegen Kritiker durch.

kle/uh (afp, rtre, dpa)