Samsung-Erbe auf freiem Fuß | Asien | DW | 05.02.2018
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Südkorea

Samsung-Erbe auf freiem Fuß

Samsung-Erbe Lee Jae Yong darf seine Gerichtszelle verlassen, obwohl ein Berufungsgericht seine Verurteilung wegen Bestechung bestätigt hat. Der Fall zeigt, welche Macht die Großkonzerne in Südkorea besitzen.

Ein südkoreanisches Berufungsgericht hat die Freilassung des wichtigsten Wirtschaftsführers des Landes angeordnet. Samsung-Erbe Lee Jae Yong darf nach einem knappen Jahr Untersuchungshaft seine Gefängniszelle wieder verlassen. Die Richter bestätigten zwar seine Verurteilung wegen Bestechung, reduzierten aber seine fünfjährige Haftstrafe auf zweieinhalb Jahre und setzten sie zudem zur Bewährung aus.

Lee gilt als einer der Hauptakteure in jenem Korruptionsskandal, der zum Sturz von Ex-Präsidentin Park Geun Hye geführt hat. Das Richtergremium hat es als erwiesen angesehen, dass es sich bei einer dubiosen Zahlung von umgerechnet über fünf Millionen Euro an die Tochter von Parks engster Vertrauten um Schmiergelder gehandelt hat. Im Gegenzug soll Lee die Regierungserlaubnis für eine umstrittene Zusammenlegung zweier Samsung-Tochtergruppen genehmigt bekommen haben. Diese habe Lee Jae Yong wiederum dabei geholfen, die Kontrolle über den Mischkonzern zu festigen.

Südkorea Staatsanwaltschaft befragt Park Geun-hye (Getty Images/J. Heon-Kyun)

Der Samsung-Korruptionsfall führte 2017 zum Sturz von Präsidentin Park Geun Hye

"Ausgesprochen mildes Urteil"

Das heutige Urteil ist vor allem ein herber Schlag für die koreanische Staatsanwaltschaft, die zwölf Jahre Gefängnis für Lee gefordert hatte. Laut ihrer Argumentation würde eine harte Strafe gegen den Wirtschaftslenker den Rechtsstaat stärken. Der Fall wird nun höchstwahrscheinlich vor dem Obersten Gerichtshof in Seoul landen.

"Zweieinhalb Jahre ist ein ausgesprochen mildes Urteil in einem Bestechungsfall, der immerhin einen führenden Manager des Landes betrifft", sagt Geoffrey Caine. Der US-Autor hat sich für seine Recherchen über Monate hinweg in Südkoreas Hauptstadt Seoul mit hunderten Angestellten des Mischkonzerns getroffen. Seinem Urteil zufolge diente Samsung zwar als Motor des koreanischen Wirtschaftswunders. Mittlerweile sei der Unternehmensriese jedoch zum Hindernis auf dem Weg zu einer transparenten und korruptionsfreien Volkswirtschaft geworden.

Chaebols werden die Konzerne genannt, die während der Militärdiktatur in den 60er und 70er Jahren zu Marktführern in fast allen Wirtschaftsbranchen heranwuchsen. Die südkoreanische Regierung hat die Chaebols seit jeher mit günstigem Strom versorgt und vor ausländischer Konkurrenz geschützt. Im Gegenzug wurde von ihnen erwartet, sich bei Regierungsprojekten stets loyal zu zeigen, und nicht selten direkt in die Portemonnaies von Regierungsbeamten zu zahlen.

Südkorea Samsung Zentrale in Seoul (Getty Images/AFP/J. Yeon-Je)

Die Lösung des südkoreanischen Staates aus der engen Verbindung mit den Konzernen bleibt eine Herausforderung

Der "Korea-Discount"

Längst sind die Chaebols derart dominant, dass sie das Gedeihen eines gesunden Mittelstands verhindern. Allein Samsungs Unternehmenswert macht rund 20 Prozent der gesamten koreanischen Börse aus. 

Die Chaebols gelten als unantastbar, auch vor dem Gesetz. Im asiatischen Ausland wird die laxe Vorgehensweise gegen die Chaebeol als "Korea Discount" verspottet: Über undurchsichtige Beteiligungsgeflechte werden Unternehmen mittlerweile in dritter Generation von Vätern an Söhne vererbt. Mit Schlupflöchern vermeiden sie Steuerzahlungen und missbrauchen Firmengelder zur eigenen Bereicherung. 

Ein Großteil der Firmenvorstände wurde zudem bereits wegen Wirtschaftsverbrechen schuldig gesprochen - in fast ausnahmslos allen Fällen wurde die Strafe jedoch zur Bewährung ausgesetzt. In den Urteilssprüchen der Richter heißt es oft, dass Gefängnisstrafen gegen die volkswirtschaftlichen Interessen Südkoreas verstießen. Auch Lee Jae Yongs Vater, der seit einem Herzinfarkt 2014 im Krankenhaus liegt, wurde 2009 wegen Korruption verurteilt und wenig später ebenfalls begnadigt.

Als Südkoreas linksliberaler Präsident Moon Jae In im vergangenen Mai sein Amt antrat, wurde er vor allem wegen seines Versprechens gewählt, die großen Chaebols reformieren zu wollen und die grassierende Korruption einzudämmen. Um diese sorgt sich Südkoreas Jugend weitaus mehr als um die atomare Bedrohung des Nachbarlandes im Norden.

Autor Geoffrey Cain glaubt jedoch nicht daran, dass es Präsident Moon gelingen wird, die Dominanz der Chaebol zu beschneiden: "Südkorea hat bei der rechtsstaatlichen Überwachung von Unternehmen noch einen weiten Weg vor sich. Die Regierung unter Moon Jae In hat bislang wenig bis gar nichts getan, um die Chaebol ernsthaft im Zaum zu halten".

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